Oberjoch im Allgäu am Iseler Berg: Weißbier, gelbe Kuh und Kaiserschmarren im höchsten Dorf Deutschlands

0015bDiesmal sind der Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin in den Bergen unterwegs und das Ziel ihrer Tour liegt ganz weit oben. Nein, es geht nicht auf den Mount Everest, auch nicht aufs Matterhorn und noch nicht mal zum Gipfel der Zugspitze, sondern nur in ein winziges Dorf im Oberallgäu.

Blick auf Oberjoch vom Panoramaweg ausStairway to Heaven

Das Dorf heißt Oberjoch, liegt etwa 1200 Meter über Normal Null und ist damit das höchste in Deutschland. Das wissen die beiden unermüdlichen Wanderer natürlich als sie sich von Bad Hindelang aus auf den Weg machen, der kurvenreich in den weiß blauen Allgäuer Himmel zu führen scheint. Unterwegs kommen sie hin und wieder auf den Gedanken, dass sie den Rat eines Ortskundigen, doch besser den Bus zu nehmen, vielleicht doch hätten befolgen sollen. Andererseits bieten sich immer wieder faszinierende Ausblicke in bodenlose Tiefen und auf das lockende Panorama der schroffen Berge. Ist zwischen Hölle und Paradies schon eine Art Himmelsritt und der alte Led Zeppelin Song „Stairway to Heaven“ wäre bei dieser Tour eine durchaus passende Begleitmusik.

0060Als sie dann das vom satten Grün der Almwiesen umgebene Dorf erreichen werden sie in dessen Zentrum von einer gelben Kuh empfangen, die sich aber nicht melken lässt. Gibt es eben keine Milch, sondern ein schönes kühles Bierchen..

PICT0028  Weiter Wandern ist jetzt natürlich nicht mehr drin, denn das Felsmassiv des Iseler Berges zeigt bereits sein magisches Alpenglühen.Selbst die Wälder scheinen zu leuchten…

 

Mittagseinkehr in der Hirschalpenhütte

„Im Frühtau zu Berge“ heißt es ja so schön in einem alten Gassenhauer aus der Wandervogelzeit und bezogen auf eine Bergtour kann das durchaus als Anregung dienen – insbesondere wenn sich auch der Allgäuer Sommer als schweißtreibende Jahreszeit outet. Der Frühtau ist allerdings schon verdampft, als sich der Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin über den Panoramaweg auf die Socken machen. Bisschen spät also für eine echte Gipfelstürmerei. Aber die Hirschalpenhütte ist doch als Ziel des ersten Tages auch ganz nett. Als sie diese erreichen, krähen im Tale zwar keine Hähne mehr, dafür aber fangen die Mittagsglocken gerade mit dem bimmeln an.

Weißbier und KaiserschmarrenEin Gipfelerlebnis ist es allemal, auch wenn die Hütte nur auf etwa 1400 Metern steht. Aber der Blick in die Runde ist umwerfend und das Weißbier schmeckt mal wieder wie ein Getränk genusssüchtiger Götter. Nur dass der Großstadtwanderer dazu immer diesen Kaiserschmarren essen muss, findet die nette Besucherin etwas irritierend. Sie verhält sich in dieser Hinsicht eher konventionell – auch wenn der Großstadtwanderer ihr weis machen will, das Weißbier und Kaiserschmarren eine besonders traditionsbewusste Kombination darstellen.

Auf zum Iseler – zu Fuß oder mit der Seilbahn

Nein, die Beiden sind natürlich nicht auf der Hirschalpenhütte geblieben, sondern wieder hinabgestiegen ins höchste Dorf Deutschlands. Aber sie haben längst nicht genug von der Gegend um Oberjoch und sind daher bereits am nächsten Morgen wieder aufgebrochen, um dem dem Iseler als regionalem König der hiesigen Gipfel ihre Aufwartung zu machen Mit 1876 Metern ist er zwar nicht unbedingt ein hochalpiner Superlativ, bietet aber mit seinem SALEWA Klettersteig einen erschlossenen und eindrucksvollen Weg zum Gipfel. Eine Tour über diesen Klettersteig sollte aber nicht mit einem Sonntagsspaziergang verwechselt werden. Eine ordentliche Kletterausrüstung ist auf jeden Fall nötig und die Hilfe eines ortskundigen Bergführers keineswegs überflüssig.

0017Wer besonders genusssüchtig ist, kann natürlich im Old School Style von Oberjoch aus losgehen, über die Almen wandern und danach den felsigen Gipfel erklimmen. So wäre ein echtes Urerlebnis des Bergsteigens möglich und eine solche Haltung ist auch durchaus legitim. Manche Bergfreunde, die nicht nur klettern, sondern die gesamte Natur des Berges erkunden wollen, werden wie der Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin solche Strapazen gern in Kauf nehmen. Notwendig ist das allerdings nicht, denn es gibt schon lange die Iseler Sesselbahn, die am Rande des Dorfes losgeht und die Bergsteiger bis in die Nähe der Iseler Platz Hütte bringt. Da gibt es übrigens sowohl für Bahnfahrer wie für Fußgänger die Möglichkeit, sich vor dem Anstieg noch eine kleine Stärkung zu genehmigen. Aber Vorsicht, ein allzu voller Bauch könnte beim Klettern im Wege sein.

Wandern zwischen Berg und Tal

Der SALEWA Steig ist also nichts für reine Bergwanderer. Diesen steht ein zwar schmaler und teilweise stufiger, aber trotzdem ohne Klettergurt und Seil begehbarer Weg zum Iseler Gipfel zur Verfügung. Überhaupt ist die Umgebung Oberjochs ein hervorragendes Revier für Leute, die gern in den Bergen wandern, ohne gleich riskante Kletterabenteur absolvieren zu wollen. Da gibt es wunderschöne Wege im Bereich der Almen, die immer wieder aufs Neue unerwartete und atemberaubende Ausblicke auf andere Berge und ins Tal eröffnen.

0018Sicher geht es häufig steil in die Höhe und daher ist eine gewisse Sportlichkeit und Kondition von Nöten. Manchmal schlängeln sich die Pfade auch am Rande steiler Abhänge entlang und die Wanderer sollten diese Stellen keineswegs unachtsam passieren. Doch mit genügend Umsicht und Durchhaltevermögen sind Plätze wie die Iseler Platzhütte, Witaghütte oder die Hütte auf der Hirschalpe gut erreichbar. Diese liegen im Höhenbereicßh zwischen 1400 und 1600 Metern und belohnen den Wanderer mit schmackhafter Biokost und vor allem einem kühlen Weißbier für die Mühen des Anstiegs.

Und noch ein Schmankerl

Nun ist es ja schon was ganz besonderes, das höchste deutsche Dorf am Ende der kurvenreichsten Straße des Landes zu sein. Doch Oberjoch hat noch ein weiteres Schmankerl dieser Art zu bieten, das vor allem an besonders heißen Tagen sogar Bergenthusiasten wie den Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin mal vom Gipfelsturm abhalten kann. Selbstverständlich handelt es sich dabei um ein Bad – jedoch keineswegs im Stile der aktuellen Wellness- und Spaßkultur. Vielmehr werden die Beiden von einem geradezu altmodisches Freibad erwartet, das mitten in einem Hochmoor angesiedelt ist und dessen Becken mit entsprechendem Wasser gefüllt sind. Etwas kühler als in den beheizten Bädern ist das Wasser schon. Doch seine erfrischende und wohltuende Wirkung kann ganz ohne Eintrittskarte genossen werden, wobei eine kleine Spende für den Erhalt des Bades und die Pflege des Biotops willkommen und sinnvoll ist. Ein solches Biotop plus Bad und dazu noch in dieser Höhenlage sind in Deutschland übrigens kein zweites Mal anzutreffen.

Scheint zu schmeckenNun wäre das allein schon einen Besuch wert. Doch zu allem Überfluss gibt es am Rande von Bad und Moor noch die Moorhütte, deren kulinarische Angebote keineswegs aus der Tiefkühltruhe eines Supermrktes, sondern aus eigener Produktion inklusive eigener Jagd stammen. Hier kommt der Kuchen noch frisch vom Blech und die Schnitzel direkt aus der Pfanne und nicht aus der Mikrowelle. So ist es völlig verständlich, dass es sich bei den Gästen des Lokals nicht nur um Badbesucher und hungrige Bergwanderer handelt, sondern zum großen Teil auch um Leute aus der Umgebung, die hier her kommen, weil das Essen so gut schmeckt. Auch unsere beiden Protagonisten haben es sich nicht nehmen lassen, dem Bad und der Hütte mal einen ganzen unvergesslichen Tag zu widmen.

Unterkünfte in Oberjoch

Ist selbstverständlich Geschmacksache, wo sowohl das müde Haupt wie der ermattete Rest gebettet werden sollen. Auch Oberjoch bietet hier einiges an Auswahl., Der Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin wollen nun keine Gesamtbewertung der Oberjocher Unterkünfte abgeben, denn sie haben keineswegs alle beschnarcht. Daher werden sie lediglich drei Beispiele nennen.

Als die beiden zum ersten Mal in Oberjoch waren, stand ihr gemütliches Bettchen im Haus Epple. Die Wirtin kennt selbst die Berge sehr gut, gibt bereitwillig sinnvolle Tipps für Touren und Ausrüstung und serviert ein reichhaltiges klassisches Frühstück.

Direkt unter dem Haus Epple steht das dreigestirnte Hotel Hochpasshaus. Ein angenehmes Haus mit bester regionaler und internationaler Küche. Biker finden hier Garagen und Reparaturmöglichkeiten für ihre geliebten Feuerstühle. Den kommenden Winter bewirbt das Hotel im Zusammenhang mit drei neuen Sesselbahnen für die Skifahrer.

Wer mit der ganzen Familie nach Oberjoch fährt, ist bestens untergebracht im Kinderhotel. Natürlich müssen Eltern oder Großeltern akzeptieren, dass hier die Kinder die Hauptpersonen sind. Es gibt umfassende Betreuungs- und Animationsprogramme für die Kleinen oder Halbkleinen, was den Erwachsenen natürlich die Zeit einräumt, ihre Bergtouren zu absolvieren.

Bilder: 1 und zwei Vera Schwarz, 3 bis 8 Peter Bachstein

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Über Sehbehinderung, Reisefieber und holprige Pfade

Der Großstadtwanderer und seine geheimnisvolle Besucherin gehören bekanntlich zu jenen Leuten, die nicht gerade über Adleraugen verfügen. Trotzdem sind die Beiden nicht übertrieben häuslich orientiert, sondern tigern lieber durch laute Städte und stille Wälder, was im familiären Umfeld bisweilen auf ein gewisses Unverständnis trifft. Und überhaupt könnten die Beiden doch wie anständige Großeltern die zehn Enkelkinder betreuen und für dieselben wärmende Socken stricken statt immerzu den Globus mit ihren Fußstapfen zu verzieren.

Mit Florian auf WanderschaftDoch gegen die Sehnsucht nach der Ferne gibt es bislang keine wissenschaftlich abgesicherte Therapie und gäbe es eine solche, würden die Beiden sich mit großer Wahrscheinlichkeit Therapie resistent verhalten. Außerdem können sie mit Stricknadeln nicht umgehen und wenn sie ein Enkelkind dabei haben, geht’s mit ihm oder ihr auch hinaus in die weite Welt.

Equipment im KinderwagenManchmal nehmen sie sogar einen Kinderwagen mit. Ein Baby liegt jedoch nicht drin. Vielmehr dient er als Transportfahrzeug für die zwei Gitarren – eine Mundharmonika und zwei kleine Verstärker. Mit Hilfe dieses grandiosen Equipments wird ab und zu etwas Reisegeld verdient.

Opulentes Mal im WaldKlar kommen da manchmal so dusselige Fragen nach dem Sinn des ewigen Unterwegsseins, wenn der visuelle Aktionsradius eine gewisse Begrenztheit akzeptieren muss. Eine gewisse Begrenztheit ist aber auch Auslöser solcher Fragen und zwar in Bezug auf die Phantasie mancher Leute mit voller Sehschärfe, deren Wahrnehmung der Welt sich überwiegend visuell austobt. Als hätten wir Menschen neben der visuellen nicht auch noch jede Menge weiterer Wahrnehmungsmöglichkeiten. Liebe Leute, die Welt sieht nicht nur irgendwie aus, sondern hört sich auch verdammt interessant an oder riecht und schmeckt verführerisch. Insbesondere das Schmecken hat es dem Großstadtwanderer schon immer angetan. Er hat auf seiner Never Ending Tour so manches opulente Mal und haufenweise köstliche Kleinigkeiten verputzt und allein dafür hat sich dieses Reiseleben gelohnt.

Aber ist es nicht auch gefährlich, mit Sehbehinderung durch die Welt zu geistern?

In der Einsamkeit des WaldesGewiss – aber war es nicht auch gefährlich, als Kolumbus lossegelte ohne zu wissen wohin? Oder als jenes merkwürdige Wesen einst vom sicheren Baum kletterte, um fortan als Savannen-, Wald- und Bergläufer auf die Reise ohne Ende zu gehen? Dagegen ist doch das Reisen mit Sehbehinderung ein eher ganz gut kalkulierbares Risiko. Natürlich gibts die eine oder andere Beule, insbesondere wenn man wie der Großstadtwanderer und seine geheimnisvolle Besucherin eher die etwas holprigen Pfade bevorzugt. Aber solche Beulen gehen auch wieder weg und vor allem sind auch jene Leute mit visueller Überkompetenz durchaus mit Beulen gesegnet. Liegt wahrscheinlich eher an den holprigen Pfaden als an der Linsenqualität.

Freude des ReisensBilder: 1 und 5 peter bachstein, 2 und 3. vera schwarz, 4 marc müller

Bayerischer Wald: Kleine Irrweg Wanderung am Großen Arber

Es sind immer wieder diese kleinen unerwarteten Pannen, die das Leben so wunderbar spannend machen. Entsprechende Erlebnisse pflastern die Wege der geheimnisvollen Besucherin seit sie sich auf diesen Großstadtwanderer eingelassen hat. An seiner Hand muss sie nicht nur eine gewisse Geschwindigkeit akzeptieren, denn er ist ja auch als Schnellläufer berüchtigt, sondern auch halsbrecherische Stolpertouren heil überstehen.

Immer einen Rucksack mitnehmen

Natürlich könnte sie seine Hand ganz einfach loslassen. Doch dann bestünde die Gefahr, dass er in einen Abgrund oder einen Keller fällt und das möchte sie nun auch wieder nicht riskieren. Obwohl er seine bisherigen Stürze allesamt fast ohne Blessuren überstanden hat. Er scheint gegen Knochenbrüche immun zu sein.

Übrigens glaubt sie ihm inzwischen kein Wort mehr, wenn er sie zu einem netten kleinen Spaziergang einlädt. Aus zehnjähriger Erfahrung weiß sie, dass es normalerweise Touren ins Ungewisse mit Expeditionscharakter werden. Sie packt daher, ehe sie mit ihm loszieht, prinzipiell einen Rucksack mit Proviant und ein paar Wechselklamotten.

Neuerdings gehören auch noch zwei leichte Schlafsäcke zur Notfallausrüstung. Diese Vorsichtsmaßnahme hält die geheimnisvolle Besucherin für notwendig aufgrund eines wieder mal so typischen Erlebnisses während einer Reise in den Bayerischen Wald. Da sprach der Großstadtwanderer wie üblich von einer schönen sonntäglichen Tour zum Gipfel des Großen Arber und zwar auf einfachen Wegen, wie er mehrmals beteuerte.

am fuß des großen arber kurz vorm aufstiegDen falschen Weg erwischt

Gut, im Endeffekt wurde daraus immerhin keine Kletterei, dazu ist dieser Berg ja eher nicht geeignet. Aber irgendwo hatte der Großstadtwanderer offensichtlich eine falsche Abzweigung mit Absicht gewählt oder aus Versehen erwischt und schon gings über Stock und Stein steil bergauf. Zwar bot der Großstadtwanderer mehrmals an, den leichten Weg wieder zu suchen. Doch darauf wollte sich die heheimnisvolle Besucherin lieber nicht einlassen, denn bei einer ähnlichen Situation hatte eine solche Suche nur noch tiefer in eine menschenleere Wildnis geführt, aus der sie erst am nächsten Vormittag wieder heraus fanden. Übrigens waren ihr schon damals die Gedanken an Notfallschlafsäcke gekommen…

zwieselderzweite 189Weit und breit kein Hexenhaus

Okay, sie ließ sich auf den Stolperpfad gen Gipfel ein und das war auch gar nicht schlecht und das Weißbier auf der Gipfelhütte war eine willkommene Belohnung für diese sommerliche Schwitztour. Allerdings hätten sie nicht so lange da oben rumgammeln oder für den Weg nach unten zumindest die Gondelbahn nehmen sollen. Da sie aber sehr spät aufbrachen und unbedingt laufen wollten, verirrten sie sich wie Hänsel und Gretel im dunklen Wald – doch weit und breit kein Hexenhaus.

Als sie endlich unten am Arbersee ankamen, hatte sich die Nacht bereits wie ein von Lichtern durchlöchertes dunkelblaues Tuch über Berg und Tal ausgebreitet und der letzte Bus nach Zwiesl stand längst im Depot. Jetzt wären Schlafsäcke eine prima Alternative gewesen, so unterm sommerlichen Sternenhimmel. Fand jedenfalls die geheimnisvolle Besucherin und der Großstadtwanderer stimmte ihr aus vollem Herzen zu. Stattdessen wurde es eine romantische Nachtwanderung und als die Sonne über den Bergen aufging, hatten die Beiden endlich ihr Qaurtier am Rande von Zwiesl erreicht.

Wanderwege beginnen am Haus

Sollte ein Tipp erwünscht sein, so empfehlen die geheimnisvolle Besucherin und der Großstadtwanderer für eine Reise in den Bayerischen Wald als Unterkunft das Hotel Magdalenenhof am Rande von Zwiesl. Dort gibts u. a. Schwimmbad und Sauna, hervorragende Küche und eine angenehm familiäre Atmosphäre. Auch blinde oder sehbehinderte Gäste sind dort gut untergebracht. Und wer nicht gleich den Arber, Lusen oder Rachel erklimmen will, findet angenehme Waldwanderwege, die direkt hinterm Haus beginnen. Weitere Infos: http://www.hotel-magdalenenhof.de/

Hotel Magdalenenhof Zwiesl

Radebeul bei Dresden: Treppenlauf zum Spitzhaus

Diesmal ist der Großstadtwanderer zusammen mit der geheimnisvollen Besucherin nach Radebeul bei Dresden gefahren – aber nicht, um Old Shatterhand oder den Alten vom Tann in der Villa Bärenfett zu besuchen. Auch das sehenswerte Zeitreise Museum mit seiner alle möglichen Gebiete des Alltags umfassenden DDR-Sammlung steht ausnahmsweise mal nicht im Vordergrund. Nein, diesmal ist Treppensteigen angesagt – allerdings nicht in irgendeinem imposanten Gebäude, sondern unter freiem Himmel am Goldenen Wagen vorbei Richtung Spitzhaus.

Treppenaufsteig am Goldenen Wagen vorbeiTreppauf Richtung Spitzhaus

Selbiges thront weit oben über einem denkmalgeschützten Weinberg der Lößnitz und lockt mit den entsprechenden Getränken sowie köstlichen Speisen. Grund genug für den Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin, die 397 Stufen des historischen Aufstiegs mal eben unter die Sohlen zu nehmen. Ist übrigens eine weltberühmte Treppe, denn hier findet alljährlich der härteste Treppenlauf der Welt statt. Dabei müssen die Sportler innerhalb von 24 Stunden hundert Mal hoch und runter traben.

Nicht die Gebäude sondern lediglich die Treppe ließ ein gewisser August, genannt der Starke errichten. Er wollte nämlich mit dem starken Ausblick, den man von oben hat, vor seinen Besuchern ein bisschen angeben. Zum selber Hochlaufen war er aber nicht stark genug – dafür hatte er Sänftenträger. In den Besitz des Spitzhauses kam der alte August übrigens durch die von ihm zuerst vernaschte und dann eingesperrte Gräfin Cosel, die es vorher von irgendeinem Gönner geschenkt bekam.

Blick über die WeinbergeDer Ausblick von Oben über das Elbtal bis nach Dresden ist allerdings wirklich stark und für heutige Besucher ein triftiger Grund, die geringen Strapazen des Aufstiegs ganz ohne Sänftenträger und gut gelaunt zu genießen. Dazu lockt natürlich auch die Küche des Spitzhauses, die so leckere Sachen wie Schweinefilet unter Senfkruste zubereitet. Und für alle, die nach dem Erklimmen der 397 Stufen statt Wein erst mal was gegen den Durst brauchen, gibts natürlich auch ein schwarzes Bergbier. Die geheimnisvolle Besucherin verschmäht zunächst beides und verlang auf der Stelle erst mal einen Humpen klares Wasser…

Spitzhaus

Ach ja: All Jene, die nicht ganz so genusssüchtig sind oder im Gegensatz zu den Protagonisten dieser kleinen Story über die notwendigen Adleraugen verfügen, finden natürlich auch einen Weg zum Spitzhaus, der mit dem Auto befahren werden kann.

Die Bergwelt mit den Ohren erleben: Echo Wandern in der Schweiz

Wer beim Wandern in der Schweiz die großartige Bergwelt nicht nur mit den Augen sondern auch mit den Ohren erleben will, kann sich auf der neu lancierten Webseite www.echotopos.ch und per App über Standorte mit perfektem Echo informieren. Die Webseite des ersten Echo-Archivs der Schweiz schlägt auch gleich Wanderrouten zu den jeweiligen Standorten vor. Wer zum Beispiel das siebenfache Wanderecho des Kreuzbergs in der Ostschweiz entdecken möchte, braucht nur noch die Wanderschuhe zu schnüren und loszulaufen….

Wanderung zum siebenfachen Echo der Kreuzberge

Einen Kreuzberg gibt es nicht nur in Berlin, sondern – im Plural und einige tausend Meter höher – auch in der Ostschweiz in der Nähe von Vaduz. Sie servieren rufenden Wanderern, die sich oberhalb der Alphütte Roslenalpin auf einem kleinen Felsvorsprung postieren und kräftig rufen, das berühmtes siebenfaches Echo. Manchmal lassen sich einige Schafe, die unterhalb des Bergs weiden, von den Klängen inspirieren und blöken ein bisschen mit.

Die Wanderung beginnt bei Stauberen und führt über Saxerlücke bis zur Roslenalp auf 1860 Metern Höhe, alternativ ist sie von Brülisau her möglich. Es empfiehlt sich, den Ausflug über den Chreialpfirst fortzusetzen, dann geht es weiter Richtung Säntis oder hinunter nach Wildhaus. Die Kreuzberge bieten zudem ein optimales Gebiet für alle Kletterbegeisterten. Beispielsweise ist der Mutschen auf 2122 Metern Höhe als höchstgelegener Punkt der südlichen Alpsteinkette einen Besuch wert. Weitere Informationen unter: www.echotopos.ch/location/kreuzberg

Echo Wisi Bucher“

Die Wanderung zum Wisi Bucher Echo in der Region Obwalden führt im Melchtal zunächst zum unteren Roggenloch in 1525 Metern Höhe. Dann geht’s in Richtung Wolfsbüel über Flöschen und die Torstöcklialp bis zur Alp Tor. Von dort sind es noch 20 Minuten bis zum Wegende, wo ein in Erwartung eines teilweise achtfachen Echos ein kräftiger Ruf auf die Reise geschickt werden kann. Der Name „Echo Wisi Bucher“ ist hergeleitet von dem Büchel-Spieler – ein Büchel ist eine Art Alphorn – Wisi Bucher, der das legendäre achtfaches Echo zurückbekam. Weitere Informationen unter: www.echotopos.ch/location/wisi_bucher

Scära-Fänggin’s Echo-Wandern

Die Route von Furna Hinterbergen nahe Chur zum Berggasthaus Alp Scära in Graubünden ist auf der Wanderkarte leicht zu finden. Bei der Wanderung reicht der Blick weit über grüne Alpweiden. Nahe der Alp Scära hört der Wanderer nach lautem Rufen ein drei- bis vierfaches Echo. Die besten Erfolgsaussichten auf ein gutes Echo haben Echosuchende frühmorgens bei ruhigem Wind und Wetter. Weitere Informationen unter: www.echotopos.ch/location/scara_fanggins

Mitwirkung am Archiv der Echos

Das Echo Archiv ist natürlich noch nicht abgeschossen, sondern soll kontinuierlich erweitert werden. So sind Reisende wie Einheimische herzlich eingeladen, am Echo-Archiv mitzuwirken, einen neu entdeckten Echo-Ort zu registrieren oder auf bewährten Routen dem Ruf der Berge zu folgen. Die drei oben benannten Echo-Standorte sind auf der Homepage von Echotopos als rote Punkte auf der Schweizer Landeskarte vermerkt und gelten somit als verifizierte Standorte.

Das Echo-Archiv ist seit dem 14. August 2015 online unter www.echotopos.ch erreichbar und als kostenlose App für iPhone und Android downloadbar.

Zwei mal den Harz überqueren an einem Wochenende

Für Wanderer mit ein bisschen Kondition gibt’s vom 26. bis 27. September wieder ein spannendes Wanderwochenende mit zwei Harzüberquerungen. Ausgangspunkt beider Touren mit jeweils 30 Kilometern Länge ist Bad Harzburg. Trophäensammler finden unterwegs neun Stempelstellen für die Harzer Wandernadel.

Die erste Tour beginnt am Samstag, 26. September um 9.00 Uhr am Wandertreff Haus der Natur. Auf der Route von rund 30 Kilometern, bei der etwa 1150 m Anstiege und 880 m Abstiege zu bewältigen sind, werden die Ettersklippe, das Molkenhaus, das Eckertal, die Eckertalsperre, der Scharfenstein passier und die Brockenkuppe in 1141 Metern Höhe erreicht. Nach einer Einkehr zum Stärken wird über das Eckerloch und die Schnarcherklippen nach Braunlage gewandert. Von dort aus geht es per Linienbus zurück nach Bad Harzbureg, wo die Teilnehmer der Tour gegen 18.30 Uhr ankommen werden.

Nach einer sicherlich ruhigen Nacht wird am Sonntag, 27. September, um 9 Uhr wieder am Wandertreff Haus der Natur gestartet. Mit dem Linienbus geht es nach Braunlage. Dort beginnt die Wanderung von ca. 30 Kilometern mit diesmal ca. 665 m Anstiege und 970 m Abstiege. Über den Ring der Erinnerung in Sorge sowie Hohegeiß und den Dreiländerstein am Jägerfleck führt die Tour nach Ellrich. Von dort wird mit Taxen nach Braunlage und dann mit dem Linienbus zurück nach Bad Harzburg gefahren. Die Ankunft in der Kurstadt ist für ca. 20.30 Uhr geplant.

Für die Samstagstour wird eine Teilnehmergebühr von 12,00 € und für die Sonntagstour von 22,00 € erhoben. Darin sind alle angegebenen Bus- und Taxifahrten enthalten. Wer für beide Tage bucht, zahlt für das gesamte Paket 30,00 €.

Weitere Informationen und Anmeldungen sind über die Tourist-Information, Nordhäuser Straße 4, 38667 Bad Harzburg, Tel. (0 53 22) 7 53 30, oder info@bad-harzburg.de möglich. Anmeldeschluss ist am 22. September 2015. Die Anmeldung wird erst durch Eingang der Zahlung der Teilnehmergebühr perfekt und entsprechend bestätigt.

Beide Harzüberquerungen beginnen in der traditionsreichen Kurstadt Bad Harzburg (links). Eine davon geht über den Brocken, der den Reisenden aus der Ferne grüßt (rechts).

Bad HarzburgAm Harz entlang mit Blick zum Brocken

Erfahrungen mit Trekkingsandalen zwischen Spaziergang und Bergtour

Ich laufe gerne in Trekking Sandalen und zwar nicht nur beim Wandern, sondern auch überall im Alltag solange das Wetter es irgendwie zulässt. Grund dafür ist, dass ich überwiegend zu Fuß unterwegs bin. Es ist meine normale Art des Fortbewegens, denn Autofahren geht nicht, ging noch nie aufgrund meiner Sehbehinderung. Übrigens kann es durchaus vorkommen, dass ich nur einen kleinen Spaziergang machen will und dann versehentlich auf einer Trekking Tour lande. Da ist es schon ganz sinnvoll, bereits die richtigen Sandalen an den Füßen zu haben.

Schritte ins Ungewisse

Doch welche sind die Richtigen? Diese bange Frage hat mich in den vergangenen vierzig Jahren nicht in Ruhe gelassen und da ich kein Markenanhänger bin, konnte ich sie auch nicht auf dies Weise beantworten. Daher erforderten neue Trekkingsandalen zunächst immer zahlreiche Schritte ins Ungewisse. So musste ich u. a. die Erfahrung machen, dass manche der Treter zwar gut aussahen, aber Trekkingansprüchen nicht gewachsen waren. Gerissene Riemen und abgefallene Sohlen zierten anfangs zahlreiche Wege auf denen ich damals wegen meines ungewöhnlichen Schuhwerks von den anderen Wanderern auch gern als Exot betrachtet wurde.

Dem Aufstieg nicht gewachsen

Ich kann mich noch gut erinnern an eine Tour auf Thassos, wo damals noch lange nicht der Massentourismus tobte. Es war zwölf Uhr Mittags an einem heißen Sommertag und ich stand am Fuß eines Geröllhanges, der bis in den blauen Himmel zu wachsen schien. Da musste ich hoch, denn oben auf dem Gipfel stand verheißungsvoll ein weißes Gemäuer, das eine Kneipe samt Wirt beherbergte und ich hatte einen unheimlichen Durst. Ich begann daher den Hang zu erklimmen – doch meine tollen neuen Trekkingsandalen reagierten mit bröckelnden Sohlen. Als ich endlich mit Müh und Not die offene Kneipentür erreichte, waren die Sohlen weg und der Wirt sowie ein paar grinsende Gäste machten sich lustig über mein merkwürdiges Schuhwerk.

Unverwüstliche Sohlen

Gute Erfahrungen konnte ich dann mit einem Latsch aus dem Hause Jack Wolfskin sammeln. Ich meine aber nicht den heute so beliebten Converter, sondern ein Vorgängermodell, dessen Namen ich vergessen habe. Der musste allerhand mitmachen, weil ich ihn herausfordern wollte. Als Warming Up servierte ich ihm eine Tour im Dreiländereck des Bayerischen Waldes. Zunächst gings übers Steinerne Meer am Dreisessel und dann an den beiden Plöckensteinen vorbei hinab zum Plöckensteiner See. Das Ganze mussten ich und meine beiden Sandalen natürlich auch wieder rück- bzw. aufwärts bewältigen und ich muss sagen, von dem Durchhaltevermögen der Latschen war ich schon begeistert. Drei Jahre gehörten sie zu meiner Ausrüstung und die Sohlen schienen sich kaum abnutzen zu wollen. Am Ende blieben sie mit noch sehr gutem Profil übrig, während sich der Aufbau dann doch verabschiedet hatte. Schade drum – doch mit Sohlen allein kann man ja auch nichts anfangen.

Trekking- oder Freizeitsandale

Aktuell hab ich verschiedene Modelle in Betrieb, wobei zwei exemplarisch erwähnt werden sollen. Für den Alltag trage ich ein McKinley Produkt genannt Sequel M. Gut geeignet zum Spazierengehen im Park oder Wandern im Wald. Für schwierigeres Gelände ist er aber doch etwas locker gebaut. Er ist nach meiner Erfahrung keine echte Trekking- sondern mehr eine Freizeitsandale. Ich weiß natürlich, dass nicht Alle diesen Unterschied machen. Für mich aber spielt er eine wesentliche Rolle. Von einer echten Trekking-Sandale erwarte ich eine gewisse Geländegängigkeit, ein Freizeitmodell muss sich lediglich auf diversen Wegen bis hin zum Trampelpfad bewähren. Das aber kann der Sequel M und er ist auch sehr angenehm zu tragen insbesondere wegen seiner Leichtigkeit.

Bezüglich eines echten Trekkingmodells hab ich in diesem Sommer versucht, den Qualitäten des Meindl Hawaii auf die Schliche zu kommen. Nach dem allmählichen Einlaufen im Erzgebirge hab ich ihm u. a. eine Tour auf die Schneekoppe von Tschechien aus serviert und er hat sich dabei nicht dumm angestellt. Auch den Großen Arber durfte er schon ausprobieren – in den Alpen aber war er jedenfalls im Zusammenhang mit meinen Füßen noch nicht. Ich bin ohnehin eher skeptisch hinsichtlich von Qualität und Sicherheit von Trekkingsandalen im alpinen Gelände wenn es über die Almen hinaus gehen soll. Da möchte ich dann doch lieber etwas Festeres an den Füßen haben.

Ein Sakrileg zum Abschluss

Selbst im Winter ziehe ich sie manchmal an diese Trekkingsandalen – aber mit wärmenden Socken. Letzteres gilt natürlich als Sakrileg, weil es angeblich blöd aussieht. Mir geht es aber weniger ums Aussehen, sondern überwiegend um die Zweckmäßigkeit und wenn ich im Winter Trekkingsandalen tragen will, ist es eben zweckmäßig, dann auch Socken anzuziehen. Diese Zweckmäßigkeit kann natürlich auch bei mancher Bergtour gegeben sein – wobei man hier aber auch die dafür tauglichen Trekkingsandalen wählen muss. Aber keine Angst – die verpönten weißen Tennissocken sind auch nicht meine Wahl – allerdings ebenfalls aus Gründen der mangelnden Zweckmäßigkeit und nicht wegen des Aussehens. Mehr möchte ich jetzt aber nicht zum Thema Socken sagen, denn das ist auch ein Riesenkapitel. Später vielleicht mal…

Sandalen für Trekking oder Freizeit