Chaos? Nein, endlich mal wieder Winter – andeutungsweise

Es ist schon erstaunlich: Kaum liegt ein bisschen Schnee auf den Straßen, wird all überall das Chaos ausgerufen als wäre die nächste Eiszeit im Anmarsch. Nun ja, in Zeiten des Klimawandels ist Schnee im Winter zur Seltenheit geworden und Kinder, die vor zehn Jahren das Licht der Welt erblickten, haben die weiße Pracht wahrscheinlich noch nie gesehen. Für einen wie mich hingegen – Jahrgang ’49 – ist das, was da grade passiert, nur ein zaghaftes Winterchen. Da hat unsereins in Sachen Winter was ganz anderes erlebt und auch Spaß daran gehabt…

Berlin: Winterlicher Tiergarten

Winterfreuden in Berlin

Sicherlich hat es in meinen jüngeren Jahren auch Winter mit weniger Schnee gegeben – aber Schnee gab es immer – sogar in Berlin. Da sind wir auf dem Schotterhügel, den irgendwer Monte Klamott getauft hatte, Ski gefahren. Einmal gab es da sogar ein Weltcup Rennen im Parallelslalom. In der Hasenheide und später im Britzer Garten sind wir auf die Loipe gegangen und auf den Kanälen und Seen mit Schlittschuhen unterwegs gewesen. Ohne Gefahr des Eisbruchs, denn es war über viele Wochen wunderschön kalt. Winterfreuden pur – mitten in Berlin. Und anschließend gab es heißen Kakao – später auch mit Schuss.

Schnee bis Pfingsten im Bayrischen Wald

Natürlich sind wir trotz solcher günstigen Winterbedingungen auch in bergige Gegenden gefahren – meist in den Harz oder den Bayrischen Wald. Da lugten bisweilen nur noch die Dächer der Häuser hinter den Schneewällen hervor und in Mitterfirmiansreutt – auf gut 1000 Meter über normal Null – gab es durchaus auch Schneehöhen von vier Metern. Da musste unter den Schleppliften Schnee geräumt werden, damit die sogenannten Kleiderbügel überhaupt hoch genug hingen. Sogar zu Pfingsten hast du auf dem Arber oder dem Dreisesselberg – alles bayrischer Wald – noch genug Schnee gehabt. Gewiss, die Bauern dort waren weniger erfreut darüber, wenn die Winter so lang anhielten. Die hätten ganz gerne möglichst früh die Felder bestellt. Prinzipiell hatten sie aber nichts gegen den Winter, denn viele von ihnen vermieteten Ferienquartiere und arbeiteten obendrein auch als Skilehrer, was ja ohne Schnee nicht geht. Daher müssen sie heute sogar dort bisweilen die Schneekanonen in Gang setzten. Mir aber macht es keinen Spaß auf einem schmalen Band aus Kunstschnee unterwegs zu sein.

Langlaufpause

Weiße Pracht im Osterzgebirge

Ich erinnere mich auch noch gut an winterliche Aufenthalte im Osterzgebirge, speziell in Altenberg. Dort ist jetzt auch mal wieder ein besserer Winter als in den vergangenen Jahren. Doch noch vor 15 Jahren gab es dort Schneehöhen, mit denen das, was heute dort liegt, nicht mehr mit kommt. Damals hatten wir dort oft tagelange Skitouren durchgezogen – übers Georgenfelder Hochmoor bis weit hinein nach Tschechien. Das Hochmoor war unter einer meterdicken Schneedecke begraben – und überall die gute alte, doch ewig neue Weiße Pracht, bis an den Horizont und darüber hinaus. Aber kein Mensch sprach von Winterchaos.

Selbst die Gulaschkanone war eingeschneit

Und jetzt, wo es andeutungsweise mal wieder so ähnlich dort aussieht, steht das Coronavirus einer Fahrt ins dortige Winterparadies im Weg. Okay, vielleicht haben wir im nächsten Winter noch mal Schnee…

Märchenhafter Winterwald im Osterzgebirge

Und bestimmt…

…erinnern sich Leute, die etwas älter sind, noch an den Wintereinbruch zum Jahreswechsel ’78/’79. Da waren wir mit einer kleinen Gruppe in Altreichenau im Bayrischen Wald. Für die damalige Zeiten waren die winterlichen Bedingungen über Weihnachten nicht so toll. Es lag Schnee – aber alter. Doch dann – am 29. Dezember – ging es los. Unglaubliche Schneemengen fielen tagelang vom Himmel und es wurde allmählich irre kalt. An Silvester hatten wir 35 Grad Minus und als wir um Mitternacht mit dem Sekt nach draußen gingen, war der sofort schockgefrohren. Am 3. Januar sollte es wieder zurück nach Berlin gehen – doch das war völlig unmöglich bei den Wahnsinnsschnee. Übrigens war seinerzeit sogar die Ostsee zu gefrohren und die Leute spazierten fröhlich zu den Inseln hinüber. Selbst die Eisbrecher steckten fest…

Und Heute?

Kein Chaos – nur normaler Winter. Allerdings haben viele verlernt, damit umzugehen. Außerdem hat die Sparpolitik der Bahn dafür gesorgt, dass keine Leute mehr da sind um die Weichen aufzutauen und die Gleise ständig vom Schnee zu befreien.

Ehrlich Leute, ich vermissen ihn so oft – meinen guten alten Freund, den Winter. Schön, dass er sich mal wieder blicken lässt. Darauf gleich eine heiße Schokolade mit Schuss…

Fotos: Alle Vera Schwarz und Peter Bachstein

8 Gedanken zu “Chaos? Nein, endlich mal wieder Winter – andeutungsweise

  1. Hallo Peter, ich bin auf dem Müggelsee öfter Schlittschuh gelaufen. Und zwischen 1993 und 96 war in einem Winter sogar die Alster in Hamburg zugefroren. Aber irgendwie hatte ich immer Schiss – denn einmal war ein riesiges Volksfest mti Buden und allen möglichen Sachen drauf. Und plötzlich sagte die Polizei über Lautsprecher durch, dass alle das Eis verlassen wollen. Ich war wohl sehr schnell weg vom Eis.
    Und tschüss

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    • liebe clara, ich bin auch immer etwas skeptisch, wenn ich einen zugefrohrenen see betrete – selbst wenn es schon wochenlang gefrohren hat. grund dafür ist ein erlebnis, dass ich vor vierzig jahren ausgerechnet in sibirien hatte und zwar in der nähe des baikal sees. allerdings nicht auf diesem, sondern auf einem viel kleineren see. wir hatten 30 grad kälte und es sollte eine skitour auf diesem kleinen see geben. alles schien prima zu sein und der see war von der größe her überschaubar. wir zogen also los – doch irgendwann hatten wir das komische gefühl, dass das eis zu schwanken anfing. und dann sahen wir tatsächlich stellen im eis, die wie löcher aussahen. allerdings war schon wieder eine eisschicht darauf. ging alles nochmal gut – wir kamen am rettenden ufer an. später wurde uns erklärt, dass wir genau die stelle im see erwischt hatten, wo die eisangler und eisbader ihr revier haben. das sei für skifahrer keine so gute stelle. seither hab ich immer dieses gefühl des schwankenden eises, wenn ich auf einem zugefrohrenen see zugange bin…

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        • wenn das eis anfängt zu wackeln, ist komischerweise die angst garnicht so spürbar. da heißt es, die ski in bewegung zu halten – das wäre dann so eine art schwimmeffekt. das wussten übrigens auch die leute in älteren zeiten, die mit ski ähnlichen geräten übers moor gegangen sind. und was die angst angeht – die kam dann auch, aber erst, als wir das sichere ufer erreicht hatten. da fingen die knie schon an zu schlottern. allerdings war ich als mensch, der ein bisschen abenteuerlich unterwegs war — und das mit sehbehinderung – gar nicht so selten in haarsträubende situationen geraten. in der türkei wäre ich einmal fast in eine antike zisterne gefallen, die da mitten im weg war. da hätte mich bestimmt ein schauerlicher geist aus der vergangenheit gefressen. aber wie du siehst, ist ja alles immer gut gegangen und dieser fundus an spannenden erinnerungen ist ja auch nicht schlecht…

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          • Peter, duj sagst es. Als mein Handy heute die Meldung brachte: „Autofahrer stundenlang in der Nacht auf A2 stecken geblieben“, dachte ich sofort an meine heute veröffentlichte Geschichte. Wären wir damals in Katowice eine halbe bis eine Stunde früher gestartet, hätten wir auch auf der Autobahn festgesteckt.
            Ich will das jetzt gar nicht von dem nicht vergehenden Unkraut erwähnen, denn du und ich – wir sind kein „Un“kraut, bestenfalls Wildkraut.
            Grüßli

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