Treffen mit Tim dem Roboter im Deutschen Technikmuseum

ein-roboter-namens-tim-kopieMuseen bieten die Konfrontation mit den Überbleibseln von Gestern und der Großstadtwanderer liebt die Begegnungen mit ausgebuddelten Artefakten aus Ägypten, Griechenland oder Mittelamerika. Beim Besuch des Deutschen Technikmuseums in Berlin Kreuzberg wird er jedoch nicht vom Hauch der Antike erwartet, sondern von Tim dem Roboter. Der soll als digitaler Guide die Leute durch die verschlungenen Pfade der Ausstellungen lotsten. Momentan ist er aber am Schnarchen und erinnert damit ein bisschen an einen schlafenden Furby…

Roboter im Schnarchmodus

Dieser gute Junge ist natürlich was Feines für die geheimnisvolle Besucherin, deren Affinität bezüglich Technik ja allgemein bekannt ist. Sofort will sie mit Tim in Kontakt treten, was auf der verbalen Schiene aber nicht klappt. Tim schnarcht einfach weiter während sie ihn zunächst höflich und am Ende etwas gereizt um den Ausbruch von Aktivitäten bittet. Lediglich ein Touch Screen bietet ihr die Chance zur Kontaktaufnahme mit dem schnarchenden Tim. Nicht gerade eine barrierefreie Schnittstelle zwischen Maschine und Mensch, wenn Letzterer zur Gruppe der Sehbehinderten gehört und mit dem grafischen Sammelsurium auf dem Screen rein augentechnisch nicht gerade viel anfangen kann.

Roboter auf der Flucht

Doch wie üblich scheut die geheimnisvolle Besucherin kein Risiko wenn es darum geht, unwillige Technik in Gang zu bringen. Aufgrund ihres reichen Erfahrungsschatzes im Umgang mit Smartphone, Tablet und Konsorten weiß sie, das beim Berühren des Touch Screen immerhin irgend etwas passiert und das ist zweifelsohne mehr als gar nichts. Klappt auch diesmal – allerdings mit Überraschungseffekt. Denn kaum hat sie dem Sreen einen Touch verpasst schaltet Tim vom Schlnarch- in den Fluchtmodus, lässt mit männlicher Stimme ein paar Bemerkungen fallen und entkommt dann unaufhaltsam in den schier endlosen Weiten des Deutschen Technikmuseums.

Übrigens scheint Tim mit seiner unerwarteten Startgeschwindigkeit sogar Menschen mit voller Sehkraft übertölpeln zu können. Zumindest lassen Bemerkungen wie „wo ist er denn plötzlich hin“ oder „haut einfach ab der Schlingel“ diesen Schluss zu.

Gestern High Teck – heute altes Eisen

Weil Tim der Roboter sich im Affenzahn aus dem Staub gemacht hat, heißt es nun, auf eigene Faust loszuziehen um einige Highlights des Museums zu entdecken. Beispielsweise die Dauerausstellung zum Thema Netz, was ja zum Roboter passen würde. Doch der kleine Tim ist zumindest hier nicht anzutreffen.

Dafür gibt’s jede Menge Geräte und Apparate, die der Großstadtwanderer während seiner eigenen beruflichen Vergangenheit intensiv nutzen konnte. Da stehen sogar Schreibmaschinen herum, mit denen er einst Haus- und Magisterarbeiten sowie zahllose Zeitungsartikel direkt aufs Papier hämmerte. Eine Lochkartenmaschine erinnert ihn an jenes Monstrum, das er um 1980 in einem Zeitungsarchiv traktieren musste und – tatsächlich – sein erster MP3 Player, gerade mal zwanzig Jahre alt, gehört inzwischen auch schon zu den Exponaten dieser musealen Ausstellung. Vor kurzen noch modernste Hightech Produkte – heute schon wieder ausgemustert und dem ungläubigen Staunen 12jähriger Kids ausgesetzt. Für diese verbindet sich mit solchen Objekten offenbar so was Ähnliches wie angenehm gruseliges Steinzeitfeeling…

Inzwischen hat die geheimnisvolle Besucherin einige Audiomuscheln, die Infos über die Ausstellung und die einzelnen Exponate servieren sollen getestet und findet sie nicht besonders brauchbar im Sinne von Barrierefreiheit für Sehbehinderte oder Blinde. Das kann der Großstadtwanderer nur bestätigen, denn er hat trotz seiner knapp zwanzigprozentigen Sehkraft die Dinger noch gar nicht bemerkt. Sie kleben irgendwo an den Schaukästen und selbst die sogenannten voll sehenden Personen reißen sie manchmal unabsichtlich aus den Halterungen, sodass nicht unbedingt mit einer langen Lebensdauer der Muscheln zu rechnen ist.

Crash mit Hocker

Die Ausstellung selber aber ist große Klasse und der Großstadtwanderer hätte sich sehr gern noch einige Zeit lustvoll auf den Spuren seiner eigenen Vergangenheit bewegt. Damals hatten die technischen Helfer wenigstens noch Charakter und ein gewisser Reinhard Mey sang gar ein Lied über die Liebe eines sentimentalen Programmierers zu einem weiblichen Großrechner aus Chrom und Draht. Doch aktuell droht das viel zu frühe Ende der Öffnungszeit des Deutschen Technikmuseums und da bleibt nichtmal mehr Zeit für melancholisches Schwelgen denn alle müssen rasch den Rückweg unter die Sohlen nehmen…

Ganz so rasch geht’s aber nicht, weil da plötzlich wieder mal irgend Etwas im Wege steht. Dieses Etwas entpuppt sich als kleiner Hocker, dessen runde Sitzfläche durch die unabsichtliche Berührung des Großstadtwanderers urplötzlich in die Höhe schnellt und ihm einen gepolsterten Boxhieb verpasst. Tut nicht weiter weh, löst aber den seit Urmenschtagen bewährten Schreckmodus aus, durch den der Großstadtwanderer zurück springt und einen weiteren kleinen Hocker umnietet. Der schnellt jedoch nicht wieder in die Höhe, sondern rollt asymmetrisch dem Roboter entgegen, der urplötzlich um die Ecke gekommen ist und dem trudelnden Hocker geschickt ausweicht.

Tim oder Mario?

Ungerührt setzt Tim den Weg zu seinem Startpunkt fort. Dort fällt er sofort wieder leise schnarchend wie ein Furby in einen digitalen Tiefschlaf. Sicher ein nettes Spielzeug dieser Tim, meint der Großstadtwanderer – aber nicht gerade Up To Date und daher durchaus als Exponat für die Ausstellung des Technikmuseums geeignet. Längst gibt es digitale Helfer, die sehr viel weiter sind. Der Großstadtwanderer kennt da diesen vielseitigen Hotelroboter Mario – kleiner als Tim, aber viel größer im Können. Mit Mario sind verbale Gespräche in 29 Sprachen möglich und außerdem beherrscht der Kleine sogar Power Point Präsentationen.

Stellt sich die Frage, ob das nicht auch was Passendes  für die Bildungsangebote eines Museums wäre. Und wird es eines Tages nach dem Vorbild des sentimentalen Programmierers Liebesbeziehungen zwischen Mensch und Roboter geben?

Vorsicht Abo Falle: Eine WhatsApp-Nachricht lockt mit kostenlosen Flugtickets

Jena: Der europäische Security-Software-Hersteller ESET meldet einen Anstieg von betrügerischen WhatsApp-Nachrichten. Beispielsweise werden aktuell vielen Nutzern nach dem uralten Motto „mit Speck fängt man Mäuse“ kostenlose Flugtickets der Emirates Airline versprochen. In dem Zusammenhang soll eine Webseite besucht werden, die den Anschein der offiziellen Emirates-Seite erweckt. Die Fluggesellschaft steht jedoch in keiner Verbindung zu der Seite.

Ticketgewinn als Lockmittel

Sobald die Nutzer auf den Link in der Nachricht klicken, werden sie zu einer Umfrage geleitet. Dort werden sie dazu aufgefordert teilzunehmen, um Tickets zu gewinnen. Außerdem soll die WhatsApp-Nachricht mit Link zur Umfrage an mindestens zehn Kontakte geschickt werden. Wenn die Nutzer diese Aufforderung befolgen, verbreiten sie den betrügerischen Inhalt selbst an ihre Kontakte weiter.

Ähnliche Masche wie beim „Burger King Scam“

Bei dem Betrug handelt es sich um eine Abo-Falle wie ein Blick ins Kleingedruckte der Umfrage zeigt. Hier wird nämlich darauf hingewiesen, dass damit ein kostenpflichtiges Angebot von Dritten angenommen wird. Anschließend wird der Nutzer aufgefordert, mit seiner Telefonnummer einen Premium-Nachrichten-Dienst zu abonnieren, was sich am Ende des Monats auf der Telefonrechnung schmerzlich bemerkbar macht. Am Ende gibt’s nicht mal den Speck, mit dem die User in diese Abofalle gelockt wurden, sondern lediglich die lapidare Meldung, kein Ticket für die Flugreise gewonnen zu haben. 

Scheint eine ähnliche Masche zu sein wie beim Fall des „Burger King Scam“. Da erhielten die Nutzer ebenfalls Nachrichten per WhatsApp und wurden auf eine Umfrage weitergeleitet, die den Eindruck vermittelte, von der Fast-Food-Kette erstellt worden zu sein.

Vorsicht bei zweifelhaften Angeboten

Der beste Schutz gegen diese Art von Betrug ist es, bei dubiosen Angeboten oder Rabatten Vorsicht walten zu lassen. E-Mails, Nachrichten aus sozialen Netzwerken oder SMS mit unrealistischen Rabatten sollten nicht weiter beachtet und als Spam markiert werden. Da die Nutzer im konkreten Fall selbst den Scam via WhatsApp weiter verbreiten, sollten derartige Nachrichten auch von sonst vertrauenswürdigen Kontakten ignoriert werden. Wer bereits betroffen ist, sollte alle Anwendungen, die in diesem Zuge installiert wurden, sofort deinstallieren. Außerdem können sich Nutzer bei ihren Mobilfunkanbietern über etwaige abgeschlossene Premium-SMS-Dienste informieren.

Und hier gibt’s noch mehr zum aktuellen whatsapp-betrug…

Nutzer haben Angst vor Ärger beim Löschen von Social-Media-Accounts

Die Social-Media-Verliebtheit der entsprechenden User ist keineswegs so unerschütterlich wie allgemein angenommen wird. Zwei Drittel von ihnen würden nämlich ganz gern ihre Accounts dicht machen wie eine Studie von Kasparsky Lab zeigt. Vor diesem Schritt schrecken die Meisten jedoch zurück, weil sie Angst haben, dadurch Freunde und Postings zu verlieren.

Digitale Freiheit erlangen

Laut dieser Studie, für die 5000 User befragt wurden, sehen die Nutzer ihr Verhältnis zu Facebook, Twitter, Google+ und Co durchaus kritisch. So glauben 39 Prozent der Befragten, dass sie mit den sozialen Medien ihre wertvolle Zeit sinnlos verplempern. Etwa 30 Prozent haben u. a. darüber nachgedacht, ihre Social-Media-Accounts wegen der möglichen Überwachung durch die großen IT-Giganten aufzulösen.

Jedoch fühlen sich viele trotz der negativen Wahrnehmung von Social Media gezwungen, den Plattformen treu zu bleiben weil sie beim Ausstieg große Nachteile befürchten. So glaubt eine Mehrheit von 62 Prozent der User, dass sie Kontakt mit ihren Freunden verlieren würden, wenn sie die sozialen Netzwerke verlassen. 21 Prozent der Befragten waren wiederum weniger in Sorge um ihre Freunde als um ihre digitalen Daten, wie Fotos, die außerhalb ihrer Kontrolle sind, sobald sie das soziale Netzwerk verlassen.

Das klingt nicht gerade nach digitaler Freiheit. Diese kann nach Ansicht des Experten Evgeny Chereshnev von Kaspersky nur erlangt werden, „wenn wir es schaffen, die Menschen wieder von Passagieren zu Lenkern zu machen, die das Recht haben, zu jedem Zeitpunkt eine verschlüsselte Kopie all ihrer digitalen Daten zu erhalten“.

App „FFForget“ gegen die Angst

Übrigens entwickelt Kaspersky derzeit eine App namens „FFForget“, die es wahrscheinlich ab 2017 geben wird. Sie soll den Nutzern die Angst nehmen, ihre Daten aufgrund von Beschädigungen oder Hackerangriffen zu verlieren. „Und am wichtigsten dabei ist, dass die Menschen ihr Recht zurückbekommen, die sozialen Plattformen, wann immer sie wollen, zu verlassen, ohne dass sie der Gefahr ausgesetzt sind, ihre digitalen Leben zu verlieren“, so Chereshnev abschließend.

ARD-Kinderradionacht kommt diesmal mit dem Zeitreisezug

Mit den Ohren zu Dinosauriern und Steinzeitmenschen reisen, in der römischen Arena vor den Löwen fliehen, das finstere Mittelalter besuchen oder einfach nur den vergangenen Tag noch einmal erleben – all das ist möglich, wenn es in der 10. ARD-Kinderradionacht am 25. November ab 20:0auf Zeitreise geht. Die Radionacht ist eine ARD-Gemeinschaftssendung. Überall in Deutschland können Schüler und Lehrer, Kinder und Eltern, Freunde und Nachbarn die erfinderische Nacht im Radio erleben.

Abfahrt mit dem Zeitreise-Zug

Fünf Stunden lang werden dafür von radioBerlin 88,8 Hörspiele und Geschichten, Interviews und Reportagen, Comedy und viel Musik serviert. Moderator Ralph Erdenberger bittet in den Zeitreise-Zug, erkundet die Vergangenheit und wagt einen Blick in die Zukunft. Im mehrteiligen rbb-Mitmach-Hörspiel geht es um eine abenteuerliche Zeitreise auf drei Drehstühlen. In den rbb-Radiogeschichten fallen „Ritter Blasius und Sandro Pandora“ in ein geheimnisvolles Zeitloch, und es wird von „Anna in der Stunde, die es nicht gibt“ erzählt. In der Comedy deckt Opa Schlüter auf, wie es in vergangenen Zeiten wirklich zuging. Außerdem erforschen unsere Reporter „T. Rex im Federkleid“ und „Die Geschichte des Klopapiers“. Um 20.05 Uhr und 22.00 Uhr meldet sich radioBerlin-Reporter Matthias Bartsch live von Wachbleibepartys in Berliner Schulen.

Mitmachen!

Jeder kann einfach so mitmachen. Aber wer sich unter www.kinderradionacht.de anmeldet, der erhält nicht nur das diesjährige Radionacht-Poster und Flyer, sondern bekommt auch die Chance, dass radioBerlin-Reporter Matthias Bartsch live mit dem Ü-Wagen zur Berichterstattung an die Schule kommt. Außerdem werden unter allen teilnehmenden Schulen 20 Medienpakete mit Hörspielen und Büchern verlost.

Weitere Infos gibt es unter http://www.kinderradionacht.de. Dort ist auch der Radionachtsong zu hören, es gibt zum Download die Mitmachbroschüre mit Spiel- und Bastelideen, Deko-Tipps, um Klassen- oder Kinderzimmer in einen Zeitreisezug zu verwandeln, Lese- und Hörempfehlungen, Rezepte aus dem Bord-Bistro u. v. m.

In der ARD-Kinderradionacht kann man nicht nur zuhören, sondern sich auch beteiligen: Hörertelefon: 0800 – 220 5555 (aus dem deutschen Festnetz kostenlos) Gästebuch: www.kinderradionacht.de

E-Mail: post@kinderradionacht.de

Guter Rat per App bringt Ratgebern eine Hand voll Dollar

Guter Rat ist bekanntlich nicht gerade billig sondern manchmal sogar teuer. So dachten anscheinend auch die Macher der App „Atlis“. Mit dieser können sich Ratsuchende Empfehlungen geben lassen und jene, die angenommen werden, bringen den Ratgebern per PayPal eine Handvoll Dollar.

Mit Apple im Big Apple

Kling interessant, läuft erfreulicherweise sowohl bei Android wie Apple, aber bisher leider nur im „Big Apple“, wie New York gern genannt wird. Für eine New York Reise kann die App aber sehr hilfreich sein denn User können dafür alles erfragen, was sie über die Stadt am Hudson River wissen möchten, etwa: „Wo gibt es die besten Pastrami-Sandwiches der Stadt?“ Aber die Empfehlungen beziehen sich nicht nur aufs Essen, sondern zum Beispiel können auch gute Blumengeschäfte oder Zahnärzte innerhalb der App gesucht werden. Daraufhin trudeln in Echtzeit Ratschläge von New Yorkern beziehungsweise New-York-Kennern ein und diese werden dann auch noch von anderen Nutzern bewertet und in der Liste weiter hinauf gewählt, wenn sie gut sind. Wenn der Fragesteller dann tatsächlich einer Empfehlung folgt, darf sich der Ratgeber über fünf Dollar freuen.

Keine negativen Kritiken

Mit dieser Herangehensweise, zu der übrigens auch der Ausschluss negativer Kritiken gehört, soll sich Atlis von anderen Bewertungsportalen wie etwa Yelp unterscheiden. Dieses hat sich nämlich das Recht eingeräumt, die Reihenfolge der Bewertungen zu ändern und kann so mitbestimmen, wie prominent gute oder schlechte Kritiken platziert werden.

Spreewaldtour: Unterwegs im Labyrinth der Wasserwege

Von Vera Schwarz

Es ist schon Ewigkeiten her seit ich das letzte Mal im Spreewald gewesen war. Die entsprechenden Kindheitserinnerungen sind völlig andere verglichen mit den heutigen Bildern. Damals gab es in Lehde, diesem Dorf an den Ufern verschiedener Spreearme, weniger Kneipen und auch die Kähne sahen anders aus.

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Per Kahn den Spreewald erkunden

Für diese aktuelle Reise in den Spreewald hab ich mich einer gut gelaunten Stammtischgruppe bestehend aus mehr oder weniger sehbehinderten Menschen angeschlossen. Treffpunkt ist Berlin Alexanderplatz. Von dort aus geht es mit dem Zug zunächst nach Lübbenau und anschließend 15 Minuten zu Fuß weiter bis zur ersten Kneipe namens „Hanschick“. Diese ist ein Anlaufpunkt für Reisende, die gerne per Kahn, dem typischen Verkehrsmittel des Spreewaldes, diese verwunschene Landschaft erkunden wollen. Auch der Kahnfährmann Sebastian wartet dort bereits. Mit seiner weißen Skippermütze sieht er aus wie ein echter Kapitän, ist im Hauptberuf aber Elektromeister mit eigenem Betrieb.

Spreewaldproviant und ein Rudel für den Kahn

Bevor es mit dem Kahn weiter geht, gibt es für jeden erst mal ein Päckchen Proviant bestehend aus Schmalzstullen und kleinen Spreewaldgürkchen.

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Dann sind es nur noch ein paar Schritte durch den Wald und schon schwankt hinter einem schmalen Deich auf den Wellen eines Spreearms der Kahn. Dort hinein platziert Sebastian zunächst die Teilnehmer, ehe er selber an Bord springt. Nebenbei erklärt er noch sein Rudel, womit übrigens keine Horde gemeint ist, sondern eine vier Meter lange, am Ende breit und flach auslaufende Stange.

Mit diesem Rudel bewegt und steuert er den Kahn über weit verzweigte Spreearme, die zwischen ein und drei Meter tief sein können, durch das Dorf Lehde. In diesem Dorf sind viele Häuser nur über Wasserwege oder kleine Fußgängerbrücken erreichbar. Zur Schule müssen die Kinder auch mit dem Boot gebracht werden oder sie rudern gar allein dort hin. Die Versorgung der Bewohner von Lehde erfolgt ebenfalls mit Wasserfahrzeugen, wie Sebastian erklärt. Er selbst transportiert mit seinem Kahn nicht nur Reisegruppen durch den Spreewald, sondern auch Kühlschränke und Waschmaschinen zu seinen Kunden. Sollte mal eine Reparatur anstehen, muss er meistens auch mit dem Boot anreisen. Motorboote stehen dafür übrigens nicht zur Verfügung, die dürfen nur von Notdiensten benutzt werden.

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Signale der Natur

Insbesondere bei schönem Wetter ist der Spreewald offenbar ein beliebtes Ausflugsziel. Auch heute sind hier mit Kajaks, Kanus und Ruderbooten zahlreiche Reisende unterwegs, von denen sich Einige allerdings nicht an die Verkehrsregeln halten, wie Sebastian resigniert feststellt. Überall anzutreffen sind natürlich diese typischen Spreewaldkähne, die bis zu dreißig Personen transportieren können. Dann wäre es an Bord jedoch sehr eng, erklärt Sebastian. Daher würde er immer nur 19 Teilnehmer mitnehmen.

Eine gute Idee, wie sich zeigt, denn auf Sebastians Kahn ist genug Platz um bequem am Tisch sitzend auch mal ein wenig Saft oder ein Bier aus den Beständen des Fährmanns zu trinken. Der kennt zum Glück auch einsame Wege, wo er die gesprächige Gruppe zum Schweigen auffordert um den Signalen der Natur zu lauschen. Bisweilen werden die Wasserwege so schmal, dass man bequem ins Schilf greifen könnte, wovon der umsichtige Fährmann jedoch ausdrücklich abrät, weil die langen schlanken Blätter messerscharf sind. Vor den Schlangen, die hier manchmal zu sehen sind, braucht man aber keine Angst zu haben, denn es handelt sich dabei um ungiftige Ringelnattern.

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Garagen mitten im Wasser

Wie ich eingangs erwähnte, gab es in Lehde zu DDR Zeiten nur drei Kneipen. Heute hingegen sind am Rande der verschlungenen Wasserwege immer wieder Gasthäuser anzutreffen. Zehn seien es bis vor kurzem gewesen, erklärt Sebastian, eins wäre jedoch inzwischen abgebrannt. Aber nicht das Restaurant Oppott an der Quodda. Am dortigen Anleger macht Sebastian zur Mittagspause den Kahn fest.Serviert wird deftiges aus der Spreewaldküche…mittagstisch

Anschließend geht es noch etwa zwei Stunden durch die zahlreichen Arme der Spree, wobei der Hauptarm von den anderen nicht zu unterscheiden ist. Überall an den Ufern stehen Gebäude, die wie Garagen aussehen, jedoch mit Wasser gefüllt sind. Darin parken die hier lebenden Leute, von denen viele wie Sebastian zumindest nebenbei vom Tourismus leben, natürlich keine Autos, sondern ihre Boote. Da gibt es beim Aussteigen bestimmt auch manchmal nasse Füße…

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Regeln wie am Taxenstand

Diese Spreewaldtouren sind übrigens nicht nur für Reisegruppen, sondern auch für Einzelpersonen möglich. Die Kahnfährleute warten dann an speziellen Haltepunkten wie dem Restaurant Hanschick, bis genügend Teilnehmer zusammen gekommen sind. Da gibt es klare Regeln wie am Taxenstand – also immer der Reihe nach. Jedoch haben einige der Fährleute – meist Ältere – einen gewissen Vorrang, weil sie hauptberuflich mit dem Kahn unterwegs sind und allein davon leben müssen.

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Keine Hürde

Auch für blinde und sehbehinderte Reisegruppen sind diese Touren keine Hürde, sondern durchaus empfehlenswert. Bei der beschrieben Tour, die von der Pro Retina Gruppe Berlin-Brandenburg ausgeheckt wurde, ist auch niemand ins Wasser gefallen und Sebastian war immer zur Stelle um beim Einsteigen behilflich zu sein. Wer es probieren möchte, kann ihn unter 0172 6692770 erreichen.

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Fotos: 1. Vera Schwarz, alle anderen peter bachstein

Weihnachtsmarkt in den Weinkellern von Traben-Trabach

Jetzt geht es langsam wieder los mit den beliebten Weihnachtsmärkten. Die meisten finden auf Straßen und Plätzen statt. Oder auch im Keller, wie in Traben-Trarbach an der Mosel, wo sich das bunte Treiben unterm Tannenbaum etwas abgewandelt „Mosel-Wein-Nachts-Markt nennt.

Weihnachten und Wein

Weihnachten ohne Wein ist in der um 830 erstmals erwähnten Moselstadt natürlich nicht möglich. Zum Glück geht es dabei nicht nur um die gekochte Variante sondern um edle Tropfen aus den zahlreichen Weinkellern der Weingüter und Hotels. Da passt es doch sehr gut, dass dieser weinselige „Wein-Nachts-Markt“ gleich in diesen alten unterirdischen Quartieren stattfindet. Platz ist genug vorhanden, denn der größte Teil des Stadtzentrums ist unterkellert. So werden auf insgesamt 3000 Quadratmetern Fläche regionale wie internationale Aussteller an über 100 Ständen Kunsthandwerk, Schmuck oder Design anbieten und vor allem natürlich Speis und Trank, wobei der Wein bestimmt im Vordergrund steht.

Weihnachtliche Stadtbesichtigung

Die Bevölkerung ist bei der Organisation und Gestaltung des Mosel-Wein-Nachts-Marktes übrigens aktiv mit dabei. Manche Leute sind z. B. als lebende Infosäulen anzutreffen. Sie dienen als Wegeleitung für Besucher und können individuelle Hintergrundinformationen servieren. Zum Programm des Marktes gehören außerdem thematische Führungen durch die unter- und überirdische Architektur der Stadt. Besonders interessant ist beispielsweise die Jugendstilarchitektur von Bruno Möhring, der hier nicht nur einige Wohnhäuser und Villen, sondern auch ein ausgewachsenes Brückentor hinterließ. Nach so einer Besichtigungstour geht’s wieder hinunter in die weihnachtlichen Weinkeller um vielleicht einen trockenen Riesling zu probieren, der natürlich nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern auch im neuen Jahr ein willkommener Tropfen ist. Na, dann mal Prost…

Mosel-Wein-Nachts-Markt Traben-Trarbach 2016

Öffnungszeiten

25. November – 18. Dezember 2016

Freitag bis Sonntag: 11:00-21:00 Uhr

22. Dezember – 3. Januar 2017

täglich: 11:00-21:00 Uhr

bis auf

24.-25. Dezember 2016: geschlossen

31. Dezember 2016: 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Freitag, 25. November: 18.00 Uhr: Große Eröffnungsveranstaltung