Grauer Star: Aktuelle Broschüre zum Thema „Katarakt und Netzhauterkrankungen“ erschienen

katarakt-broschure-kopieDer Graue Star, auch Katarakt genannt, gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen insbesondere bei Menschen über 50. Eine Broschüre der Patientenvereinigung Pro Retina beschreibt ihn und die Möglichkeiten seiner Behandlung besonders bezogen auf Patieten, bei denen auch Netzhauterkrankungen vorliegen. Darüber hinaus ist die Broschüre wegen der Informationsdichte empfehlenswert für Alle, die sich für das Thema Grauer Star interessieren. 

Eintrübung der Linse

Beim Grauen Star oder Katarakt handelt es sich um eine Augenkrankheit, bei der sich die Linse eintrübt. Das kann in jedem Alter vorkommen und es gibt sogar angeborene Erkrankungen dieser Art. Aber insbesondere ab dem 50sten Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit für eine solche Eintrübung immens; im Alter zwischen 52 und 64 Jahren leiden 50% der Bevölkerung an dieser Erkrankung, zwischen 65 und 75 Jahren sind es sogar 90%.

Operativer Eingriff

Mithilfe einer heutzutage relativ unproblematischen Operation können 90% der Behandelten wieder eine Sehleistung von 50 bis 100% erreichen, sofern keine zusätzliche Augenerkrankung vorliegt. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden und ist mittlerweile eine der weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen. Alleine in Deutschland wird dieser Eingriff jährlich 700.000 bis 900.000 Mal vorgenommen.

Bei der Operation wird die getrübte Linse durch einen kleinen Schnitt in der Hornhaut (weniger als 3mm Länge) entfernt. Dafür gibt es verschiedene  Methoden, von denen allerdings nur eine (die Phakoemulsifikation) durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Nach Entfernung der Linse wird die Kunstlinse, welche nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten ausgewählt wird, eingesetzt. Eine medikamentöse Behandlung eines Grauen Stars ist aktuell noch nicht gefunden worden.

Aktualisierte Broschüre

Passend zum Thema hat die Patientenorganisation Pro Retina nun eine aktualisierte neue Auflage der Broschüre „Katarakt und Netzhauterkrankungen – Informationen zum Grauen Star bei vorgeschädigter Retina“ veröffentlicht. Sie informiert Betroffene und deren Angehörige sowie alle, die sich dafür interessieren darüber, wie die durch einen Katarakt eingetrübte Linse korrigiert werden kann. Sie ist also auch ein wertvolles Infomaterial für Menschen, die nur vom Grauen Star betroffen sind.

Natürlich wird in der Broschüre auf das Verhältnis eines Katarakts zu einer Retina-Schädigung, wie zum Beispiel Retinitis Pigmentosa (RP) oder Altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) eingegangen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Entfernung des Grauen Stars nicht zu einer absoluten Wiederherstellung des Sehvermögens führt, da nur der Defekt der Linse, nicht aber der Netzhaut selber behoben wird. Insgesamt zeigt die Broschüre auf, welche Chancen sich mit der Operation ergeben können und welche Details mit dem Augenarzt in einem intensiven Beratungsgespräch vor der Durchführung einer solchen Operation unbedingt geklärt werden müssen.

Notwendig geworden war die Aktualisierung wegen der erfreulicherweise immer weiter fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und den Weiterentwicklungen für Katarakt-Operationen. Auch die Fortschritte der Kunstlinsen, die die beschädigte Linse bei einem Katarakt ersetzen, sowie detaillierte präoperative Untersuchungsmöglichkeiten, welche die Diagnostik der Krankheit verbessert haben, sind in der Neuauflage aufgenommen worden.

Die Broschüre gibt’s in der Geschäftsstelle der gemeinnützigen Patientenorganisation PRO RETINA kostenlos.

Zur PRO RETINA

Die PRO RETINA Deutschland e.V. – Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen – wurde 1977 von Betroffenen und deren Angehörigen als gemeinnütziger Verein gegründet, um sich selbst zu helfen. Es ist eine bundesweit tätige Organisation mit mehr als 50 Regionalgruppen und circa 6.000 Mitgliedern. Sie bietet Informationen und Beratung und versteht sich als Interessenvertretung der Patientinnen und Patienten in der Öffentlichkeit. Um einen Beitrag zur Entwicklung wirksamer Therapien zu leisten, engagiert sich PRO RETINA Deutschland e. V. auch in der Forschungsförderung. Wer sich für die Arbeit der Patientenorganisation interessiert, findet umfassende Infos auf der Seite der PRO RETINA.

Netzhaut News für die Hostentasche als Podcast für Smartphone

Menschen mit Sehproblemen, die auf einen Defekt in der Netzhaut (Retina) zurück­zufüh­ren sind, suchen ständig nach aktuellen Informationen zu möglichen Therapieansätzen für diese bislang weitgehend unheilbaren Erkrankungen. Aus diesem Grund gibt es seit einigen Jahren als kostenlosen Newsletter die PRO RETINA News mit aktuellen Nachrichten aus den Bereichen Forschung und Therapie. Dieser Newsletter steht neuerdings auch als Podcast für das Smartphone zur Verfügung.

Allgemein wird das Smartphone unter blinden und sehbehinderten Menschen immer beliebter weil die mobilen Geräte ihnen aufgrund von Sprachausgabe und speziellen Apps viele Erleichterungen im Alltag bringen. Für diese mobilen User ist das neue Podcast Angebot der PRO RETINA gedacht. Markus Georg, der Geschäftsführer dieser Patientenvereinigung denkt dabei u. a. auch an jene Erkrankten, die noch berufstätig sind und vor allem „auf dem Weg zur Arbeit“ oder „zwischendurch“ gern solche Podcasts als „komfortable Möglichkeit“ nutzten um „Informationen zu erhalten“.

Den Podcast gibt es hier als kostenloses Abo. Wer den Neusletter – natürlich ebenfalls kostenlos – als E Mail erhalten möchte, kann ihn über diese Internet­seite von PRO RETINA bestellen.

„Farben des Lebens“: Neue Broschüre über seltene Netzhauterkrankungen

farben-des-lebens-broschureHeute, am 24. September, findet der alljährliche „World Retina Day“ statt. Er steht ganz im Zeichen der Netzhaut, die so winzig und dabei so wichtig ist. Aus diesem Anlass gibt es eine neue kostenlose Broschüre, die sich speziell den Netzhauterkrankungen widmet, die unter dem Begriff „Juvenile Makula Dystrophien“ zusammengefasst sind.

Die Zapfen und Stäbchen der Netzhaut

Die meisten Sinneseindrücke nehmen die Menschen über die Augen wahr. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Netzhaut, auch Retina genannt. Sie ist nur wenige Quadratmillimeter groß, bietet aber Platz für viele Millionen Sinneszellen bzw. Fotorezeptoren.

In der Peripherie dieses wichtigen Winzlings sind ungefähr 120 Millionen Stäbchenzellen angesiedelt. Diese Sorte von Fotorezeptoren ist unter anderem für das Sehen bei Dämmerung und Dunkelheit zuständig. Nun sind die Stäbchen aber keineswegs die einzigen Bewohner der Netzhaut. In Ihrem Zentrum tummeln sich nämlich noch etwa 6 Millionen Zapfen, die für das scharfe Sehen bei Tag und für das Erkennen von Farben verantwortlich sind.

Wenn diese Fotorezeptoren nun den Dienst quittieren, hat das dramatische Folgen für die Sehfähigkeit. Sterben beispielsweise die Stäbchen ab, ist in der Perspektive mit Nachtblindheit und Tunnelblick zu rechnen während beim Verschwinden der Zapfen das Bild von der Welt allmählich seine Farbenpracht und Konturen verliert.

Netzhaut-Dystrophien

In solchen Fällen wird von sogenannten Netzhaut-Dystrophien gesprochen. Der Begriff Dystrophie bezeichnet allgemein fehlerhafte Entwicklungen körperlicher Strukturen, hier der Netzhaut, die früher oder später in unterschiedlichem Ausmaß zu einer Fehlfunktion und zum Absterben (Degeneration) dieser Struktur führen. Die Ursache dieser Funktionsstörungen liegt in der Zelle selbst begründet – meist aufgrund genetischer Mutationen. Diese sind dann für Sehausfälle verantwortlich, die am Rande der Netzhaut, also peripher, beginnen können, wie bei der Retinitis Pigmentosa und verwandten Erkrankungen. Oder sie beginnen in der Mitte der Netzhaut, der Makula, also im Bereich des schärfsten Sehens wie die juvenilen Makula Dystrophien.

Lange Wege zur Diagnose

Oft bleiben diese Sehverschlechterungen lange Zeit unbeachtet. Auch Augenärzte erkennen diese Veränderungen nicht immer direkt, da es sich um sogenannte seltene Erkrankungen handelt. Eine seltene Erkrankung bedeutet immer einen langen Weg bis zur Diagnose, es fehlen oft spezialisierte Ärzte und im Fall der seltenen Netzhauterkrankungen gibt es auch noch keine Therapie.Es sind auch eher wenige verständliche Infos über die einzelnen Erkrankungen zu finden und Betroffene sowie ihre Familien suchen oft lange danach.

Farben des Lebens

Aus diesem Grund hat die Patientenorganisation PRO RETINA Deutschland e.V. unter dem Titel „Farben des Lebens“ eine neue Broschüre entwickelt, in der es besonders um Juvenile Makula-Dystrophien geht und die pünktlich zum World Retina Day, dem internationalen Tag der Netzhaut am 24.9.2016 erschienen ist. Sie informiert über die Veränderungen der Netzhaut und richtet sich an alle Menschen, die mehr darüber wissen möchten, weil sie selbst oder die Kinder, die Freunde oder Kollegen erkrankt sind.

Diese Broschüre soll über den ersten Schock der Diagnose hinweg helfen ohne zu beschönigen. „Im Laufe der Erkrankung können die Farben, die wir sehen, verblassen“, sagt Heike Ferber, Mitautorin der Broschüre. „Aber mit der Diagnose haben wir begonnen, die Vielfalt der Farben des Lebens bewusster wahrzunehmen.“ Solche und weitere Erfahrungen sowie Strategien zum Umgang mit der Erkrankung werden in der kostenlosen Broschüre beschrieben. Darüber hinaus erläutern Augenärzte wichtige medizinische Fragen und weitere Fachleute befassen sich mit den psychischen Aspekten. Außerdem gibt’s Infos über Hilfsmittel und rechtliche Fragen.

Erhältlich ist die Broschüre in der PRO RETINA Geschäftsstelle, Vaalser Str. 108 in 52074 Aachen. Telefon: +49 (0) 241 870018

Netzhauterkrankung LHOM führt zu raschem Sehverlust

Netzhautprobleme gehören zu den häufigsten Ursachen für Sehbehinderung und Blindheit. Ursprünglich wurde dabei von einer einzigen Erkrankung ausgegangen. Inzwischen hat die Forschung festgestellt, dass es sich bei oft ähnlichen Symptomen um eine Vielzahl von Krankheiten handelt. Eine davon ist die Lebersche Hereditäre Optikus-Neuropathie (LHOM), deren Verlauf besonders dramatisch ist…

Kraftwerke der Netzhautzellen

Unsere Sehfähigkeit ist u. a. davon abhängig, dass die sogenannten Ganglienzellen in der Netzhaut unseren Augen regelmäßig erneuert werden. An diesem Erneuerungsprozess sind unter anderem kleine Zellbestandteile, sogenannten Mitochondrien, beteiligt. Diese manchmal auch als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichneten Einheiten arbeiten bei LHON fehlerhaft. Somit wird nicht genügend Energie in den Zellen produziert.

Rascher Sehverlust

Ursache dieser Störung in den Mitochondrien ist ein auf Vererbung beruhender Gendeffekt. Die Erkrankung, von der überwiegend junge Männer betroffen sind, verläuft schmerzlos. Die Sehprobleme bei LHON treten relativ plötzlich auf und können innerhalb weniger Wochen bei beiden Augen hochgradigen Sehverlust entwickeln. Am Ende, nach rund drei Monaten, verbleiben meist weniger als 10 Prozent der Sehkraft. In einigen, aber eher seltenen Fällen kann es auch wieder zu einer spontanen Rückkehr des Sehvermögens kommen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 2.000 Patienten und pro Jahr kommen hier etwa 40 Neuerkrankungen hinzu.

LHON Broschüre von PRO RETINA zwo

Zu dieser zwar seltenen, für die Betroffenen aber schwerwiegenden Erkrankung hat die Patientenvereinigung PRO RETINA Deutschland e.V. unter dem Titel „Neue Perspektiven für die seltene Augenerkrankung LHON“. eine aktuelle Broschüre herausgegeben. Diese kann kostenlos in der Geschäftsstelle von PRO RETINA angefordert werden. Hier die Kontaktdaten: Vaalser Str. 108, 52074 Aachen, Telefon: +49 (241) 870018, Fax: +49 (241) 87396

Augentraining mit Computerprogramm für Retinitis pigmentosa Patienten

München – Zwischen 30 000 und 40 000 Menschen in Deutschland leiden an der unheilbaren Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa. Tübinger Augenärzte haben nun ein computerbasiertes Training entwickelt, das die Wahrnehmung und das Orientierungsvermögen der Betroffenen innerhalb von sechs Wochen deutlich verbessert.

Absterben der Lichtsinneszellen

Bei der angeborenen Augenkrankheit Retinitis pigmentosa gehen die Lichtsinneszellen der Netzhaut des Auges nach und nach unter. Dieser Vorgang beginnt meist schon im Jugendalter an den äußeren Rändern des Gesichtsfelds und dringt im Laufe der Zeit weiter nach innen vor. Dadurch entsteht bei den Betroffenen ein „Tunnelblick“, der das Orientierungsvermögen einschränkt. „Die Patienten erkennen Hindernisse zu spät, sie stürzen häufiger, und das Risiko, als Fußgänger im Straßenverkehr zu Schaden zu kommen, ist erhöht“, sagt Professor Dr. med. Susanne Trauzettel-Klosinski, die an der Universität Tübingen die Forschungseinheit für visuelle Rehabilitation leitet. Darunter leidet die Lebensqualität: „Viele Menschen mit Tunnelblick trauen sich kaum mehr ihre Wohnung zu verlassen und am öffentlichen Leben teilzunehmen“, berichtet die Expertin.

 

Zahlen außerhalb des Gesichtsfeldes erkennen

Bei dem von Tübinger Augenärzten nun neu entwickelten computerbasierten Trainingsprogramm für Menschen mit Retinitis pigmentosa sitzt der Patient vor dem Monitor, auf dessen Bildschirm zufällige Zahlen erscheinen. Der Patient soll diese mit der Computermaus wegklicken. Einige Zahlen erscheinen auch außerhalb des Gesichtsfelds – durch gezielte Bewegungen der Augäpfel lernt der Betroffene auch diese zu erfassen. Übrigens nutzen Schlaganfallpatienten, bei denen der Hirnschaden zu einem Gesichtsfeldausfall geführt hat, bereits ein ähnliches Trainingsprogramm.

 

In einer ersten klinischen Studie testeten 25 Patienten mit Retinitis pigmentosa die Software am Rechner zu Hause. Sie trainierten an fünf Tagen pro Woche für jeweils 30 Minuten. Nach sechs Wochen Training, so zeigen die im Fachblatt PLOS One veröffentlichten Ergebnisse, hatten die Patienten ihre

Reaktionszeiten im Computertraining um 37 Prozent gesenkt. Die Patienten konnten danach einen Gehtest mit Hindernissen schneller und mit weniger Fehlern absolvieren als eine Vergleichsgruppe, die nur an einem Lesetraining teilgenommen hatte. Während des Gehtests trugen alle Teilnehmer ein Gerät, das die Augenbewegungen registrierte.

Bewegungen der Augäpfel bewusst steuern

Die Ergebnisse zeigen, dass die Probanden vermehrt die Umgebung ihres eingeschränkten Gesichtsfeldes erkunden, erklärt Trauzettel-Klosinski: „Durch das Training haben sie gelernt, die Bewegung ihrer Augäpfel bewusst zu steuern – so nehmen sie Hindernisse besser wahr als untrainierte Patienten.“ Ein solches Training kann die Mobilität auch nach einem bereits erfolgten Orientierungs- und Mobilitätstraining mit dem Langstock verbessern.

Die Tübinger Ophthalmologen arbeiten die Trainingssoftware nun zu einem benutzerfreundlichen Programm aus. Die Kosten dafür schätzt Trauzettel-Klosinski auf etwa 300 Euro und hofft, dass die Krankenkassen sich daran beteiligen.

Verbleibendes Blickfeld effektiver nutzen

Aufhalten oder gar heilen kann das Training die Erkrankung nicht: „Die Übungen helfen den Betroffenen aber ihr verbliebenes Blickfeld effektiver zu nutzen und sich so im Alltag besser zurechtzufinden“, sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz vom Vorstand der Stiftung Auge, die die Tübinger Studie unterstützt hat. Für die Patienten böte das Training spürbare Vorteile: sie können aktiv etwas gegen die Folgen der Erkrankung unternehmen und gewinnen Lebensqualität.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) sieht in der Software eine Chance, die Sicherheit und die Lebensqualität von Menschen mit Retinitis pigmentosa zu steigern. Daher wird von ihr die Einbeziehung dieses computergestützen Trainings in die Gesamtbehandlung dieser Patienten empfohlen.

Therapeutische Wirkung von Akupunktur bei Netzhauterkrankungen noch nicht genügend erforscht

Menschen, die an erblichen Netzhauterkrankungen wie etwa Retinitis Pigmentosa oder Zapfen Stäbchen Dystropie leiden, wird mitunter angeboten, die Erkrankung mittels Akupunktur zu behandeln. Als Begründung wird meist angeführt, dass Akupunktur zur Verbesserung der okulären Durchblutung führt. Aus diesem Grund wandten sich viele Betroffene an die Patientenorganisation PRO RETINA mit der Frage, ob eine solche Behandlung sinnvoll sei. Daher hat sich der Arbeitskreis Klinische Fragen (AKF) der PRO RETINA mit dieser Problematik beschäftigt und die veröffentlichte Literatur dahingehend geprüft, ob klinische Studien zur Wirksamkeit von Akupunktur bei den oben genannten Erkrankungen vorliegen bzw. veröffentlicht wurden.

Pilotstudie zur Wirksamkeit von Elektroakupunktur

Allzu viele Forschungsergebnisse scheinen zu diesem Punkt bislang noch nicht vor zu liegen, vor allem gibt es offenbar keine klinischen Studien. Der oben genannte Arbeitskreis konnte im wesentlichen nur eine Pilotstudie finden, die sich mit der Wirksamkeit von Elektroakupunktur bei Retinitis Pigmentosa befasste. Dafür wurden 12 Patienten entsprechend behandelt und vorher sowie nachher mit verschiedenen Tests untersucht. Wie die Autoren der Studie berdegenerationichten, sollen 6 der 12 Patienten gewisse Verbesserungen bei der Wahrnehmung vor allem in der Dunkelheit erlebt haben, die über die anzunehmenden Messschwankungen hinaus gegangen sein sollen. Außerdem sollen sich bei jeweils einem Patienten Änderungen von Sehschärfe und Gesichtsfeld gezeigt haben. Allerdings ist die Aussagefähigkeit dieser Studie nicht optimal, da es keine Kontrollgruppe gab, die mit Scheinakupunktur behandelt wurde.

Weitere Studien abwarten

Darüber hinaus soll es bei Veröffentlichungen bislang nur Patientenbefragungen geben oder vorläufige Hinweise aus Tierversuchen. Aus Sicht des Arbeitskreises Klinische Fragen können diese jedoch nicht als Wirksamkeitsnachweis betrachtet werden. Auch könnten bislang mögliche Schäden bei der Anwendung dieser Akupunktur beim Menschen nicht ausgeschlossen werden. Interessante Ansätze seien aber dabei. Der Arbeitskreis kommt daher zu dem Schluss, dass eine Akupunkturbehandlung bei den genannten Netzhauterkrankungen nicht ohne Weiteres empfohlen werden kann und in jedem Fall noch weitere Studien abgewartet werden müssen.

Ernährung und Augengesundheit: Schutzstoff Lutein in Urweizensorten besonders stark enthalten

Im Rahmen der Augenheilkunde wird auch die Frage behandelt, ob mit Hilfe der Ernährung günstige Auswirkungen auf die Augengesundheit erreicht werden können. Nun gibt es eine neue wissenschaftliche Studie, die in diesem Zusammenhang alten, heute seltener gewordenen Weizensorten positive Effekte bescheinigt. Dabei geht es speziell um das Carotinoid Lutein.

Lutein notwendig für die Gesundheit der Augen

Um die Netzhaut vor energiereicher Strahlung zu schützen, braucht das menschliche Auge dieses Lutein als UV- und Blaulichtfilter sowie als hochwirksames Antioxidans. Dummerweise kann weder das Auge noch der gesamte menschliche Körper diesen wichtigen Stoff selber herstellen. Daher muss er mit Hilfe entsprechender Nahrungsmittel dem Auge verabreicht werden. Gut geeignet sind in dieser Hinsicht Gemüsesorten wie Spinat, Grünkohl oder Broccoli. Doch nun zeigt sich, dass auch alte Weizenarten wie etwa Einkorn jede Menge Lutein enthalten, viel mehr als der heute allgemein übliche Weichweizen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Hohenheim. Daraus lässt sich ableiten, dass Brot aus Urgetreide bei regelmäßigem Konsum einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Augengesundheit leisten könnte.

Urweizen statt Genmanipulation

Urweizenarten enthalten offenbar allgemein mehr Lutein als moderner Weizen. Das betrifft also auch Emmer und den inzwischen wieder etwas häufiger verwendeten Dinkel. Einkorn ist aber hier der absolute Renner und enthält zehn mal mehr Lutein als Weich- und Hartweizen. Das fand die Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim heraus in dem sie von den fünf Weizenarten – Hartweizen, Weichweizen, Einkorn, Emmer und Dinkel – je 15 verschiedene Sorten an fünf verschiedenen Standorten anpflanzte. Im Anschluss wurden sie am Lehrstuhl für Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel auf ihren Luteingehalt untersucht. Nebenbei zeigte sich hier übrigens auch, dass man keine Gentechnik braucht, um ein Grundnahrungsmittel mit Carotinoiden aufzupäppeln. Im Gegensatz zur Genmaipulation kann ganz einfach das natürliche Vorkommen von Lutein in Urweizensorten genutzt werden.

Einkorn wird kaum angebaut

Die Ergebnisse sind also eindeutig und zum Schutz der Augen wäre es also richtig, Brot zu essen, das aus Einkornmehl gebacken wurde. Doch so einfach ist es nicht, denn diese Urweizenarten – bis auf Dinkel – sind auf unseren Äckern kaum noch zu finden. Dabei sind sie „einfach anzubauen, da man sie weniger spritzen und weniger düngen muss“, meint Friedrich Longin, Experte für Einkorn, Emmer und Dinkel an der Universität Hohenheim. So gesehen machen diese Arten einen durchaus attraktiven Eindruck. Doch bezüglich Arbeitsaufwand haben sie Nachteile, denn „alte Weizenarten sind bespelzt, das heißt, die Körner besitzen noch ihre Hülle. Moderne Weizenarten dagegen nicht. Hier fällt der Arbeitsschritt, die Körner von der Hülle zu befreien, weg“, erklärt Longin.

Außerdem hat Einkorn einen geringeren Ertrag als die heute üblichen Brotweizenarten und das Mehl ist auch nicht so strahlend weiß, wie es der deutsche Verbraucher seit Jahrzehnten gewöhnt ist.  „Vor allem der Weichweizen hat sich bei uns aufgrund seiner Ertragsstärke etabliert“, meint Longin. „Dementsprechend haben sich die Züchter auch hauptsächlich mit Weichweizen befasst. Gezüchtet wurde auf Ertrag und gute Backeigenschaften – nicht jedoch auf den Nährstoffgehalt.“

Fazit

Interessante Ergebnisse bezogen auf die Augengesundheit – insbesondere für Menschen, die schon unter einer Netzhauterkrankung leiden und daher händeringend nach therapeutischen Ansätzen und Schutzmaßnahmen suchen. Brot aus alten Weizensorten – insbesondere Einkorn – könnte ein wenig helfen. Dieses gehört jedoch zur Zeit noch nicht flächendeckend zum alltäglichen Angebot von Bäckereien und Supermärkten.