Hören statt Sehen: Neue App „Aipoly“ eklärt Blinden die Gegenstände der Umgebung

Barrierefreiheit ist in der Reisebranche ein Thema, das inzwischen gern diskutiert, aber längst noch nicht auf allen Ebenen umgesetzt wird. So sind längst nicht in allen Hotels die Zimmernummern in Braille- oder kontrastierender Großschrift gehalten. Hier könnte eine neue Vorlese-App ein Stück weit Barrierefreiheit schaffen… Weiterlesen

Advertisements

Treffen mit Tim dem Roboter im Deutschen Technikmuseum

ein-roboter-namens-tim-kopieMuseen bieten die Konfrontation mit den Überbleibseln von Gestern und der Großstadtwanderer liebt die Begegnungen mit ausgebuddelten Artefakten aus Ägypten, Griechenland oder Mittelamerika. Beim Besuch des Deutschen Technikmuseums in Berlin Kreuzberg wird er jedoch nicht vom Hauch der Antike erwartet, sondern von Tim dem Roboter. Der soll als digitaler Guide die Leute durch die verschlungenen Pfade der Ausstellungen lotsten. Momentan ist er aber am Schnarchen und erinnert damit ein bisschen an einen schlafenden Furby… Weiterlesen

Musiktheater im Revier bietet Opernaufführungen für blinde und sehbehinderte Menschen

In der Saison 2016/2017 bietet das Gelsenkirchener „Musiktheater im Revier“ zu fünf Stücken jeweils zwei Aufführungen mit Audiodeskription an. Neben der Live-Beschreibung des Bühnengeschehens gehört jeweils auch eine Einführung in das Stück sowie eine Führung hinter die Kulissen zum Angebot für blinde und sehbehinderte Menschen. Den Auftakt macht im Oktober das Musical „Anatevka“, später stehen noch die Klassiker „Die Lustige Witwe“, „Tristan und Isolde“ und „Don Giovanni“ sowie „Die Passagierin“ von Mieczyslaw Weinberg auf dem Spielplan. Kontakt: Telefon 0209-4097-200 (Theaterkasse) oder für inhaltliche Fragen E-Mail: Stephan.Steinmetz@musiktheater-im-revier.de.

Innovation für Blinde: „Linespace“ übersetzt mit 3D Druck visuelle Darstellungen in tastbare Strukturen

Mit Hilfe von Sreen Readern ist es blinden Usern schon seit Jahrzehnten möglich, umfassend mit Computern zu arbeiten. Mit dieser Technik werden aber hauptsächlich Texte vorgelesen und in fortschrittlicheren Versionen auch andeutungsweise auf Bilder oder Grafiken hingewiesen ohne dass letztere dabei wirklich erfahrbar werden. Daher wird seit langen nach technischen Lösungen gesucht mit denen blinde Nutzer „komplexe räumliche Daten genauso visualisieren und verstehen“ können „wie Sehende“, erklärte Patrick Baudisch vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut gegenüber „New Scientist“. Nun ist Forschern seines Teams mit „Linespace“ die Entwicklung einer taktilen Technik gelungen, die Blinden Usern nun auch umfassend die Anwendung von Tools zur Visualisierung ermöglicht, wobei „visualisieren“ hier natürlich übertragen in die taktile Welt von Blinden zu interpretieren ist.

Kombi aus Reißbrett und 3D-Druckkopf

Das Gesamtsystem Linespace kombiniert ein 140 mal 100 Zentimeter großes Reißbrett mit einem 3D-Druckkopf, der sich dank Roboterarm über diese Fläche bewegt. Mit seiner Hilfe können visuelle Inhalte in taktile Formen übersetzt werden indem er beispielsweise Diagramme als erhabene und damit tastbare Kunststofflinien auf das Reißbrett zeichnet. Die Steuerung des Druckkopfs erfolgt mittels Sprache oder Gestik und erlaubt unter anderem, Detailausschnitte zu vergrößern. Der Roboterarm verfügt zudem über einen Kratzer, um die erhabenen Kunststofflinien auf dem Druck-Display zu löschen und so Platz für neue Daten zu machen.

Mit „Homefinder“ auf Wohnungssuche

Nun sind tolle technische Innovationen nur dann sinnvoll, wenn sie für die potentiellen User als Hilfsmittel auch praktischen Nutzen bieten. Das HPI-Team hat daher für den Prototypen von Linespace einige Beispiel-Apps entwickelt, um diesen angesprochenen Nutzen zu demonstrieren. Neben Excel-Wiedergabe und zwei Spielen gehört dazu die im Alltag sicher sehr hilfreiche App „Homefinder“. Damit können Blinde geeignete Wohnungen finden indem die Lageangaben aus einer Stadtkarte gezoomt und dann per Linespace tastbar gemacht werden.

Natürlich lassen sich darüber hinaus zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in Bildung und Beruf und Freizeit denken. Blinde Architekten wie etwa Chris Downey hätten sicherlich großes Interesse an dieser Technik oder auch blinde Wirtschaftsfachleute, denen damit grafisch dargestellte Statistiken direkt zugänglich gemacht werden könnten.

Tolle Technik – und die Kosten?

Insgesamt ist das Einsatzpotential von Linespace heute noch gar nicht abzusehen. Voraussetzung dafür, dass dieses Hilfsmittel im Alltag der Blinden auch tatsächlich ankommt und ein bisschen mehr Barrierefreiheit ermöglicht, ist die Bezahlbarkeit des Systems. In dieser Hinsicht hält Baudisch eine kommerzielle Ausführung unter 1.000 Euro für möglich. Das mag erschwinglich klingen, ist es aber für viele der potentiellen User nicht, denn die Mehrzahl der Blinden muss nach wie vor von eher kärglichen Renten und knapp bemessenem Blindengeld existieren. Ob solche Systeme in Zukunft eventuell von Krankenkassen oder Integrationsämtern bezuschusst oder bezahlt werden, steht in den viel besungenen Sternen.

Hier geht’s zum Projekt Linespace – und hier direkt zum Demonstrationsvideo des Systems…