Oper mit Audiobeschreibung oder: Hören was auf der Bühne zu sehen ist

Oper ist was zum Hören denn da wird gesungen und Musik gibt es auch. Also eine ideale Kunstform besonders für blinde und sehbehinderte Kulturfans?

Musik ist nur die halbe Oper

Gewiss – doch der Klang von Instrumenten und Stimmen ist im besten Sinne großartige Musik aber trotzdem nur die Hälfte dessen, was ohne Kulissen und Handlungsabläufen in Bildern kein vollkommenes Musiktheater wäre. So ist es beispielsweise nicht unerheblich, ob Mozarts Zauberflöte visuell in den Farben und Formen der historisierenden Tradition oder in der reduktiven Bildersprache moderner Inszenierungen serviert wird. Diese Ebene würde Kulturfans mit Seheinschränkungen verborgen bleiben oder nur abgespeckt zur Verfügung stehen, gebe es da nicht seit einigen Jahren ab und zu spezielle Angebote als Hör.Oper, was nicht einfach Opern Hören bezogen auf die Musik bedeutet. Weiterlesen

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Leipzig feiert den 60. Geburtstag des Liedermachers Dieter Kalka

Dieter Kalka ist seit Jahrzehnten eine der vielseitigsten Persönlichkeiten des Kulturlebens in Leipzig. Am 25. Juni wird der Autor, Stückeschreiber, Liedermacher und Logopäde 60 Jahre alt. Zu Ehren ihres Mitbegründers und ständigen Begleiters lässt die Leipziger Liederszene eine fette Party steigen. Am 24. Juni geht’s los – ein guter Grund für eine Reise nach Leipzig… Weiterlesen

Opernfestspiele Heidenheim ganz im Zeichen der italienischen Oper

Wichtige Festivals müssen früh ins Auge gefasst werden wenn man Karten ergattern will. Das gilt u. a. für die Heidenheimer Opernfestspiele, die sich zwischen dem 8. Juni und 7 August mit drei hochkarätigen Opernproduktionen wieder mal mit Verona messen wollen. Um ein Feeling wie in der dortigen weltberühmten Arena zu erzeugen, werden diese 52. Heidenheimer Opernfestspiele auch ganz im Zeichen der italienischen Oper stehen – natürlich mit Aufführungen unter freiem Himmel.

Im Zeichen Puccinis

Passend dazu gibt’s u. a. Puccinis „La Bohème“ in einer Neuinszenierung von Petra Luisa Meyer. Die Handlung dieser 1896 uraufgeführten Oper siedelte Puccini in einer bis heute noch existierenden Kneipe an – dem berühmten Café Momus in einer Seitenstraße in der Nähe des Louvre. Die Rolle des armen Poeten Rodolfo wird kein Geringerer als der gefeierte amerikanische Tenor Jesus Garcia übernehmen. Die ukrainisch-amerikanische Sopranistin Stefania Dovhan gibt die Rolle der Näherin Mimi in dieser nach Henri Murgers „Scènes de la vie de Bohème“ musikalisch gestalteten Liebesgeschichte.Im Orchestergraben werden die Musiker der Stuttgarter Philharmonie ihre Instrumente erklingen lassen. Premiere ist am 8. Juli.

Verdi, Kinderoper und Jazz

Des weiteren wird es eine neue Opernreihe zum frühen Verdi geben, wobei dessen Erstling „Oberto, conte di San Bonifacio“ sicherlich besonderes Interesse erwecken wird. Tobias Heyder wird dieses dramatische Kammerspiel übrigens ganz ohne historischen Pomp inszenieren und auch die Kostüme und Requisiten sowie die Lichtregie von Hartmut Litzinger wenden das bewährte Mittel der Reduktion an. Außerdem wird es mit „Rocke und die Zaubertrompete“ von Samuel Hogarth auf dem diesjährigen Festival von Heidenheim auch eine Oper für Kinder ab 5 Jahren geben. Das Libretto dazu stammt von dem beliebten Kinder-Autor Eberhard Streul. Und dann gibt’s auch noch „Jazz zur Festspielzeit“ und zwar mit der SWR Big Band sowie einem Überraschungsgast. Letzteres steigt am 23. Juli ab 20.00 Uhr im Festspielzelt.

Weitere ausführliche Infos auf der Website der 52. Heidenheimer Opernfestspiele

Das Theater und der Geist von ’68 – rbb Fernsehen bringt Doku über die West Berliner Schaubühne

Die Schaubühne war ein basisdemokratisches Theaterexperiment im alten West Berlin. Aus dem Geist von 1968 entstanden wurde sie innerhalb kürzester Zeit zu dem bedeutendsten deutschen Theater in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Trotzdem blieben dem Ensemble unter der Regie von Peter Stein zwischen 1970 und 1985 nur wenige Jahre, um Theatergeschichte zu schreiben. Mit seinem Film „Lontano“ lässt Andreas Lewin jene faszinierenden Jahre noch einmal lebendig werden.

Andreas Lewin versucht mit dieser Doku eine Schneise durch das Dickicht der theatralischen Legendenbildungen und Verdrängungen zu schlagen und den Blick frei zu machen für die Entwicklungsgeschichte eines Theaters, dessen Errungenschaften heute in Vergessenheit geraten sind und aus dem heraus sich keine künstlerische Nachfolge oder Tradition gebildet hat. Peter Stein schaut sich ausgewählte Inszenierungen, darunter ‚Die Mutter‘, ‚Peer Gynt‘, ‚Sommergäste‘, ‚Groß und Klein‘ noch einmal an. Gemeinsam mit ehemaligen Ensemblemitgliedern wie Bruno Ganz, Corinna Kirchhoff, Michael König, Peter Simonischek und vielen anderen werden die Orte aufgesucht und Facetten der damaligen Theaterarbeit rekonstruiert.

Lontano“ will offenbar keine chronologische Geschichte oder umfassende Deutung des Werks der Schaubühne zu zeigen. Der Film ist eine fragmentarische, fast archäologische Annäherung an schauspielerische Momente, Räume, Kostüme, Bühnenbilder, Texte, Stücke und Körper und nicht zuletzt eine notwendige Reminiszenz an ein Ensemble, das unter Steins Leitung zu Weltruhm gelangte. Was bleibt im Gedächtnis? Was ging verloren? Ein intensiver und nachdenklicher Blick zurück – „ein besinnlicher Film“ so Peter Stein.

Zu sehen ist „Lontano“ am 10. Dezember ab 23:15 im rbb Fernsehen