Grauer Star: Aktuelle Broschüre zum Thema „Katarakt und Netzhauterkrankungen“ erschienen

katarakt-broschure-kopieDer Graue Star, auch Katarakt genannt, gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen insbesondere bei Menschen über 50. Eine Broschüre der Patientenvereinigung Pro Retina beschreibt ihn und die Möglichkeiten seiner Behandlung besonders bezogen auf Patieten, bei denen auch Netzhauterkrankungen vorliegen. Darüber hinaus ist die Broschüre wegen der Informationsdichte empfehlenswert für Alle, die sich für das Thema Grauer Star interessieren. 

Eintrübung der Linse

Beim Grauen Star oder Katarakt handelt es sich um eine Augenkrankheit, bei der sich die Linse eintrübt. Das kann in jedem Alter vorkommen und es gibt sogar angeborene Erkrankungen dieser Art. Aber insbesondere ab dem 50sten Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit für eine solche Eintrübung immens; im Alter zwischen 52 und 64 Jahren leiden 50% der Bevölkerung an dieser Erkrankung, zwischen 65 und 75 Jahren sind es sogar 90%.

Operativer Eingriff

Mithilfe einer heutzutage relativ unproblematischen Operation können 90% der Behandelten wieder eine Sehleistung von 50 bis 100% erreichen, sofern keine zusätzliche Augenerkrankung vorliegt. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden und ist mittlerweile eine der weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen. Alleine in Deutschland wird dieser Eingriff jährlich 700.000 bis 900.000 Mal vorgenommen.

Bei der Operation wird die getrübte Linse durch einen kleinen Schnitt in der Hornhaut (weniger als 3mm Länge) entfernt. Dafür gibt es verschiedene  Methoden, von denen allerdings nur eine (die Phakoemulsifikation) durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Nach Entfernung der Linse wird die Kunstlinse, welche nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten ausgewählt wird, eingesetzt. Eine medikamentöse Behandlung eines Grauen Stars ist aktuell noch nicht gefunden worden.

Aktualisierte Broschüre

Passend zum Thema hat die Patientenorganisation Pro Retina nun eine aktualisierte neue Auflage der Broschüre „Katarakt und Netzhauterkrankungen – Informationen zum Grauen Star bei vorgeschädigter Retina“ veröffentlicht. Sie informiert Betroffene und deren Angehörige sowie alle, die sich dafür interessieren darüber, wie die durch einen Katarakt eingetrübte Linse korrigiert werden kann. Sie ist also auch ein wertvolles Infomaterial für Menschen, die nur vom Grauen Star betroffen sind.

Natürlich wird in der Broschüre auf das Verhältnis eines Katarakts zu einer Retina-Schädigung, wie zum Beispiel Retinitis Pigmentosa (RP) oder Altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) eingegangen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Entfernung des Grauen Stars nicht zu einer absoluten Wiederherstellung des Sehvermögens führt, da nur der Defekt der Linse, nicht aber der Netzhaut selber behoben wird. Insgesamt zeigt die Broschüre auf, welche Chancen sich mit der Operation ergeben können und welche Details mit dem Augenarzt in einem intensiven Beratungsgespräch vor der Durchführung einer solchen Operation unbedingt geklärt werden müssen.

Notwendig geworden war die Aktualisierung wegen der erfreulicherweise immer weiter fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und den Weiterentwicklungen für Katarakt-Operationen. Auch die Fortschritte der Kunstlinsen, die die beschädigte Linse bei einem Katarakt ersetzen, sowie detaillierte präoperative Untersuchungsmöglichkeiten, welche die Diagnostik der Krankheit verbessert haben, sind in der Neuauflage aufgenommen worden.

Die Broschüre gibt’s in der Geschäftsstelle der gemeinnützigen Patientenorganisation PRO RETINA kostenlos.

Zur PRO RETINA

Die PRO RETINA Deutschland e.V. – Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen – wurde 1977 von Betroffenen und deren Angehörigen als gemeinnütziger Verein gegründet, um sich selbst zu helfen. Es ist eine bundesweit tätige Organisation mit mehr als 50 Regionalgruppen und circa 6.000 Mitgliedern. Sie bietet Informationen und Beratung und versteht sich als Interessenvertretung der Patientinnen und Patienten in der Öffentlichkeit. Um einen Beitrag zur Entwicklung wirksamer Therapien zu leisten, engagiert sich PRO RETINA Deutschland e. V. auch in der Forschungsförderung. Wer sich für die Arbeit der Patientenorganisation interessiert, findet umfassende Infos auf der Seite der PRO RETINA.

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Wo Hölderlin spazieren ging: Unterwegs in den Gassen von Tübingen

Tübingen besitzt eine international renommierte Universität, die häufig von Menschen mit Augenerkrankungen besucht wird. Doch die am Neckar gelegene Stadt der viel besungenen Dichter kann auch als attraktives Reiseziel punkten. Für Menschen mit Seheinschränkung sowie anderen Behinderungen werden spezielle Stadtführungen angeboten.

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Tübingen – steinalt und ganz jung

Tübingen ist die jüngste Stadt Deutschlands obwohl sie bereits auf eine mindestens 800jährige Geschichte zurückblicken kann. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich aus dem mit etwa 38 Jahren relativ niedrigen Durchschnittsalter der Bevölkerung. Diese besteht zu knapp einem Drittel aus Studenten, die an der altehrwürdigen, 1477 gegründeten Eberhard Karls Universität mehr oder weniger erfolgreich akademischen Weihen entgegen streben.

Universität in der Altstadt

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt begegnen Reisende aber nicht nur zahllosen jungen Studenten, sondern auch alten Gebäuden der Universität, die zumindest in Teilen der Bausubstanz noch aus den Tagen ihrer Gründung stammen. Symbolhaft steht dafür natürlich die zwischen 1478 und 1482 erbaute Bursa als historisch erster eigenständiger Standort der Uni. Vorher musste sie sich mit einer Gastrolle in der Stiftskirche begnügen, die ebenfalls zu den Highlights einer historischen Stadttour zählt. Die Bursa in den heutigen Ausmaßen hat übrigens kaum noch Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Bau. Das Wachstum der Uni erforderte Erweiterungen und führte Anfang des 19. Jahrhunderts zu dem Gebäude, in dem heute die Philosophische Fakultät und das Kunsthistorische Institut ihr Zuhause haben.

Tübingen und die Dichter

Wer sich mit der Bursa befasst, in der nach den oben erwähnten Umbauarbeiten das erste Tübinger Klinikum untergebracht war, landet unweigerlich bei berühmten deutschen Dichtern. Das liegt an einem gewissen Friedrich Hölderlin, der hier eher unfreiwillig ein wenig erfreuliches Patientendasein fristen musste. Der Turm des Dichters, in dem er nach seiner Entlassung aus der Klinik bis zu seinem Tod im Jahre 1843 lebte, ist von der Bursa aus fußläufig erreichbar. Schließlich befinden sich beide in der Bursagasse…

Die Begegnung mit weiteren Heroen der Dichtkunst ist beim Flanieren auf dem holprigen Pflaster der Tübinger Altstadt geradezu unausweichlich. So empfängt nahe der Stiftskirche das Antiquariat Heckenhauer, wo Hermann Hesse seine Buchhändlerlehre absolvierte, noch immer die lesefreudige Kundschaft und Besucher, die vom Bahnhof kommen, werden von einem steinernen Ludwig Uhland begrüßt. Die Blumenpracht, deren Zauber in den wärmeren Jahreszeiten das Geländer des Ammenkanals ziert, ehrt allerdings keinen Dichter, sondern einem Mediziner und Botaniker namens Leonhard Fuchs. Dieser lebte im 16. Jahrhundert, war mehrmals Rektor der Tübinger Uni und veröffentlichte seinerzeit einige bahnbrechende Werke zur Pflanzenheilkunde. Nach ihm wurde übrigens eine unserer liebsten Zierblumen benannt – die Fuchsie…

Allein oder mit Guide?

Ein Rundgang durch malerische Gassen und über steile Stiegen der Tübinger Altstadt kann Jeder auf eigene Faust unternehmen oder aber die Dienste erfahrener Guides in Anspruch nehmen. Solche gibt es auch für blinde und sehbehinderte Besuchergruppen. Sie bieten Rundgänge von etwa anderthalb Stunden und gehen dabei auf die besonderen Bedürfnisse von Besuchern mit Seheinschränkung ein. Das bedeutet einerseits, dass die einzelnen Stationen sehr detailliert beschrieben werden – auch in englischer Sprache – und andererseits auch Gelegenheit zum Berühren und Ertasten von Teilen alter Mauern gegeben wird. Natürlich sind keine taktilen Elemente in den Gassen vorhanden – die würden im Kopfsteinpflaster ja auch völlig sinnlos sein. Auch ist der Aufstieg über die 64 Stufen zur Münzgasse etwas krumm und winkelig. Doch unter Leitung der Guides hat die Bewältigung solcher Passagen bisher immer problemlos funktioniert. Die Gruppengröße sollte 25 Personen inklusive Begleitpersonen nicht überschreiten und der Preis pro Gruppe beträgt 85.- Euro. Kontakt mit den Guides, die vom Tübinger Bürger- und Verkehrsverein für die verschiedenen Gruppen von Menschen mit Behinderung zur Verfügung gestellt werden, gibt es unter der Nummer 0 70 71/9 13 613 oder mit diesem Link.

Übrigens gibt es für ganz besonders genusssüchtige Besucher der alten Universitätsstadt sogar die Möglichkeit, einen Rundgang in lateinischer Sprache zu buchen.

Unterkunft:

Es gibt in Tübingen keine speziellen Blinden- und Sehbehindertenhotels wie beispielsweise Aura. Doch erscheinen die meisten Hotels der Stadt für die genannte Personengruppe durchaus geeignet. Beispielsweise das „Domizil“ Tel. 07071/139-0. Hier sind die Routen optisch kontrastreich markiert, die Beschriftung der Bedienknöpfe im Aufzug ist tastbar, was auch auf die Zimmernummern zutrifft. Führhunde können mitgebracht werden und die Speisekarte wird vorgelesen.

Auch die Jugendherberge, Tel. 07071 /23002 ist gut geeignet. So sind die Glastüren mit optisch starken Markierungen versehen. Treppen und Stufen sind sowohl durch Farbe wie taktiler Oberflächenstruktur erkennbar und die Zimmernummern sind tastbar. Die Möbeln in den Zimmern sind ganz ohne scharfe Kanten. Weitere Infos zu Unterkünften können auch über den Bürger- und Verkehrsverein, Tel. 07071/91360 eingeholt werden.

PRO RETINA bringt neues Patientenregister für Menschen mit Netzhauterkrankungen an den Start

Nun ist es soweit, das Patientenregister für Netzhauterkrankungen der PRO RETINA ist am Start. Es soll als Brücke zwischen Forschern und Patienten dienen und damit einen wichtigen Beitrag leisten bei der Entwicklung von Therapien zur Heilung dieser Netzhauterkrankungen, die auch heute noch meist zur Erblindung führen.

Brücke zwischen Patienten und Forschern

Dieses Patientenregister hat das Ziel, Forschung und Medizin mit den Patienten zu vernetzen. Es soll Patienten den Zugang zu klinischen Studien erleichtern und Forschern bei der Suche nach passenden Patienten helfen. Mit der Registrierung können sich die Chancen für Patienten erhöhen, an solchen Studien zur Therapiefindung bei Netzhauterkrankungen teilzunehmen. PRO RETINA tritt dabei als Bindeglied auf. Die Entscheidung zur Teilnahme an klinischen Studien obliegt natürlich allein den Patienten.

Auf der Homepage der PRO RETINA erfahren interessierte Betroffene, warum das Patientenregister für mögliche künftige Therapien interessant sein könnte und wie Betroffene damit die Forschungsförderung aktiv unterstützen können. „Dabei ist dies oft auch noch Pionierarbeit und weit weg von einer ordentlichen Therapie, die über die Krankenkasse finanziert wird“, sagt PRO RETINA Geschäftsführer Markus Georg. „Hier darf man nicht den persönlichen Vorteil sehen und als Studienteilnehmer kann man mitunter auch in einer Kontrollgruppe landen, in der Placebos eingesetzt werden.“

Aufnahme ins Register

Patienten, die das Register nutzen wollen, müssen Mitglied der PRO RETINA sein. Das Vorhandensein einer gültigen E Mail Adresse wäre ganz gut, da die Datenerfassung online von den Patienten oder den Angehörigen vorgenommen werden kann. Eine Aufnahme ins Register kann aber auch schriftlicher per Post mit Dateneingabe durch die PRO RETINA in der Geschäftsstelle erfolgen. Dabei ist es wichtig, dass keine Befunde, OCT-Aufnahmen oder Ähnliches gesendet werden, da diese nicht berücksichtigt werden können. Sicherlich sind auch die jeweiligen Augenärzte beim Ausfüllen der Fragebögen, die vorher ausgedruckt werden können, behilflich.

Der Eintrag ins Patientenregister ist übrigens auch schon möglich, wenn der genaue Gendefekt nicht bekannt ist. Die Auswahl zu klinischen Studien dürfte aber oft unter diesen Gesichtspunkten erfolgen.

Für weitere Fragen per E-Mail an patientenregister@pro-retina.de oder telefonisch unter 02 41 / 87 00 18.

Grüner Star: Neue Therapie mit Mini-Implantat

Die Augenkrankheit Grüner Star, auch Glaukom genannt, wurde bisher mit Tropfen behandelt oder musste gar operiert werden. Neuerdings stehen als weitere Therapiemöglichkeit Mini-Implantate zur Verfügung.

Ohne Behandlung führt Glaukom zur Erblindung

Rund 2,2 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem Grünen Star oder befinden sich im Frühstadium dieses Augenleides, das vor allem Patienten in der zweiten Lebenshälfte betrifft. Ohne Behandlung führt dieses Glaukom zur Erblindung, weil es den Sehnerv immer weiter schädigt. Ursache ist eine Abflussstörung des Kammerwassers, das den Augapfel dann zunehmend unter Druck setzt.

Bisherige Behandlungsmethoden

Die meisten Glaukom-Patienten werden bislang mit Tropfen behandelt, die den Augeninnendruck senken. „Doch diese Therapie reicht nicht bei allen aus“, erläutert Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Mangelnde Wirksamkeit, aber auch Allergien gegen die Medikamente oder Konservierungsmittel, die zu gereizten Augen führen, sowie schlicht und einfach Vergesslichkeit können den Behandlungserfolg gefährden.“ In diesen Fällen rieten die Augenärzte dann häufig zu einem größeren operativen Eingriff, um das sich stauende Kammerwasser besser abfließen zu lassen und für eine Druckentlastung zu sorgen.

Neue Mini-Implantate dünn wie ein Haar

Seit Kurzem stehen nun Mini-Implantate zur Verfügung, die über einen kleinen Schnitt ins Auge eingesetzt werden. „Sie haben die Form winziger Röhrchen, nicht dicker als ein menschliches Haar, durch die das gestaute Kammerwasser aus dem Auge auf elegante Weise herausgeleitet wird“, erklärt Pfeiffer, Experte der Glaukom Sektion der DOG. Die Augenchirurgen platzieren die Mini-Stents in die feinen Abflusskanälchen des Kammerwassersystems, unter die Lederhaut oder unter die Bindehaut. Die Öffnung durch den Chirurgen ist so klein, dass sie nicht genäht werden muss. „Daher dauern diese Eingriffe auch deutlich kürzer als herkömmliche Operationen“, sagt Pfeiffer. Die Experten nennen das „Minimalinvasiver Glaukomchirurgie (MIGS)“.

Besonders geeignet bei mittelstarkem Grünen Star

Die Implantate sind vor allem geeignet für Patienten, die unter einem mittelstark ausgeprägtem Glaukom leiden, bei denen also noch keine oder nur geringe Gesichtsfeldausfälle eingetreten sind“, betont DOG-Experte Pfeiffer. „Die Implantate haben im Übrigen wenig Nebenwirkungen, sind nach bisherigen Erfahrungen gut verträglich“, so Pfeiffer. Erste Auswertungen zeigen, dass die Mini-Stents den Augeninnendruck dauerhaft senken und die Häufigkeit des Augentropfens stark reduzieren können. „Das ist für viele Patienten ein großer Gewinn“, resümiert der Experte.

Bekanntlich ist keine Therapie passend für alle Betroffenen. Das gilt auch beim Grünen Star. Wenn der Glaukomschaden beispielsweise sehr weit fortgeschritten ist oder die Augeninnendruckwerte besonders hoch liegen, wird nach wie vor eine größere Operation notwendig sein.

Zur Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG)

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Netzhauterkrankung LHOM führt zu raschem Sehverlust

Netzhautprobleme gehören zu den häufigsten Ursachen für Sehbehinderung und Blindheit. Ursprünglich wurde dabei von einer einzigen Erkrankung ausgegangen. Inzwischen hat die Forschung festgestellt, dass es sich bei oft ähnlichen Symptomen um eine Vielzahl von Krankheiten handelt. Eine davon ist die Lebersche Hereditäre Optikus-Neuropathie (LHOM), deren Verlauf besonders dramatisch ist…

Kraftwerke der Netzhautzellen

Unsere Sehfähigkeit ist u. a. davon abhängig, dass die sogenannten Ganglienzellen in der Netzhaut unseren Augen regelmäßig erneuert werden. An diesem Erneuerungsprozess sind unter anderem kleine Zellbestandteile, sogenannten Mitochondrien, beteiligt. Diese manchmal auch als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichneten Einheiten arbeiten bei LHON fehlerhaft. Somit wird nicht genügend Energie in den Zellen produziert.

Rascher Sehverlust

Ursache dieser Störung in den Mitochondrien ist ein auf Vererbung beruhender Gendeffekt. Die Erkrankung, von der überwiegend junge Männer betroffen sind, verläuft schmerzlos. Die Sehprobleme bei LHON treten relativ plötzlich auf und können innerhalb weniger Wochen bei beiden Augen hochgradigen Sehverlust entwickeln. Am Ende, nach rund drei Monaten, verbleiben meist weniger als 10 Prozent der Sehkraft. In einigen, aber eher seltenen Fällen kann es auch wieder zu einer spontanen Rückkehr des Sehvermögens kommen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 2.000 Patienten und pro Jahr kommen hier etwa 40 Neuerkrankungen hinzu.

LHON Broschüre von PRO RETINA zwo

Zu dieser zwar seltenen, für die Betroffenen aber schwerwiegenden Erkrankung hat die Patientenvereinigung PRO RETINA Deutschland e.V. unter dem Titel „Neue Perspektiven für die seltene Augenerkrankung LHON“. eine aktuelle Broschüre herausgegeben. Diese kann kostenlos in der Geschäftsstelle von PRO RETINA angefordert werden. Hier die Kontaktdaten: Vaalser Str. 108, 52074 Aachen, Telefon: +49 (241) 870018, Fax: +49 (241) 87396

Augentraining mit Computerprogramm für Retinitis pigmentosa Patienten

München – Zwischen 30 000 und 40 000 Menschen in Deutschland leiden an der unheilbaren Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa. Tübinger Augenärzte haben nun ein computerbasiertes Training entwickelt, das die Wahrnehmung und das Orientierungsvermögen der Betroffenen innerhalb von sechs Wochen deutlich verbessert.

Absterben der Lichtsinneszellen

Bei der angeborenen Augenkrankheit Retinitis pigmentosa gehen die Lichtsinneszellen der Netzhaut des Auges nach und nach unter. Dieser Vorgang beginnt meist schon im Jugendalter an den äußeren Rändern des Gesichtsfelds und dringt im Laufe der Zeit weiter nach innen vor. Dadurch entsteht bei den Betroffenen ein „Tunnelblick“, der das Orientierungsvermögen einschränkt. „Die Patienten erkennen Hindernisse zu spät, sie stürzen häufiger, und das Risiko, als Fußgänger im Straßenverkehr zu Schaden zu kommen, ist erhöht“, sagt Professor Dr. med. Susanne Trauzettel-Klosinski, die an der Universität Tübingen die Forschungseinheit für visuelle Rehabilitation leitet. Darunter leidet die Lebensqualität: „Viele Menschen mit Tunnelblick trauen sich kaum mehr ihre Wohnung zu verlassen und am öffentlichen Leben teilzunehmen“, berichtet die Expertin.

 

Zahlen außerhalb des Gesichtsfeldes erkennen

Bei dem von Tübinger Augenärzten nun neu entwickelten computerbasierten Trainingsprogramm für Menschen mit Retinitis pigmentosa sitzt der Patient vor dem Monitor, auf dessen Bildschirm zufällige Zahlen erscheinen. Der Patient soll diese mit der Computermaus wegklicken. Einige Zahlen erscheinen auch außerhalb des Gesichtsfelds – durch gezielte Bewegungen der Augäpfel lernt der Betroffene auch diese zu erfassen. Übrigens nutzen Schlaganfallpatienten, bei denen der Hirnschaden zu einem Gesichtsfeldausfall geführt hat, bereits ein ähnliches Trainingsprogramm.

 

In einer ersten klinischen Studie testeten 25 Patienten mit Retinitis pigmentosa die Software am Rechner zu Hause. Sie trainierten an fünf Tagen pro Woche für jeweils 30 Minuten. Nach sechs Wochen Training, so zeigen die im Fachblatt PLOS One veröffentlichten Ergebnisse, hatten die Patienten ihre

Reaktionszeiten im Computertraining um 37 Prozent gesenkt. Die Patienten konnten danach einen Gehtest mit Hindernissen schneller und mit weniger Fehlern absolvieren als eine Vergleichsgruppe, die nur an einem Lesetraining teilgenommen hatte. Während des Gehtests trugen alle Teilnehmer ein Gerät, das die Augenbewegungen registrierte.

Bewegungen der Augäpfel bewusst steuern

Die Ergebnisse zeigen, dass die Probanden vermehrt die Umgebung ihres eingeschränkten Gesichtsfeldes erkunden, erklärt Trauzettel-Klosinski: „Durch das Training haben sie gelernt, die Bewegung ihrer Augäpfel bewusst zu steuern – so nehmen sie Hindernisse besser wahr als untrainierte Patienten.“ Ein solches Training kann die Mobilität auch nach einem bereits erfolgten Orientierungs- und Mobilitätstraining mit dem Langstock verbessern.

Die Tübinger Ophthalmologen arbeiten die Trainingssoftware nun zu einem benutzerfreundlichen Programm aus. Die Kosten dafür schätzt Trauzettel-Klosinski auf etwa 300 Euro und hofft, dass die Krankenkassen sich daran beteiligen.

Verbleibendes Blickfeld effektiver nutzen

Aufhalten oder gar heilen kann das Training die Erkrankung nicht: „Die Übungen helfen den Betroffenen aber ihr verbliebenes Blickfeld effektiver zu nutzen und sich so im Alltag besser zurechtzufinden“, sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz vom Vorstand der Stiftung Auge, die die Tübinger Studie unterstützt hat. Für die Patienten böte das Training spürbare Vorteile: sie können aktiv etwas gegen die Folgen der Erkrankung unternehmen und gewinnen Lebensqualität.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) sieht in der Software eine Chance, die Sicherheit und die Lebensqualität von Menschen mit Retinitis pigmentosa zu steigern. Daher wird von ihr die Einbeziehung dieses computergestützen Trainings in die Gesamtbehandlung dieser Patienten empfohlen.

Vor 50 Jahren: Erste durch die CBM geförderte OP am Grauen Star

Ganga Kumari Rai

Im Jahr 1966 führte der neuseeländische Arzt Dr. Howard Harper im Noor Eye Hospital in der afghanischen Hauptstadt Kabul die erste durch die Christoffel-Blindenmission (CBM) geförderte Operation am Grauen Star durch. Heute, 50 Jahre später, hat die CBM dank ihrer Spenderinnen und Spender weltweit knapp 13 Millionen Katarakt-Operationen finanziert und damit blinden Menschen das Sehen wieder ermöglicht.

Arbeiten unter schwierigen Bedingungen

Von seiner Arbeit Anfang der 1960er Jahre in Afghanistan schrieb Dr. Harper später in einem Brief: „Es gab keine Elektrizität, kein fließendes Wasser und ich musste alle Medikamente mitbringen.“ Mit der CBM fand er einen starken Partner, um das zu ändern: Sie organisierte Spendengelder, medizinisches Personal und die notwendige Ausrüstung, um im Noor Eye Hospital in Kabul eine Augenabteilung aufzubauen. So wurden dort die Rahmenbedingungen für die erste Graue-Star-Operation überhaupt erst geschaffen. Über das historische Ereignis selbst ist nur wenig überliefert. Wer der Patient war und an welchem Tag die Operation genau stattfand, ist nicht bekannt. Jahre später danach gefragt, zuckte der 2011 verstorbene Dr. Harper nur mit den Schultern – zu viele Augenoperationen folgten dieser Premiere, und zwar nicht nur in Afghanistan, sondern in vielen weiteren CBM-Augenkliniken weltweit.

Katarakt-Operationen wichtiger Teil der CBM-Arbeit

Heute sind die Operationen am Grauen Star ein wichtiger Teil der CBM-Arbeit in Entwicklungsländern. Im Jahr 2015 wurden pro Tag durchschnittlich 1.262 dieser Eingriffe mit Förderung der CBM durchgeführt. Etwa 30 Euro kostet eine Operation eines Erwachsenen in den CBM-Projekten dieser Länder  und verändert das Leben der Betroffenen nachhaltig zum Besseren. „Wieder sehen zu können bedeutet für viele unserer Patienten, wieder arbeiten zu können und so ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen“, erklärt Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführer der CBM in Deutschland. „Weil sich viele Menschen in Entwicklungsländern den Eingriff nicht leisten können, wird sich die CBM auch in Zukunft für die kostenlose augenmedizinische Versorgung in den ärmsten Regionen der Welt stark machen.“

Weitere Infos zur CBM, die sich übrigens neben der Augenheilkunde u. a. auch damit beschäftigt, gesellschaftliche Barrieren abzubauen, die behinderten Menschen das Leben schwer machten, gibt’s hier…

Foto: CBM