Ostseeurlaub im Campingfass

campingfass fünf von vera schwarz - KopieImmer mehr Campingplätze bieten große Hozfässer als Ferienquartiere an. Eine höchst attratkive Übernachtungsmöglichkeit für Reisende, die zwar weder Zelt noch Caravan durch die Gegend schaukeln wollen, aber trotzdem Lust auf Campingurlaub haben… Weiterlesen

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ITB: Hindernisparcours und eine spezielle Präsentation für blinde und sehbehinderte Menschen

Die Wege auf der ITB sind nicht wirklich barrierefrei bezogen auf blinde und sehbehinderte Menschen. Diese wurden jedoch von der Reisebranche längst als Zielgruppe entdeckt wie sich bei einem vom ABSV organisierten Treffen auf der Messe zeigt… Weiterlesen

Neue App für mehr Barrierefreiheit beim Fahren mit der Bahn

Spickzettel auf dem SmartphoneNeue Smartphone App soll Usern mit Behinderung das Bahnfahren erleichtern. Interessierte Nutzer aus dem genannten Personenkreis sind eingeladen, sich an der Gestaltung der App zu beteiligen.

Das Smartphone hat sich längst als hervorragendes Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen erwiesen. So gibt es z. B. zahlreiche Navi Apps, die besonders auf die Bedürfnisse des genannten Nutzerkreises zugeschnitten sind und das Reisen ein bisschen barrierefreier ermöglichen.

Nun will die Deutsche Bahn eine neue App entwickeln um ganz allgemein das Zugfahren für Menschen mit Behinderung zu vereinfachen. Diese App soll den entsprechenden Usern u. a. barrierefreien Zugang zu allen relevanten Infos im Bahnhof verschaffen oder den Weg zum reservierten Platz im Zug zeigen um nur einige Beispiele zu nennen. Für Reisende mit Seheinschränkung wäre das mit Sicherheit ein Riesenvorteil.

Die Qualität einer solchen App ist natürlich abhängig vom Input bzw. Feedback der Zielgruppe. Das wissen die Macher der App natürlich auch und so bieten sie interessierten Personen in der Entwicklungsphase die Beteiligung an den Testreihen an. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband begrüßt dieses Angebot und ruft ausdrücklich zur Teilnahme auf. Wer also gerne Einfluss nehmen möchte auf die Gestaltung dieser App kann sich dafür mit einer formlosen E-Mail anmelden. Hier die Adresse: msz@deutschebahn.com.

Bahnhof Zoo Regionalbahn

 

EMBRACE Hotels – gut geeignet auch für Reisende mit Seheinschränkung?

Bekanntlich ist das Reisen eine Leidenschaft, der man sich auch mit geringer oder gar keiner Sehkraft aus vollem Herzen widmen kann. Allerdings wird die Suche nach passenden Übernachtungsmöglichkeiten jenseits der bewährten Aura Hotels manchmal zu einer etwas zeitaufwendigen Herausforderung, denn längst nicht alle Betriebe sind im Sinne von Menschen mit Seheinschränkung barrierefrei. Das gilt – bezogen auf die räumliche Ebene – zumindest teilweise auch für die EMBRACE Hotels. Trotzdem lohnt es sich, die Häuser dieses Verbundes bei der Wahl der Unterkunft besonders zu berücksichtigen, weil hier beim Abbau von Barrieren in den Köpfen eine hervorragende Arbeit geleistet wird.

Keine Gewinner oder Verlierer

Der Begriff EMBRACE Hotels steht nicht für ein Unternehmen, sondern für einen im Jahre 2006 gegründeten Verbund von aktuell 43 Betrieben in Griechenland, Belgien, Schweiz, Italien und Deutschland, die sich den Prinzipien von Inklusion und Integration verschrieben haben. Daher arbeiten in den Mitgliedshäusern Menschen mit und ohne Behinderung kollegial und professionell zusammen. Auch jeder Gast ist willkommen egal ob er ein sogenanntes Handicap hat oder nicht. Prinzipiell werden die Menschen hier nicht in Gewinner und Verlierer eingeteilt.

Barrierefreiheit mit gewissen Einschränkungen

Dementsprechend steht natürlich die Barrierefreiheit im Vordergrund – allerdings eher fokussiert auf den Rollstuhl. Wenn man z. B. die Homepage des Verbandes aufruft, findet sich bei der Vorstellung der Mitgliedshäuser überwiegend der Hinweis auf Barrierefreiheit für Menschen mit Gehbehinderung. Diese Sicht ist aber keineswegs ein Spezifikum der EMBRACE Hotels, sondern ein allgemein gesellschaftliches Phänomen. Man sollte daher – wie in anderen Hotels – auch hier besonders nachfragen, ob in dem jeweiligen Haus auf die Anforderungen von blinden und sehbehinderten Menschen eingegangen wird. In den EMBRACE Hotels bekommt man immer eine positive Antwort mit dem eindeutigen Hinweis, dass blinde oder sehbehinderte Gäste selbstverständlich willkommen sind und auch bereits begrüßt wurden. Das klingt natürlich gut – jedoch sollte man sich damit nicht zufrieden geben, sondern durchaus nach Details wie etwa taktiler oder kontrastreicher Gestaltung fragen. Hier muss zwar meistens mit einer negativen Antwort gerechnet werden. Doch nicht nur hier, sondern allgemein ist diese Frage wichtig, um die Branche für die Belange sehbehinderter oder blinder Gäste zu sensibilisieren.

Hotel „Grenzfall“ in Berlin-Mitte

Als Beispiel mag an dieser Stelle das vom Verein „Schrippenkirche“ betriebene Hotel „Grenzfall“ in Berlin-Mitte dienen, dessen Personal zu 80 Prozent aus Menschen mit Behinderung besteht. Darunter sind auch Mitarbeiter mit Seheinschränkung wie etwa der farbenblinde Restaurantleiter. Auch an der Rezeption arbeitet eine Kollegin mit nur 20 Prozent Sehkraft, die mit Hilfe einer Software namens Zoom Text die anfallenden Computerarbeiten problemlos erledigt.

Die Zielgruppe des Hotels, in dem auch Seminare und Tagungen großer Unternehmen wie etwa Deutsche Bahn stattfinden, sind keineswegs nur Menschen mit Behinderung sondern alle Reisenden. Darunter befinden sich ständig auch blinde und sehbehinderte Gäste. Allerdings sind die Räumlichkeiten nicht speziell für diesen Personenkreis gestaltet – es gibt beispielsweise keine Zimmernummern in Punktschrift. Trotzdem ist das Hotel „Grenzfall“ zum Übernachten während eines Aufenthalts in Berlin auch für allein reisende blinde Menschen empfehlenswert, weil diese sich auf die umfassende Hilfe seitens der hoch motivierten Mitarbeiter verlassen können.

Faulenzerreise und Zuckertütenurlaub im Familotel am Rennsteig

Zugegeben, es war für uns – diesmal in der Oma und Opa Rolle – eine echte Faulenzuerreise und damit als Erfahrung eher ungewohnt. Für einen unserer zahlreichen Enkel sollte es so was wie die Zuckertüte in den ersten Ferien nach dem Schuleingang sein – und es wurde die Reise seines bisherigen Lebens.

Hotel mit Kinderanimation

Nun mag sich Zuckertütenurlaub nach Fernreise an irgendeinen märchenhaften Traumstrand anhören. An so was Ähnliches hatten wir anfangs auch gedacht – doch schließlich entschieden wir uns für eine Reise nach Wurzbach. Das winzige thüringische Städtchen liegt malerisch am Nordhang des Frankenwaldes und ist Etappenort für Rennsteig Wanderungen.

Entsprechend dieser Lage gibt es dort natürlich auch ein „Hotel am Rennsteig“, das zur Familotel Kooperative gehört. Hier steht Urlaub mit Kind im Mittelpunkt und die Kleinen sind quasi die VIPs, wobei die begleitenden Eltern oder Großeltern nicht unbedingt in der Statistenrolle verharren müssen. Im Gegenteil – sie haben viel Zeit, um auch auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Für die Kinder gibt es ein vielseitiges und spannendes Spiel- und Animationsprogramm, das vom Nachwuchs auch mit Begeisterung angenommen wird.

Enkel aus den Augen verloren

Als reisefreudiges Gespann waren wir natürlich nicht zum ersten Mal mit diesem Enkel verreist. Bislang hatten wir als Unterkunft aber immer Ferienwohnungen gewählt. Mit einem solchen Hotelaufenthalt betraten wir daher Neuland und es stellte sich schon die Frage, wie das mit dem Enkel klappen würde. Natürlich weiß er, dass diese unternehmungslustigen Großeltern sehbehindert sind und er konnte sich bislang auf allen Wegen auch problemlos darauf einstellen. Doch in diesem nicht gerade kleinen Hotel mit den zahlreichen Gästen, wo die Kinder sich auch relativ frei bewegen konnten, gab es durchaus die leise Befürchtung, dass wir den Kleinen eventuell aus dem Blick unserer nicht allzu weit reichenden Augen verlieren könnten.

Kurz gesagt, genau das passierte auch ab und zu. Aber das war im Wurzbacher Hotel am Rennsteig nicht weiter tragisch, denn das Personal war über unsere Sehbehinderung informiert und sorgte freundlich und unaufgeregt dafür, dass Enkel und Großeltern sich immer wieder fanden. Auch die anderen Begleitpersonen informierten uns gefragt wie ungefragt über den jeweiligen Aufenthaltsort unseres Enkels und selbiger kam zwischendurch auch ab und zu mal vorbei, weil er beispielsweise ein Eis essen oder mit uns ins Schwimmbad gehen wollte.

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Es herrschte ganz allgemein eine freundliche Atmosphäre und sowohl Personal wie die anderen Gäste verhielten sich den Kindern gegenüber aufmerksam und hilfsbereit. Diese Hilfsbereitschaft zeigte sich auch im Miteinander der Gäste und so kamen auch wir in deren Genuss, wenn wir rein sehtechnisch von der Vielfalt auf dem Buffet etwas überfordert waren.

Unser Enkel war übrigens umfassend begeistert, erzählt überall von dem tollen Urlaub und ist entschlossen, bald wieder nach Wurzbach ins Hotel am Rennsteig zu fahren. Wir als sehbehindertes Großelternpaar können aufgrund dieser Erfahrung allen ähnlich Betroffenen empfehlen, solchen Urlaub mit Kind ebenfalls zu probieren. Er ist ein Gewinn für Kinder wie Erwachsene und Seheinschränkungen sind mit Sicherheit kein Grund, darauf zu verzichten.

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Sehbehinderung und Barrierefreiheit

Sicher kommt es auch hier darauf an, das richtige Hotel zu finden. Dabei lohnt es sich durchaus, die 54 rechtlich eigenständigen Häuser unter dem Dach der Familotels in die engere Wahl zu nehmen. Die angeschlossenen Betriebe sind den hohen Leistungs- und Qualitätsanforderungen der Kooperation verpflichtet, deren Einhaltung durch direkte Besuche der Kontrolleure überprüft werden. Zusätzlich zu der Sterne Kategorisierung des Deutschen Hotel- und Gaststätten Verbandes gibt es übrigens noch eine interne Kategorisierung, dargestellt mit Kronen.

Nun sind die Familotels wie gesagt rechtlich unabhängige Betriebe Daher ist das Thema Barrierefreiheit auch nicht einheitlich geregelt. Das hier beschriebene Hotel am Rennsteig beispielsweise betrachtet laut Auskunft sich selbst nicht umfassend als barrierefrei, weil von den gut hundert Zimmern nur ein paar Rollstuhl gerecht sind. Hier zeigt sich allerdings wieder, dass Barrierefreiheit überwiegend auf den Rollstuhl fokussiert gedacht wird. Daher wurde der Hinweis auf unsere Sehbehinderung gar nicht in diesem Zusammenhang gesehen.

Übrigens sprechen unsere Erfahrungen ganz allgemein dafür, auch beim Reisen offensiv mit dem Thema Sehbehindrung umzugehen und das am besten schon beim Buchen der Unterkunft zu erwähnen. Wir haben bisher kein Hotel erlebt, dass urplötzlich kein Zimmer mehr frei hatte.

Fotos: 1. peter bachstein, 2: vera schwarz