Musik, Ballett und Installation zum Reformationsjubiläum in Leipzig

Leipzig segelt auch im zweiten Halbjahr voll im Wind des Reformationsjubiläums. Dazu wird auf dem Marktplatz eine 42 Meter lange, von 95 Stühlen umrahmte Tafel als Analogie zu den 95 Thesen aufgebaut und zum ersten Mal das Gesamtwerk des Renaissance Kompnisten Josquin des Préz an verschiedenen Orten der alten Drucker- und Messestadt aufgeführt.

Schrecken und Liebe

Die gewaltige Installation auf dem Marktplatz ist Teil des transmedialen Kunstwerkes „ABENDMAHL – abnehmender Schrecken / zunehmende Liebe“ des Komponisten und Medienkünstlers Thomas Christoph Heyde. An drei Abenden wird die mittelalterlich anmutende Tafel zum Spielort eines der komplexesten Werke der Gegenwart: 95 Sänger verteilen sich auf den spektakulär designten 95 Sitzplätzen und bringen in einem öffentlichen Konzert den lateinischen Originaltext der 95 Thesen von Martin Luther sowie eine Neuinterpretation des „Vaterunser“ zur Uraufführung.

Über den Köpfen der Akteure sind große und weithin sichtbare Videoleinwände installiert, die von auf dem Tisch fahrenden Kameras gespeist werden. Die Aufführungen werden so zu einem musikalischen, filmischen und szenischen Gesamtkunstwerk. Das Projekt des Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig e.V. und der Filmproduktion LUMALENSCAPE vereint verschiedene Chöre, Ensembles und Solisten miteinander. Es schafft einen sinnlichen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Josquin des Préz: Aufführung des Gesamtwerkes

Ein weiterer Höhepunkt ist das Gesamtkunstwerk „Josquin – Das Projekt“, das vom 1. bis 3. September 2017 an verschiedenen Veranstaltungsorten in Leipzig stattfindet, u.a. in der Alten Handelsbörse und im Hôtel de Pologne. Erstmalig weltweit wird das beeindruckende Gesamtwerk von Josquin des Préz – darunter 18 Messen, 60 Motetten und 60 Chansons – in einem Konzertzyklus zusammenhängend aufgeführt. Dieser Josquin des Préz war nicht nur Martin Luthers Lieblingskomponist, sondern vor allem einer der herausragendsten Musiker seiner Epoche. Geboren um 1450, wirkte er als Sänger, Kantor und Komponist in den damals angesagtesten Musikzentren Europas.

Bach ist auch dabei

Wer an Leipzig denkt, denkt sofort an Johann Sebastian Bach, der als Thomaskantor 27 Jahre lang das musikalische Leben der Stadt prägte. Allein für Leipzig entstanden mehrere Kantaten-Jahrgänge, auch die „Johannes-Passion“. Zum Reformationsjahr kreierte Mario Schröder, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Leipziger Balletts, einen Ballettabend zur Musik von Bachs „Johannes-Passion“. Die Premiere findet am 27. Oktober 2017 im Opernhaus Leipzig statt.

Orgelfestival und Thomanerchor

Musikfreunde sollten einen weiteren Höhepunkt nicht verpassen: vom 27. bis 31. Oktober 2017 findet im Gewandhaus zu Leipzig das Orgelfestival statt. Es ist in diesem Jahr unter dem Motto „Reformation – Revolution“ dem Reformationsjubiläum gewidmet. Auf dem Programm stehen u.a. die Orgelmatinee „Improvisation über Lieder Martin Luthers“ durch Organist Mathias Eisenberg (29.10., 11 Uhr) und Lutherische Kirchenmusik des Barock (29.10., 20 Uhr). Am Reformationstag, dem 31. Oktober 2017, gestaltet der Thomanerchor ab 9:30 Uhr den Gottesdienst in der Thomaskirche. Unter der Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz führt er gemeinsam mit dem Gewandhausorchester, Thomasorganist Ullrich Böhme sowie Solisten die Bach-Kantate „Eine feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80) auf.

Die ausführliche Programmübersicht ist in der Tourist-Information Leipzig (Katharinenstraße 8) erhältlich. Alle Informationen zum Jubiläumsjahr in Leipzig gibt es unter: www.luther-in-leipzig.de und www.abendmahl2017.de

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