Ab Sonntag im Fass

Fass Alter Bierhof Heringstraße zwo - KopieDas kleine aber schwerwiegende Wörtchen „Fass“ assozieiren die meisten Menschen mit Inhalten wie Wein, Bier, Schnaps oder Gurken. Manchmal ist auch Öl drin. Der Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin werden ein solches jedoch wie einst der griechische Philosoph Diogenes bewohnen – zumindest für einige Tage… Weiterlesen

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Durch den Deckel trinken oder: Der innovative Kaffeebecher der Deutschen Bahn

Die deutsche Bahn ist ein echter Hotspot in Sachen Innovation. Daher stellt sie immer häufiger diese schönen neuen IC Züge im Doppelstockformat auf die Gleise. In denen die Reisenden perfekt ans Ziel geschaukelt werden. Sie müssen auch nicht mehr aufstehen um in den Speisewagen zu gehen denn den gibt’s, der Bahn sei Dank, gar nicht mehr. Stattdessen kommt ein flinker DB-Kellner durch die Gänge gewackelt… Weiterlesen

Wettkampf um die beste Stulle

Der Großstadtwanderer ist immer wieder erstaunt, dass sich offenbar alles per Wettbewerb ermitteln lässt – sogar die beste Stulle. Selbiges passierte jedoch nicht in Berlin, wo diese Bezeichnung für eine Scheibe Brot zur Alltagssprache gehört, sondern Anfang Oktober in einem Ort namens Kamp-Lintfort, das nach den Kenntnissen des Großstadtwanderers irgendwo im Umkreis von Duisburg zu finden ist. Weiterlesen

Hasenheide: Würstchen, Bier und lange Hörner

Frühstück in der Fuldastraße Berlin NeuköllnAuch in Berlin ist nicht immer Sommer und wenn er dann da ist, kann mitten drin mal der Herbst mit Regen, Hagel und Sturmgebraus auftauchen. Dieses Risiko hält die geheimnisvolle Besucherin jedoch nicht davon ab, das stundenlange Frühstücksritual des Großstadtwanderers mit der Aufforderung zu einem Spaziergang eindeutig zu beenden. Schnell schiebt er sich noch ein paar Löffel Grießpampe in die Futterluke, kippt anschließend den Rest Kaffee hinterher und steht dann gehorsam auf um auf dem Weg zur Tür noch einen Schokoriegel zu verdrücken. Dann geht’s die Treppen abwärts ins bunte Gewimmel der Neuköllner Fuldastraße… Weiterlesen

Berlinreise: Wo drei sich treffen

Wenn der Großstadtwanderer die geheimnisvolle Besucherin an jenen magischen Ort mitten Berlin lotsen will, wo Drei sich treffen, muss er sie zunächst mal auf die schwankenden Planken eines Schiffes locken. Doch dann ist es gar kein schwankender Plankenkahn, der am Neuköllner Maybachufer auf Ausflügler wartet, sondern so ein moderner Ausflugsdampfer, der allerdings längst nicht mehr dampft, sondern dieselt. Aber immerhin gibt’s auf dem Oberdeck Kaffee und Kuchen und für die geheimnisvolle Besucherin die obligatorische Bratwurst, so dass sie nichts mehr gegen eine Berlintour auf dem Wasser einzuwenden hat. Weiterlesen

Eltville am Rhein: Rausch ohne Reue im Zauber der Farben

Blick durch die Schießscharte auf die BlumenprachtDem Gaumen des Großstadtwanderers ist der Genuss edler Tropfen durchaus angenehm. Daher dürfte es nicht verwundern, dass er während eines längeren Aufenthalts im fernen Frankfurt (von Berlin aus gesehen) nicht umhin kann, sich auf einen kurzen Trip in den Rheingau zu begeben. Dort gibts nicht nur Wein, sondern auch tausend Rosen…
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Ein Hauch von Dorfidylle in Berlin Neukölln

Am Rande des Hermannplatzes in Berlin Neukölln fragt ein Tourist aus dem Schwabenländle, wo denn dieser Louis mit den großen Schnitzeln zu finden sei. Da aber der Hermannplatz inzwischen ein internationaler Touristentreffpunkt geworden ist, erwischt der hungrige Schwabe zunächst auch nur Leute, die, wie er selbst, von weit her kommen. Von dem Laden gehört haben schon einige, doch keiner scheint zu wissen, wie man da hin kommt. Endlich aber wird dem Mann aus Deutschlands Südwesten weitergeholfen von einem türkischen Berliner, der ihm den Weg per U-Bahn und zu Fuß sehr detailliert beschreibt. Der Schwabe wählt den Fußweg…

Heavy Metal Sound

Vom Hermannplatz die Karl Marx Straße entlang zu laufen ist wie ein Schwimmen im Strom des endlosen Menschenflusses. Zahllose Geschäfte, Restaurants und Dönerläden flankieren diese Supertangente Neuköllns. Eine Kulisse für ein Stück, das Einkaufsbummel heißt. Dazu über alle Oktaven des hörbaren Spektrums der Heavy Metal-Sound des motorisierten Zeitalters…

Neukölln Karl Marx Straße - Kopie

Böhmisch Rixdorf mit Jan Hus und Brüdergemeine

So oder ähnlich hatte sich der Schwabe Berlin möglicherweise vorgestellt. Doch dann, vom Big City Trubel der Karl-Marx-Straße in die Richardstraße einbiegend, eröffnet sich ihm mitten in der Millionenmetropole eine etwas andere Welt. Die Klänge werden selektiver und verhaltener und die Luft scheint sogar ein bisschen nach ländlicher Idylle zu riechen. Besonders erstaunlich aber zwischen den prangenden Gründerzeitfassaden sind die Satteldachhäuser mit hölzernen Flügeltoren vor bogenförmig gemauerten Einfahrten. Groß genug für die Erntewagen einer vergangenen Epoche, als hier noch bäuerliches Leben herrschte.

Richardstraße Berlin Neukölln

Haus in der Neuköllner Richardstraße - Kopie

Das sind die Reste eines böhmischen Dorfes mitten im Großstadtgewühl und Hinweis auf die Einwanderertradition Neuköllns. Gegründet wurde es von Siedlern, die anno 1731 aus den tschechischen Gebieten der damaligen Donaumonarchie aus Glaubensgründen geflohen waren. Die Böhmischen Brüder bauten hier ihr eigenes Dorf und bildeten später zusammen mit Deutsch Rixdorf die Keimzelle des heutigen Neukölln, dem kulturellen Hot Spot der deutschen Hauptstadt. Hier hat auch der tschechische Reformator Jan Hus sein Straßenschild und selbstverständlich ist die böhmische Brüdergemeine (kein Schreibfehler, sie heißt wirklich so) noch immer ein aktiver Vertreter des religiösen, sozialen und kulturellen Lebens in dieser Keimzelle des multikulturellen Neuköllns.

Restaurant Louis am Rixdorfer Anger

Der Weg des hungrigen Schwaben geht weiter die Richardstraße entlang, an deren Ende sich nicht nur der alte Rixdorfer Anger mit der historischen Schmiede, sondern auch das ersehnte Lokal namens Louis befindet. Kein böhmisches Restaurant, aber immerhin ist der Wirt ein Österreicher und das merkt man auch. Der Kaiserschmarren sprengt das Fassungsvermögen jedes Einzelmagens und das Große Schnitzel lockt inzwischen sogar hungernde Gäste aus Fernost und dem nicht ganz so fernen Schwabenländle an den Rand des böhmischen Dorfes zu Berlin Neukölln.

Schnitzel Louis

Kaiserschmarren beim Schnitzel Louis

Doch halt – am Ende stellt sich heraus, dass der Schwabe gar kein solcher ist, sondern ein Badenser mit italienischen Wurzeln. Doch Berliner Ohren aller Art können die feinen sprachlichen oder akzentmäßigen Unterschiede nicht so ganz wahrnehmen. In diesem Restaurant sind solche regionalen Besonderheiten ohnehin wurscht. Hier wird allgemein auf deutsch-österreichische Freundschaft gemacht –  wobei unklar bleibt, ob damit an die einstige New Wave-Band gleichen Namens erinnert werden soll oder vielmehr die Kochrezepte beider Länder gemeint sind.

Fotos: 1. peter bachstein, 2., 3., 4. Vera Schwarz, 5. peter bachstein