Silkes Bloggerparade und die Rucksäcke des Großstadtwanderers

aufbruchNachdem Silke mit dem Thema „Wanderverpflegung“ zur Bloggerparade gerufen hat, fühlt sich auch der Großstadtwanderer dazu aufgefordert, sich an selbiger zu beteiligen. Er hat nämlich auch auf seinen Big-City-Exkursionen immer einen gefüllten Rucksack dabei, denn er will nicht wegen jedem Schluck oder Happen gleich ins nächste Lokal gehen. Schließlich sollen es ja Wanderungen und keine Kneipentouren sein…

Für Touren in der Großstadt

Nun gehört der Großstadtwanderer nicht gerade zu jenen Leuten, die ihren Rucksack immer nach einem festen Plan packen. Da ist bei ihm immer sehr viel Spontaneität im Spiel und abhängig von dem, was gerade da ist, kann vieles, was ess- oder trinkbar ist, im Rucksack landen. Ein paar Dinge möchte er nach Möglichkeit aber immer dabei haben und dazu zählt vor allen Dingen – abhängig von der Tourlänge – genügend Medium-Mineralwasser. Auch Schokolade ist so ein Elixier auf dass er ungern verzichten möchte – ersatzweise können auch Müsliriegel eine akzeptierte Alternative sein. Auch ein paar schöne Äpfel hat er sehr gern dabei und wenn er im Quartier spontan keine findet, muss er beim nächsten Obst- und Gemüsehändler einen kleinen Zwischenstopp einlegen. Gern packt er auch einen Brie ein und – speziell in Berlin – zwei oder drei frische Schusterjungs vom Bäcker (wisst ihr alle, was das ist?). Wenn die geheimnisvolle Besucherin mit on tour ist, gehören zum kleinen Wanderproviant auch ein paar knackige Würste, denn sie droht gern mit sofortigem Stehenbleiben, wenn ihr selbige nicht sofort serviert werden.

Für Wald- und Wildnistouren

Tja, das sind so die Standards, die vom Großstadtwanderer auch dann mitgenommen werden, wenn es raus geht aus dem Big-City-Trubel und hinein in die Endlosigkeit tiefer Wälder. Nur die Mengen sind dann größer, was einen etwas umfangreicheren Rucksack erfordert. Natürlich kommt dann auch eine Regenhaut rein und bei längeren Touren werden Schlafsack und Matte angeschnallt. Auch Kocher und Geschirrset werden mitgenommen. Schweizermesser und Notfallpäckchen sind eh Standard und quasi schon Teil des Outdoorrucksacks. Bei Touren im Never-Ending-Format gehört immer noch ein uralter Weltempfänger sowie ein ähnlich altes Fernglas aus der ehemaligen UDSSR zur Ausrüstung. Auf Landkarten verzichtet der Großstadtwanderer inzwischen immer häufiger weil er mit ihnen aufgrund seiner sehbehinderten Augen nicht besonders viel anfangen kann. Da ist das iPhone mit den Spezialapps für Leute wie ihn schon eine bessere Hilfe und sollte die geheimnisvolle Besucherin dabei sein, ist auch die technikaffine Spezialistin an seiner Seite.

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Ein Bierchen in der Straßenbahn

Die geheimnisvolle Besucherin kennt die ungewöhnlichen Ideen des Großstadtwanderers und ist deshalb kaum überrascht, als er sie auf ein Bier in die Straßenbahn einlädt. Das hätten sie in den glorreichen Tagen des Trampelpfads auch oft gemacht und er sei sicher, dass ihr dieser kleine Trip in die Berliner Spaß- und Trinktradition nicht nur gut gefallen, sondern auch bestens schmecken werde. Immerhin stünden dort acht verschiedene Biere direkt von Fass zur Auswahl.

Okay, denkt die geheimnisvolle Besucherin, in Berlin gibt’s bekanntlich alles und warum nicht auch eine Straßenbahn mit Bierausschank. Allerdings ist sie dann doch etwas erstaunt, dass sie nicht in eine der Trams steigen, die kreuz und quer übern Alex rumpeln, sondern mitten durch das dickste Feierabendgewühl hoch zur S-Bahn stiefeln. Mit selbiger geht’s dann zum Bahnhof Zoo und alldorten hinab in den tiefsten Keller, wo auch keine Straßen- sondern die U-Bahn wartet. Die hat natürlich auch keinen Biertresen an Bord und die geheimnisvolle Besucherin hat allmählich mit Durstfantasien zu kämpfen.

Nun gehört die geheimnisvolle Besucherin zu den geduldigeren Menschen. Doch als sie am Bundesplatz aus den Tiefen des Untergrunds wieder zur Erdoberfläche hinauf gestiegen sind, fordert sie energisch die sofortige Einkehr in irgendeine Bude mit Bierhahn. Normalerweise gehört es zu den Gepflogenheiten des Großstadtwanderers, ihr möglichst jeden Wunsch zu erfüllen. Doch diesmal scheint er gar nicht daran denken zu wollen. Stattdessen zerrt er sie noch ein bisschen durch die beginnende Spätsommernacht und hinein in eine Kneipe, deren Tresen wie jenes öffentliche Verkehrsmittel aussieht, das im alten Berlin die Elektrische genannt wurde.

Bierchen in der Straßenbahn

Endlich gibt’s schönes frisches Bier und dann taucht auch noch Inge auf. Dabei handelt es sich zum Erstaunen der geheimnisvollen Besucherin jedoch nicht um eine schöne junge Dame, sondern um einen etwas älteren Herren aus Norwegen, wo nur Männer Inge heißen. Dieser norwegische Ingenieur ist übrigens Stammgast dieser ganz besonderen „Straßenbahn“ seit der ersten Stunde. Als junger Student zog er vor fast vierzig Jahren sogar extra aus Berlins Norden nach Friedenau, weil ihm diese Kneipe so gut gefiel. Heute lebt Inge längst wieder in Oslo, doch seine alte Studentenbude hat er behalten. Die braucht er auch, denn ein paar Mal im Jahr packt ihn eine schier unstillbare Sehnsucht nach dieser kleinen lauschigen Kneipe in der Laubacher Straße. Dann muss er rasch nach Berlin fliegen um ein paar Tage Friedenauer Straßenbahnfeeling zu schnuppern.

Die Straßenbahn wird übrigens seit Gründung im Jahre 1977 von einem Kneipenkollektiv betrieben. Klingt nach DDR, ist aber Good Old West Berlin. Zwei von damals sind heute noch dabei und ein paar andere sind hinzu gekommen. Wie eh und je werden Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen und Trinkgelder wandern in soziale Projekte. Verändert hat sich hingegen die Raumaufteilung: Der einstige Nichtraucherraum ist heute der Rückzugsort für die Fans des Glimmstengels, damit die Gäste im Tresenraum die Produkte der Straßenbahnküche genießen können…

Projekte von der Straßenbahn gefördert

Fotos: Ulrike Höck

Walter-Serner-Preis für Kurzgeschichten ausgeschrieben

IMG_2108Das ist was richtiges für den Großstadtwanderer: Unter dem Motto „Leben in den großen Städten“ loben rbb Kulturradio und das Literaturhaus Berlin auch in diesem Jahr wieder den Walter-Serner-Preis aus. Autorinnen und Autoren, die passende Kurzgeschichten auf Lager haben sind eingeladen, diese bis zum 30. September 2016 einzusenden – allerdings nur unveröffentlichte. Der Preis ist mit 5.000 € dotiert und wird am 9.12. im Roten Salon der Volksbühne Berlin verliehen. Das Kulturradio vom rbb zeichnet die Gewinnergeschichte auf und sendet sie in seinem Programm. Weitere Infos beispielsweise zu den Teilnahmebedingungen gibt es hier… 

Zu Walter Serner

Der 1889 in Karlsbad geborene Schriftsteller Walter Serner gilt als literarisches Enfant terrible und brillanter sozialer Beobachter. Der Jurist jüdischer Herkunft machte sich vor allem durch seine Kriminalgrotesken einen Namen. Seit Ende der 1930er Jahre lebte er als Lehrer in Prag. 1942 wurde er mit seiner Frau ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, von dort weiter in den Wald von Biíernieki bei Riga. Dort wurden Walter und Dorothea Serner im August 1942 erschossen.

Berlin – Stadt der Füchse: rbb produziert Doku über unsere wilden Nachbarn

Er schleicht um das Brandenburger Tor, springt über S-Bahn-Gleise und wohnt sogar am Bundeskanzleramt ohne dass die Security ihn schnappt. Kein Zweifel – dieser schlaue Fuchs hat Berlin erobert und ist bei Sonnenaufgang in Adlershof, mittags in Mitte oder nachts in Zehlendorf unterwegs – also rund um die Uhr. Als Big City Fuchs ist er wie die meisten Berliner ständig auf Wohnungssuche und lebt im Gestrüpp von Patchworkfamilien. An Hektik und Lärm der Metropole hat er sich längst gewöhnt.

Fuchs Doku mit Beteiligung des Publikums

Im Frühjahr dieses Jahres hat der rbb mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung das Fuchsbeobachtungsprojekt „Füchse in der Stadt“ gestartet. Über 1.400 Menschen aus Berlin und Brandenburg haben ihre Erlebnisse per Foto oder Video eingesandt. Die schönsten Fuchs-Geschichten der Zuschauer und ein erstes Resümee der Wissenschaftler werden in der Sendung „Füchse in der Stadt“ präsentiert. Außerdem stellt Moderator Sascha Hingst den Tag eines solchen Big City Fuchses vor, der mit etwa 1600 weiteren seiner Zunft all überall in Berlin zu Hause ist. Und es werden immer mehr…

Besuch im Fuchsstimmenarchiv

Sascha Hingst begibt sich selbst auf die Suche nach dem Großstadtfuchs. Er entdeckt Fuchsbaue an ungewöhnlichen Orten, besucht das größte Fuchsstimmenarchiv im Berliner Naturkundemuseum und trifft Prominente wie Schauspielerin Uta Schorn, Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter vom Bundesligaverein Füchse Berlin und Liedermacher Reinhard Mey. Zudem gibt es seltene Aufnahmen von Rotfüchsen aus den Berliner Nachkriegsjahren zu sehen.

Das Fuchsbeobachtungsprogramm „Füchse in der Stadt“ wird auch in den nächsten Monaten fortgesetzt. Die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut bleiben dem Fuchs auf der Spur und die Zuschauer können sich weiterhin an dem Projekt beteiligen. Information gibt es unter www.rbb-online.de/fuechse.

Die Sendung gibt’s am Fr 27. November ab 20:15 im rbb Fernsehen

Nicht nur Berlin oder Sansibar

am fuß des großen arber - KopieZur Begrüßung ein etwas älterer Text, der zum ersten Online Start der „Schönen Ecke“ – seinerzeit auf blog.de – erschienen war. Inzwischen sind drei Jahre vergangen doch an der Reiselust des Großstadtwanderers hat sich nichts geändert und daher hat er sich nach dem Okay der geheimnisvollen Besucherin dazu entschlossen, die damalige Startkolumne mit winzigen Zugaben nochmal in die große weite Welt hinauszuposaunen. In der Hoffnung, dass die „Schöne Ecke“ hier nun für längere Zeit einen Heimathafen gefunden hat, grüßt der Großstadtwanderer alle alten und neuen Besucher, Leser und Reisefreunde. Weiterlesen