Antisemitismus 2021 im Westin Hotel in Leipzig

Es gibt Momente, da hab ich tatsächlich die Schnauze voll. Ja ich weiß, das ist normalerweise nicht meine Art des Sprechens. Manchmal aber geht es nicht anders. Aber warum?

Nun, es geht um einen antisemitischen Vorfall, der gestern Abend in Leipzig passierte und von dem ihr möglicherweise auch schon gehört habt. Betroffen davon war der Münchner Musiker Gil Ofarim.

Der Musiker war wegen einer TV-Sache des MDR nach Leipzig gekommen, hatte eine Unterkunft im dortigen Westin Hotel gebucht und wollte am gestrigen Abend dort einchecken. Klappte allerdings nicht, weil er um den Hals eine Kette mit einem Davidstern trug. Ein solches Schmuckstück scheint einigen Gästen und vor allem Mitarbeitern des Nobelhotels nicht zu gefallen. Sie bedienten den Musiker einfach nicht und zogen andere Gäste aus der wartenden Schlange vor. Ofarim wurde schließlich von einem Hotelmitarbeiter dazu aufgefordert, die Kette mit dem Stern abzunehmen – nur dann könne er einchecken. Hat er natürlich nicht gemacht und dafür sei ihm von meiner Seite aus applaudiert. Trotzdem hat ihn dieses Ereignis übel getroffen, wie ein Instagram Video zeigt.

Und wie reagiert das Leipziger Westin Hotel auf diesen Vorfall? Mit lascher Betroffenheit und einer lahmen Bitte um Entschuldigung. Und natürliche wolle man sich bemühen, den Vorfall aufzuklären. Wischiwaschi, nichts sonst. Wie gesagt, ich hab die Schnauze voll und es kotzt mich an, dass so etwas in diesem Land wieder oder immer noch passiert. Hier fehlt mir – wie so oft bei solchen Ereignissen – der so oft besungene Aufstand der Anständigen, wobei ich allerdings nicht weiß, was unter Anständigen überhaupt zu verstehen ist. Was ich jedoch immer wieder registriere, ist das heftige Schweigen der Mehrheit.

7 Gedanken zu “Antisemitismus 2021 im Westin Hotel in Leipzig

  1. Gefällt mir nicht.
    Meine Tochter hat in einem feinen Hotel gelernt und gearbeitet und durfte auch nicht ihr Kettchen mit dem kleinen goldenen Kreuz tragen. Die Scheichs mit voller Montur natürlich …
    Ich finde solche Dinge ungeheuerlich!

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    • Liebe Sonja, einen ganz kleinen Unterschied sehe ich noch zwischen Personal und Gästen. Will man ein Hotel „neutral“ halten, dann sind solche Religionsbekenntnisse vielleicht nicht wünschenswert. Ich fände die Amtsstuben in Bayern mit einem Christus am Kreuz auch nicht erstrebenswert – aber deren MitarbeiterInnen könnten meiner Meinung nach Ketten mit Kreuzen oder anderes um den Hals hängen haben.

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  2. Lieber Peter, manchmal habe ich das Gefühl, dass hier in Bloggerland noch einigermaßen anständige Leute leben und schreiben, die so etwas verabscheuen. Aber wie du sagst, im echten Leben sieht es so viel ekelhafter aus – wenn ich allein an die vielen Hakenkreuze denke, die hier überall aufgeschmiert sind.
    Deutschland beschreitet schon seit langem keinen guten Weg.

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    • liebe clara, genau das ist der punkt. dass so etwas einem bekannten musiker passiert ist, bringt dies problem mal wieder in die öffentlichkeit. es ist aber ein problem des alltags, wie du es auch beschreibst. da werden schon mal in sogenannten normalen gesprächen antisemitische sprüche platziert und kaum jemand sagt was dazu. und wenn dann einer wie ich darauf hinweist, heißt es nur, sei doch nicht so empfindlich, das wäre doch einfach nur umgangssprache. stimmt sogar – doch genau das ist die große gefahr. antisemitische sprüche haben ihren kern eben doch in antisemitischen einstellungen.

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  3. Antisemitismus würde ich mit allgemeiner Fremdenfeindlichkeit gleichsetzen. Und die ist lachhafter Weise, eigentlich nur gegen eine große Mehrheit gerichtet: Gegen Proletarier.
    Zionisten würden diesen Stern nie tragen. Die tragen ganz andere „Glaubensbekenntnisse“ um den Hals.:-))
    Die angebliche Glaubens- und Meinungsfreiheit wird in diesem Besatzerstadel BRD gebrochen, wo es geht.

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    • gewiss stammen antisemitismus und fremdenfeindlichkeit aus der selben menschenfeindlichen wurzel. trotzdem lässt sich antisemitismus nicht allgemein als teil der fremdenfeindlichkeit betrachten – im vorliegenden fall schon gar nicht. gil ofarim ist ein deutscher rockmusiker, der aus münchen stammt. es geht hier daher explizit um antisemitismus, der ihn traf, weil er ein jüdisches glaubenssymbol an der halskette trug.

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      • Unseren jüdischen Proletenfreunden geht es wie den Proleten weltweit. Ohne jetzt direkt auf die Kulturschaffenden ein zu gehen. Proleten sind weltweit eine Klasse. Verstehe mich bitte nicht falsch, lieber Peter.
        Mit den Glaubensbekenntnissen etc., soll unsere Klasse gespalten werden. Islam, Moslem, Chinese, Russe, Venezolaner etc..
        Glaubensbekenntnisse sind Privatsache. Trotzdem darf oder soll die der jeweilige Gläubige zeigen dürfen. Zumindest dann, wenn man in einem anderen Kulturkreis/Land lebt. Gerade diese Vielfalt gibt einer Bevölkerung echten Zusammenhalt. Und genau dieser soll zerstört werden.

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