Altes Land: Historische Navigationstechnik besichtigen im Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe

Auf Reisen kann auch so manches technische Highlight aus vergangenen Zeiten bestaunt werden. So geschehen auf unserer gerade zu Ende gegangenen Tour ins Alte Land, das sich von Hamburg elbabwärts bis nach Stade erstreckt. Die Gegend ist natürlich vor allem als Obstbaugebiet bekannt. Doch bis 2002 wurden hier in einem Dorf namens Grünendeich auch Seeleute ausgebildet – u. a. im Fach Astronomie. Das dem Unterricht dienende Planetarium gehört heute zu den Besuchermagneten im Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe, das einst der Standort der Seefahrerschule war. Zunächst aber fällt die gläserne Kanzel auf dem Dach ins Auge…

haus der maritimen landschaft unterelbe c haus d maritim landsch - Kopie

Die Kapitänsbrücke

Besagtes Haus liegt direkt hinterm Deich. Gekrönt ist es mit dieser baulichen Konstruktion, die wie die Kommandobrücke eines Schiffs aussieht. In dieser viereckigen Kanzel aus Glas und Metall hockten einst die angehenden Nautiker und Kapitäne, um die sichere Handhabung von Ozeanriesen und Küstenkuttern zu trainieren.

Kapitänsbrücke vor dem Umbau c haus d maritimen landsch

Heute beherbergt dieser ehemalige Schulungsraum eine kleine Sammlung nautischer Geräte, zu denen auch ein leibhaftiges Steuer und ein echter Sextant gehören. Solche wurden seit etwa 1740 zur Navigation auf hoher See eingesetzt und lösten damals den sogenannten Jakobsstab ab. In der Schifffahrt wird der Sextant inzwischen kaum noch verwendet. Seine Aufgaben werden heute mit Hilfe von Satellitennavigation bzw. GPS erledigt.

Kapitänsbrücke im Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe c haus d maritim landsch

sextant im haus d marit landschaft unterelbe c peter bachstein

Das Planetarium

Navigieren anhand der Sterne am Himmel gehört seit den frühesten Anfängen der Seefahrt zum Know How der Seeleute. Auf diese Weise fanden die Bewohner Ozeaniens sicher ihren Weg durch die unendlichen Weiten des Südpazifik und den Wikingern wiesen die Sterne den Kurs von Norwegen nach Nordamerika. Auch heute müssen angehende Nautiker und Kapitäne noch jede Menge Astronomie büffeln obwohl sie im beruflichen Alltag natürlich nicht mehr zum nächtlichem Himmel empor schauen, um ihren Weg über den Ozean zu finden. Dafür haben sie längst zahlreiche digitale Helfer mit an Bord. Trotzdem ist das Wissen über die zahllosen astronomischen Konstellationen Voraussetzung für die zielführende Kommunikation mit der digitalen Ebene.

Um solche Konstellationen für den Unterricht jederzeit darstellen zu können, verfügen Seefahrerschulen meist über ein Planetarium. So war es auch am Standort in Grünendeich. Wenn man nun vom der Kapitänsbrücke aus hinabsteigt in den Keller des Hauses der Maritimen Landschaft Unterelbe kann man dieses Wunderwerk vergangener Technik auch heute noch erleben. Kernstück ist ein mechanischer Projektor, der sowohl den südlichen wie den nördlichen Sternhimmel und dessen Bewegungen simulieren kann. Dafür wirft das Gerät bis zu 5.800 Lichtpunkte in 19 verschiedenen Helligkeitsstufen an die Kuppel des Raumes. Gezeigt werden kann der Sternhimmel über jedem Ort der Erde. Astronomisch betrachtet ist der Projektor aber auch so was ähnliches wie eine Zeitreisemaschine, denn er kann auch sämtliche Konstellationen der Sterne in Vergangenheit und Zukunft zeigen.

zeiss projektor im planetarium des haues der maritim.landschaftuntrelbe c haus d maritim landschDieses mechanische Projektionsgerät, das übrigens auch Hilfskreise wie Himmelsmeridian und Himmelsäquator darstellen kann, stammt aus dem Jahr 1980. Entwickelt und gebaut wurde es von Karl Zeiss Jena. Auch das ein historisch interessanter Fakt, zeigt er doch, dass es auch in der Zeit des Kalten Krieges wirtschaftlich-technische Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten gab.

 

 

Fotos 1, 2, 3, 5: (c) Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe. Foto 4 (c) peter bachstein

 

 

 

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