Stammtischjubiläum im Neuköllner Restaurant S…cultur

an den ufern des rixdorfer sees

Fliegen Klaus Hoffmann zum 100. StammtischDiese Stammtische sind ganz kolossal und wer einmal mitmacht, will auch gleich noch mal“ heißt es im „Berliner Stammtischsong“. Doch viele Teilnehmer haben inzwischen nicht nur ein- oder zweimal daran teilgenommen, sondern sogar hundert mal. So konnte am 1. September der „NetzStamm“-Tisch in der Neuköllner S…Cultur mit zahlreichen Netzwerkern der ersten Stunde, wie beispielsweise „Fliegen Klaus“ Hoffmann, dem ältesten Jungdesigner Berlins, sein 100. Jubiläum begehen.

Nein, hundert Jahre alt sind weder Klaus Hoffmann, noch dieser ganz besondere Unternehmerstammtisch. Lezterer hat aber  immerhin hundert Monate hinter sich – und das wurde am Rixdorfer See im Biergarten der S…cultur ausgiebig gefeiert z. B. mit einem Getränk namens „Beleiwa“, wozu es kleine, ganz besonders raffinierte Schmankerl wie „Spanischen Reissalat“ gab. Zunächst kam er als kulinarisches Understatement daher – ein Happen unter Vielen eben. Dann aber zeigte er u. a. mit seiner ausgeklügelten Gewürzkombi und samtenen Schärfe, die den Gaumen zum Verzehr weiterer Köstlichkeiten animierte, was in ihm steckt.

Spanischer Reissalat

BeleiwaAber was hat es nun mit diesem geheimnisvollen Getränk namens „Beleiwa“ auf sich? Nun, nach den Worten von Markus Kunz, dem Wirt der S…Cultur, ist das ein Akronym für Berliner Leitungswasser. Beim Probieren dieser flüssigen Kreation kann das jedoch nicht bestätigt werden. Irgend was ganz Anderes ist da im Spiel, womöglich sogar Alkohol…

Raffinierte Schmankerl werden gereicht

 

 

Ein Hauch von Dorfidylle in Berlin Neukölln

Am Rande des Hermannplatzes in Berlin Neukölln fragt ein Tourist aus dem Schwabenländle, wo denn dieser Louis mit den großen Schnitzeln zu finden sei. Da aber der Hermannplatz inzwischen ein internationaler Touristentreffpunkt geworden ist, erwischt der hungrige Schwabe zunächst auch nur Leute, die, wie er selbst, von weit her kommen. Von dem Laden gehört haben schon einige, doch keiner scheint zu wissen, wie man da hin kommt. Endlich aber wird dem Mann aus Deutschlands Südwesten weitergeholfen von einem türkischen Berliner, der ihm den Weg per U-Bahn und zu Fuß sehr detailliert beschreibt. Der Schwabe wählt den Fußweg…

Heavy Metal Sound

Vom Hermannplatz die Karl Marx Straße entlang zu laufen ist wie ein Schwimmen im Strom des endlosen Menschenflusses. Zahllose Geschäfte, Restaurants und Dönerläden flankieren diese Supertangente Neuköllns. Eine Kulisse für ein Stück, das Einkaufsbummel heißt. Dazu über alle Oktaven des hörbaren Spektrums der Heavy Metal-Sound des motorisierten Zeitalters…

Neukölln Karl Marx Straße - Kopie

Böhmisch Rixdorf mit Jan Hus und Brüdergemeine

So oder ähnlich hatte sich der Schwabe Berlin möglicherweise vorgestellt. Doch dann, vom Big City Trubel der Karl-Marx-Straße in die Richardstraße einbiegend, eröffnet sich ihm mitten in der Millionenmetropole eine etwas andere Welt. Die Klänge werden selektiver und verhaltener und die Luft scheint sogar ein bisschen nach ländlicher Idylle zu riechen. Besonders erstaunlich aber zwischen den prangenden Gründerzeitfassaden sind die Satteldachhäuser mit hölzernen Flügeltoren vor bogenförmig gemauerten Einfahrten. Groß genug für die Erntewagen einer vergangenen Epoche, als hier noch bäuerliches Leben herrschte.

Richardstraße Berlin Neukölln

Haus in der Neuköllner Richardstraße - Kopie

Das sind die Reste eines böhmischen Dorfes mitten im Großstadtgewühl und Hinweis auf die Einwanderertradition Neuköllns. Gegründet wurde es von Siedlern, die anno 1731 aus den tschechischen Gebieten der damaligen Donaumonarchie aus Glaubensgründen geflohen waren. Die Böhmischen Brüder bauten hier ihr eigenes Dorf und bildeten später zusammen mit Deutsch Rixdorf die Keimzelle des heutigen Neukölln, dem kulturellen Hot Spot der deutschen Hauptstadt. Hier hat auch der tschechische Reformator Jan Hus sein Straßenschild und selbstverständlich ist die böhmische Brüdergemeine (kein Schreibfehler, sie heißt wirklich so) noch immer ein aktiver Vertreter des religiösen, sozialen und kulturellen Lebens in dieser Keimzelle des multikulturellen Neuköllns.

Restaurant Louis am Rixdorfer Anger

Der Weg des hungrigen Schwaben geht weiter die Richardstraße entlang, an deren Ende sich nicht nur der alte Rixdorfer Anger mit der historischen Schmiede, sondern auch das ersehnte Lokal namens Louis befindet. Kein böhmisches Restaurant, aber immerhin ist der Wirt ein Österreicher und das merkt man auch. Der Kaiserschmarren sprengt das Fassungsvermögen jedes Einzelmagens und das Große Schnitzel lockt inzwischen sogar hungernde Gäste aus Fernost und dem nicht ganz so fernen Schwabenländle an den Rand des böhmischen Dorfes zu Berlin Neukölln.

Schnitzel Louis

Kaiserschmarren beim Schnitzel Louis

Doch halt – am Ende stellt sich heraus, dass der Schwabe gar kein solcher ist, sondern ein Badenser mit italienischen Wurzeln. Doch Berliner Ohren aller Art können die feinen sprachlichen oder akzentmäßigen Unterschiede nicht so ganz wahrnehmen. In diesem Restaurant sind solche regionalen Besonderheiten ohnehin wurscht. Hier wird allgemein auf deutsch-österreichische Freundschaft gemacht –  wobei unklar bleibt, ob damit an die einstige New Wave-Band gleichen Namens erinnert werden soll oder vielmehr die Kochrezepte beider Länder gemeint sind.

Fotos: 1. peter bachstein, 2., 3., 4. Vera Schwarz, 5. peter bachstein

Berlin Neukölln: Das Restaurant am Rixdorfer See

Nachdem die geheimnisvolle Besucherin weder in Großpassagen noch Kleinkunstläden irgend etwas Extravagantes auftreiben konnte, sehnt sie sich plötzlich nach einer schmackhaften Alternative zum sinnlosen Stöbern. Als sie den entsprechenden Wunsch äußert ist der Großstadtwanderer sofort bereit, ihr diesen zu erfüllen. Als Ort für die Einnahme eines sattmachenden Mittagsmals schlägt er ein Lokal am Ufer des Rixdorfer Sees vor.

Die geheimnisvolle Besucherin kann sich nicht erinnern von einem solchen Gewässer jemals etwas gehört zu haben. Der Großstadtwanderer behauptet jedoch, dass seine mit Schilf bewachsenen Ufer mitten in Neukölln ganz in der Nähe des Rathauses zu finden sind. Nun hatte die geheimnisvolle Besucherin bereits mehrmals die Umgebung des Rathauses erkundet, dabei allerdings nichts gefunden, was mit einem See Ähnlichkeit haben könnte. Ihrer Meinung nach gibt es dort nicht mal einen winzigen Tümpel, nur einen simplen Springbrunnen. Auch Siri, die allwissende iPhone Assistentin behauptet steif und fest, dass es weder in Neukölln noch sonst irgendwo auf der Welt einen Rixdorfer See gibt. Der Großstadtwanderer lässt sich jedoch nicht überzeugen und so spazieren die Beiden vom Hermannplatz aus die Sonnenallee entlang um nach etwa zwanzig Minuten rechts in die Erkstraße einzubiegen. Vor dem Restaurant „s…Cultur“ bleibt der Großstadtwanderer stehen und behauptet, hier wäre das Lokal am Rixdorfer See.

Restaurant s...cultur

Die geheimnisvolle Besucherin fühlt sich nun doch ein klein wenig veräppelt denn sie kennt die Gaststätte bereits aus dem Jahre 2013, als die blinde Berliner Malerin Silja Korn hier ihre Bilder ausgestellt hatte. Da war aber kein See zu sehen und ein Solcher wird in der Zwischenzeit kaum entstanden sein. Der Großstadtwanderer spricht jedoch von einer Überraschung und die zeigt sich tatsächlich, nachdem die Beiden den Biergarten des Restaurants betreten haben. Selbstverständlich ist dieser nicht in den Fluten eines neuen Gewässers versunken. Doch auf der einst eher nüchternen Begrenzungsmauer des Biergartens zeigt sich heute in Pastelltönen jener Rixdorfer See, von dem der Großstadtwanderer die ganze Zeit geschwärmt hatte.

Speisen am Rixdorfer See

Auch wenn dieser Rixdorfer See nur ein von Künstlerhand gemaltes Gewässer ist sind die Beiden in eine durchaus maritime Stimmung geraten und bestellen daher Scholle nach Finkenwerder Art. Sie wurde natürlich nicht gemalt, sondern köstlich zubereitet vom Team des Lokals. Am Ende des Mals hat Markus Kunz, der Wirt des Restaurants „s…cultur“ noch eine kleine Besonderheit namens „Rixcotta“ auf Lager – ein Panna Cotta, dessen fruchtiges Dach aus Rixdorfer Fassbrause hergestellt wird. Diese Dessertkreation gibt’s jedoch nur zu ganz speziellen Anlässen. Übrigens hat die s…cultur bei den Rioja Gourmet Wettbewerben schon etliche Preise kassiert.

Rix Cotta

Restaurant s…cultur – ein Integrationsprojekt der AWO

Das Restaurant „s…cultur“ wird übrigens als Integrationsprojekt der Arbeiterwohlfahrt betrieben. Hier bekommen auch Menschen mit Behinderung eine Chance, gastronomische Berufe zu erlernen bzw. diese auszuüben. Das geschieht ausdrücklich nicht unter Anwendung eines Behindertenbonus. Hier wird gekocht und serviert mit den Ansprüchen der Spitzengastronomie und es zeigte sich immer wieder, dass Menschen mit Behinderung keine Probleme haben, solche Ansprüche auch zu erfüllen. Für viele dieser Menschen war die s…cultur bereits das Sprungbrett für eine echte gastronomische Spitzenkarriere.

Unternehmerstammtisch in der s…cultur

Die „s….cultur“ ist auch eine gefragte Location für diverse Veranstaltungen. So treffen sich hier allmonatlich am ersten Donnerstag sowohl arrivierte Gewerbetreibende wie junge Kreative und natürlich auch Künstler zu einem offenen Unternehmerstammtisch, der vom NetzStamm sowohl in Neukölln wie in allen anderen Berliner Altbezirken organisiert wird. Der Eintritt ist frei und Jeder, der sich für lokale oder regionale Zusammenarbeit interessiert, findet in diesen Runden mit Sicherheit die passenden Gesprächspartner. Weitere Infos zu diesen eher unkonventionellen Unternehmerstammtischen gibt’s hier…

Das Handtuch von Bautzen

Immer wenn der Großstadtwanderer irgendwo auf der großen weiten Welt das Handtuch von Bautzen erwähnt, sind die Zuhörer etwas irritiert. Soll es in der tausendjährigen Senfstadt an der Spree etwa nur ein einziges Handtuch für immerhin vierzigtausend Einwohner plus zahlloser Besucher geben? Nun, in gewisser Weise schon, doch es ist nicht zum abtrocknen geeignet, hängt auch nicht an der Wand, sondern steht mitten in der Stadt am Rande des Hauptmarktes.

Nun gibt es ja bekanntlich Handtücher, die vom häufigen Gebrauch so steif sind, dass man sie in die Ecke stellen kann, was auch auf ein gewisses Alter hindeutet. Auch das Handtuch von Bautzen verfügt über ein gewisses Alter, denn es steht schon seit dem Jahre 1480 am Hauptmarkt und da es das schmalste Gebäude der Stadt ist, bekam es diesen netten Namen.

Ein solch malerisches Gebäude wie das Handtuch kann natürlich nicht einfach nur so in der Gegend herumstehen wie jedes x-beliebige Haus, sondern sollte schon auf originelle Weise genutzt werden. Was läge da näher als die Einrichtung eines gastronomischen Betriebes? Und so ist das Handtuch zu einem der schnuckeligsten Cafés in der Bautzener Altstadt geworden und für Weitgereiste gibt es auch noch drei schöne Zimmer und eine Ferienwohnung.

Für den Großstadtwanderer und die geheimnisvolle Besucherin ist das Handtuch vor allem ein Ort des kleinen Genusses. Hier gibt es zwar keine große Speisekarte, dafür aber eine kleine Auswahl frischer Eintopfgerichte, die hervorragend zur Holztischatmosphäre des Handtuchs passen. Die Krönung aber sind diese unfiltrierten Biere aus der Frentzel Brauerei, zu der sowohl das Handtuch wie auch die Spree Pension gehören. Bei diesen hellen und dunklen Gerstensäften kann übrigens auch die geheimnisvolle Besucherin nicht nein sagen, obwohl sie beim Bier als durchaus wählerisch bekannt ist.

Unfiltriertes Bier aus der eigenen Brauerei zum passenden Eintopf

Übrigens könnten Besucher des Handtuchs auf die kluge Idee kommen, nach Speis und Trank mal eben das WC des malerischen Lokals zu besuchen. Auch wenn die üblichen Gründe dafür gar nicht vorliegen, lohnt sich der Abstieg über die steile Treppe, denn das Örtchen befindet sich im mittelalterlichen Kellergewölbe und wer möchte ein Solches nicht gerne mal besichtigen. Längere Leute sollten aber den Kopf ein bisschen einziehen, denn die Höhe der Gewölbe entsprach den körperlichen Maßen einer längst vergangenen Epoche.

handtuchWC im alten Gewölbe

Gaststätte Oma in Dresden: Traditionelle Küche und Oldschool Ambiente

Ich hätte echt Lust, mal wieder bei Oma in Dresden essen zu gehen weil es dort immer phantastisch schmeckt. Allerdings hatte meine Oma nie in Dresden gewohnt und außerdem ist sie inzwischen auch bereits aus dem Alter raus, wo sie mich noch persönlich mit Speis und Trank empfangen könnte. Daher ist in diesem Falle auch nicht meine Oma gemeint, sondern jenes kleine gemütliche Mansardenlokal in Dresden-Cotta, Cossebauder Straße, wo es was zu futtern gibt aus Großmutters bester Küche. Opas Schweinebraten darf dabei natürlich nicht fehlen und die Kartoffeln dazu sind alle vom Bauern Franz, wie die Speisekarte verkündet.

Echte Gaumenfreuden werden hier serviert und das Oldschool Ambiente scheint auch authentisch zu sein. Nur die Musik ist eher Uroma oder noch älter. Ein Jahrgang ’49 Opa – also einer wie ich – ist doch mit etwas anderer Musik aufgewachsen als diesen tödlichen Gesängen einer gewissen Zara Leander. Heutige Opa- und Omamusik wäre Elvis oder Chuk Barry. Trotzdem empfehlenswert das Lokal und wer dort gerne mal speisen möchte, sollte vorher anrufen um Plätze zu reservieren: 0351 422 20 66. Eine Hompage hat Oma auch und zwar zusammen mit Opa und eine etwas andere Oma mit dem Restaurant Homage ist auch dabei….

Opa und Oma