Corona und die Wunderheiler

sonnenfinsternis mit corona - KopieDas Corona Virus hat die reiselustige Community bekanntlich ein bisschen ausgebremst. Allmählich soll es zwar wieder losgehen mit dem Aufbruch in die nicht ganz so weite Ferne, doch Schutzmaßnahmen vor dem fiesen Infekt sollten nicht unbeachtet bleiben. Wie wärs z. B. mit Wundermitteln? Doch ehe wir uns mit ihnen etwas ausführlicher befassen, riskieren wir einen kurzen Blick auf die Corona Varianten, zu denen übrigens auch ein Ortsteil von New York und ein Hotel in Frankfurt am Main gehören…

Einleitende Worte über Sonne, Bier und Virus

Beim Wort Corona kommt uns aber immer noch das mexikanische Bier oder jener leuchtende Ring in den Sinn, der sich bei einer totalen Sonnenfinsternis zeigt, während sich der größte Teil unseres Tagesgestirns hinter dem Mond versteckt. Ein unglaublich eindrucksvoller Anblick und wir fragen uns irritiert, warum ein nicht gerade willkommener Virus mit dem lateinische Wort für Kranz geschmückt wird. Okay, er kommt auch mit einem Kranz daher dessen Gebilde wie winzigste Keulen aussehen, die auf Spikes sitzen. Damit rückt er uns auf die Pelle, weil er mangels eines eigenen Stoffwechsels den unsrigen benötigt, um überhaupt existieren zu können. Ein merkwürdiges Gebilde an der diffusen Grenze zwischen belebter und unbelebter Materie. Eigentlich nur eine simple Hülle aus Fett, die sich daher mit etwas Seife zerstören lässt – allerdings nur, solange sich der oder das Virus (beides ist möglich) nur im Außenbereich unserer Körper aufhält. Hat es jedoch den Weg nach Innen gefunden, ist das mit der Seife nicht mehr machbar. Also bitte liebe Leute, fangt jetzt nicht an, zur Bekämpfung des Coronavirus Seifenlauge zu trinken auch wenn einige Wunderheiler solche Maßnahmen empfehlen. Ein paar Schluck Corona Bier wären allemal gesünder, würden den Coronaviurs jedoch auch nicht aus unserem Inneren vertreiben. Das schafft übrigens auch kein anderes Bier und die Vorstellung eines temporären Saufkumpans, dass man es doch mal mit 70 prozentigem Rum probieren könnte, muss leider auch als Legitimationsversuch für ein tierisches Besäufnis betrachtete werden.

1. Big Business mit Wundermitteln

Okay, so ein Schnäpschen kann man ja ruhig mal kippen auch wenn es bei uns kein Rum, sondern eher ein Grappa sein dürfte. Aus einer privaten Quelle übrigens, aus der dieses Trestergetränk mit immerhin 60 Prozent Alkohol sprudelt. Den Virus mit der offiziellen Bezeichnung COVID 19 werden aber beide und auch sämtliche anderen Schnäpse nicht vertreiben können, obwohl viele von ihnen als Lebenswasser daher kommt. Ansonsten verlassen wir an dieser Stelle die einleitenden Worte um uns den zahlreichen Wundermitteln außerhalb von Bier, Wein und Schnaps zuzuwenden, mit denen jetzt dicke Geschäfte gemacht werden können. Unter dem entsprechenden Anbietern sind auch gute alte Bekannte anzutreffen.

Wasserverkäufer

Da wären beispielsweise jene Wasserverkäufer, die seit Jahrzehnten an die Türen pochen um uns alle möglichen Wasserreinigungsgeräte oder gleich das ganz besonders saubere Wasser anzudrehen. Kurz bevor die aktuellen Kontaktsperren ihnen das Haustürgeschäft vermasselten, war einer von ihnen noch bei uns aufgetaucht, Wir lassen solche Leute manchmal ganz gern rein – aus Unterhaltungsgründen. Und wir hatten auch diesmal unseren Spaß.

Der Junge erklärte uns zunächst, dass man das Virus ganz einfach mit Wasser bekämpfen könne. Das Leitungswasser sei aber ungeeignet, weil nicht sauber genug. Um das zu beweisen bat er um ein Glas vom kühlen Nass aus dem Hahn. Dann packte er eine Batterie und zwei Elektroden aus, die auch schon bessere Zeiten gesehen hatten. Die verband er mit der Batterie und hängte sie ins Wasser. Aus seiner Sicht passierte dann entsetzliches: Das Wasser wurde grau und an der Oberfläche grün, gelb und blau. Mit solchem Wasser, so seine Aussage, sei keine Krankheit zu besiegen. Vielmehr würde es krank machen und daher viel bedrohlicher noch als das Coronavirus. Er aber hätte lupenrein sauberes Wasser dabei, mit dem sich das Virus ganz einfach aus unseren Körpern spülen lassen würde. Man müsse jedoch möglichst viel davon trinken.

Nun mag es durchaus Leute geben, die sich vom Anblick des Wassers, dass sich mit Hilfe des elektrischen Stroms bunt gefärbt hatte, erschrecken lassen. Fixiert auf dieses merkwürdige Bild wird dann oft nicht mehr lange darüber nachgedacht, ob das Virus sich tatsächlich aus unserem Innersten heraus spülen lässt. Da wird dann schon mal ein ganzes Pack vom ach so sauberen Wasser gekauft, das der Junge zufällig dabei hat und sich cash bezahlen lässt. Selbiges erwartete er nun mit siegesgewissem Grinsen auch von uns.

Doch zum Unglück des Wasseronkels brauchen Leute in der besseren Mitte des Lebens meist nur einen kleinen Stupser, um sich blitzartig an den lange zurückliegenden Chemieunterricht zu erinnern. Diesen hatte der Wasserfritze selber mit seiner kleinen Wassershow geliefert. Sie entsprach nämlich in etwa jenem Wasserexperiment, das wegen seiner bunten Bilder damals nicht nur bei Lehrern, sondern sogar bei Schülern durchaus beliebt war. Allerdings waren seinerzeit die Elektroden nicht so mistig wie die unseres Besuchers, dem wir nun in Sachen Chemie und Wasserqualität ein bisschen auf die Sprünge helfen konnten. Das köstliche Nass sei durchaus spitzenmäßig und zwar weil sich die Flüssigkeit in dieser Weise verfärbt hätte. Mit Hilfe des elektrischen Stroms seien nämlich jene grauen bis weißen Mineralstoffe sichtbar geworden, die für ein gesundes Wasser unerlässlich sind. Das bisschen blau grün gelb an der Oberfläche sei ein Hinweis darauf, dass im Wasser auch etwas Natriumchlorid enthalten sei, ein Stoff, den wir täglich in die Suppe streuen, wenn wir Salzfans sind. Weil der elektrische Strom auch dieses Kochsalz in seine Bestandteile zerlegt hätte, seien durch das Chlorid diese bunten Farben entstanden.

Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, schnappten wir uns eine seiner Pullen mit dem Superwasser, kippten einiges davon in ein anderes Glas und hängten auch ein bisschen elektrischen Strom hinein. Das gleiche Bild, welches sich immer ergibt, wenn man nicht gerade destilliertes Wasser verwendet. Der Junge aber war so gebügelt, dass er wortlos das Weite suchte ohne seine Utensilien mitzunehmen. Zum Glück hatte die Müllabfuhr noch Kapazitäten frei.

Nun gut, aufgrund der Kontaktsperren kommen diese Vögel zur Zeit nicht bei den Leuten zu Hause vorbei um Wasser gegen den Virus zu verhökern. Dafür machen sie im Internet jede Menge Wind, um die verständliche Angst mancher Menschen geschäftstüchtig auszunutzen. Selbstverständlich ist das Trinken von Wasser eine gute Idee, denn unser Körper braucht mit oder ohne Infektion genügend Flüssigkeit. Die beste Wahl ist dabei immer noch das Wasser aus dem Hahn, auch Leitungsheimer genannt. Es hilft auch ein bisschen dabei, den Viren das Andocken im Rachen zu erschweren. Ein besonderes Kampfmittel gegen sie ist es jedoch nicht – übrigens ebenso wenig in erhitzter Form, auch wenn das manche Wunderheiler im Internet behaupten. Wer warmes Wasser mag, kann es natürlich gerne trinken – vielleicht mit einem Schuss Sahne, wie wir es aus dem Comic „Asterix bei den Briten“ kennen. Mir persönlich ist ein kühles Bier lieber – gern auch ein mexikanisches Corona. Aber bitte nur eins oder zwei und auf keinen Fall ein Besäufnis. Ein solches würde nämlich zum Vorteil der Viren das Immunsystem schwächen und einen trockenen Rachen verursachen. Der böte dann diesen unerwünschten Besuchern ideale Möglichkeiten zum Andocken.

Lässt sich der Corona Virus weg lutschen?

Im Internet sind Leute unterwegs, die diese Frage glatt mit ja beantworten. Sie haben auch das passende Lutschbonbon auf Lager und würden es auch gern verkaufen. Dessen Hauptbestandteil ist das sogenannte Labdanum, ein klebriges Harz, das aus einem heutzutage allgegenwärtigen Gebüsch des mediterranen Raums stammt. Diese Pflanze ist gut bekannt unter dem Namen Zistrose und ziert als solche auch zahlreiche Gärten unserer Breitengrade. Das oben angesprochene klebrige Harz riecht übrigens sehr gut und findet daher seit der Antike auch Verwendung in der Parfumherstellung. Damals wussten die Leute übrigens auch schon viel über die heilsame Wirkung besagen Harzes. Es wurde eingesetzt um Erkrankungen der Bronchien aber auch der Augen zu behandeln. Auch die blutstillende Wirksamkeit war bekannt und gegen Infektionen wurde das Harz ebenfalls eingesetzt. Jedoch war es nicht so leicht, an die klebrige Masse heranzukommen. Daher jagten die Leute ihre Ziegen in die Zistrosenbüsche um ihnen hinterher die Harzklümpchen aus den Bärten zu kämmen.

Das macht man heute natürlich nicht mehr so. Gesammelt wird das Labdanum der Zistrosen aber immer noch und keineswegs nur für das Mixen von Duftkompositionen und Badezusätzen der Kosmetikbranche. So sind beispielsweise Hersteller aus der Schweiz auf die großartige Idee gekommen, ihre Fruchtbonbons mit dem köstlichen Harz der Zistrose anzureichern. Schmeckt wirklich gut – d. h., wenn du Bonbons lutscht. Darüber hinaus haben sie in gewissen Grenzen tatsächlich eine spürbare gesundheitsfördernde Wirkung. So können Lutschtablette mit Labdanum beispielsweise Bronchialbeschwerden ein Stück weit lindern. Das bezieht sich aber zunächst nur auf die Symptome, was natürlich durchaus ein angenehmer Effekt ist. Schließlich hat niemand Bock auf Halsschmerzen und wenn ein wohlschmeckendes Lutschbonbon da etwas Linderung bringt, dann immer her damit.

Doch offenbar geht die Wirkung des Extraktes der Zistrose sogar noch etwas weiter. Es scheint zumindest anfangs die Infektion mit Grippe- und Erkältungsviren ein bisschen auszubremsen. Das gelingt, weil die in der Pflanze enthaltenen Polyphenole und Gerbstoffe die Viren quasi umhüllen, was ihnen die Chance nimmt, an den Körperzellen in den Atemwegen anzudocken.. Ob es gänzlich verhindert werden kann, ist jedoch mehr als fraglich. Zumindest müsstest du dann rund um die Uhr und wochenlang Bonbons mit dem Extrakt der Zistrose lutschen. Wenn sich Viren aller Art jedoch erst einmal in den Atemwegen eingenistet haben, lassen sie sich auch durch permanentes Lutschen dieser wundersamen Pastillen nicht wieder verscheuchen. Daher ist es höchst unseriös, wenn Natur- oder Wunderheiler eine Art Lutschtherapie mit Zistrose Pastillen gegen diese COVID 19 Viren anbieten. Gutgläubige Betroffene verlassen sich dann auf deren Wirkung und könnten am Ende womöglich bitter enttäuscht, aber zumindest ihr knappes Geld los sein.

Nun behaupten manche Anbieter dieser Zistrose Bonbons, dass die böse Schulmedizin deren heilsame Wirkung ignorieren würde. Das ist aber keineswegs der Fall. Die medizinische Forschung befasst sich durchaus mit den in der Pflanze enthaltenen Stoffen und zwar auch in Bezug auf COVID 19. Es wird nämlich jede Möglichkeit ins Auge gefasst, die zu einem wirksamen Medikament führen könnte. Und tatsächlich – in Zellkulturen haben sich Wirkungen angedeutet. Das wird dann von den Anbietern der Bonbons höchst werbewirksam als Beweis angeführt. Leider ist es keiner, denn Wirkungen, die sich in Zellkulturen zeigen, lassen sich nicht auf den kompletten Menschen übertragen. Es müsste also erst einmal herausgefunden werden, ob Infizierte mit Stoffen aus der Zistrose erfolgreich behandelt werden können. D. h., es werden Testpersonen benötigt und zwar auf freiwilliger Basis. Vorher muss aber erst einmal herausgefunden werden, welche Stoffe genau Wirkung zeigen und ob sie für den menschlichen Organismus ungefährlich sind. Oder wärst du bereit, ein unbekanntes Medikament an dir selbst testen zu lassen, von dem keiner weiß, ob es nicht tödliche Konsequenzen für dich hat?

Eins ist jedoch sicher: Mit dem Lutschen der Zistrose Pastillen lässt sich weder diese noch irgend eine andere Krankheit besiegen. Doch einige der Anbieter aus den Kreisen der Heiler haben noch einen Verkaufstrumpf im Ärmel. Sie empfehlen nämlich bei der Begegnung mit Infizierten immer zwei dieser Bonbons im Mund zu haben, um die eigene Ansteckung zu verhindern. Diese Empfehlung stützt sich auf die weiter oben bereits beschriebene Möglichkeit, dass die Bonbons das Einnisten der Viren zumindest ein Stück weit verhindern können. Eine höchst abenteuerliche Empfehlung, denn eine hundertprozentige Virenabwehr ist damit keineswegs gegeben. Kann zwar sein, dass ein paar einsame Viren die Bonbon Barriere nicht überwinden können. Die meisten aber schaffen den Sprung und finden den Weg Richtung Lunge.

Kann Knoblauch alles?

Oh ja, Knoblauch ist immer gut. Knoblauch hilft gegen alle möglichen Krankheiten und sogar gegen Vampire. Dann muss er doch ganz einfach auch gegen die Corona Viren helfen. Also los, beißen wir herzhaft rein in eine solche Knoblauchzehe und alles wird sich zum Besten wenden. Doch halt – so einfach ist es nicht. In eine Knoblauchzehe rein beißen kann schließlich jeder und das wäre daher viel zu simpel um geschäftlich wirksam werden zu können. Wer also wirklich diesem Virus an die Gurgel will, braucht einen richtigen Knoblauchhammer in Form von Pillen. Nur solche können helfen – insbesondere den Anbietern beim Geldmachen. Nun, als ausgemachten Knoblauchfans würde es uns schon gefallen, wenn man dem fiesen Erreger damit den Garaus machen könnte. Allerdings würden wir nur die Zehe, nicht die Pille nehmen, letztere schmecken nämlich nicht. Doch leider ist eine Wirkung des Knoblauchs gegen COVID 19 überhaupt nicht gegeben. Nun argumentieren sowohl manche Pillenanbieter wie bisweilen auch Leute aus dem eigenen Umfeld mit der bekannten antibiotischen Wirkung des Knoblauchs. Ist aber kein Argument, denn sowohl natürliche wie künstliche Antibiotika wirken zwar gegen Bakterien und Bazillen, nicht aber gegen Viren. Nebenbei bemerkt ist deswegen auch die Einnahme von Antibiotika gegen Grippe oder die meisten Erkältungskrankheiten völliger Unsinn, weil hier auch Viren die Erreger sind.

Wir wollen uns hier allerdings keineswegs gegen Knoblauch aussprechen – ganz im Gegenteil. Wenn du genau wir Bock darauf hast, damit deine Speisen zu verfeinern, dann lang in dieser Hinsicht so kräftig zu, wie es dir gefällt. Schließlich ist gutes Essen immer ein Beitrag zur Gesundheit. Doch dazu kommen wir später noch etwas ausführlicher.

2. Kein Quecksilber vom Quacksalber nehmen

reiniger c peter bachstein - KopieNun sind die drei oben genannten Mittel im Bezug auf eine Corona Infektion nur sinnlos, aber keineswegs gefährlich – außer, wenn du dich im Fall des Falles darauf verlässt und dich nicht ärztlich behandeln lässt. Doch es sind jede Menge Quacksalber marktschreierisch unterwegs mit angeblich therapeutischen Angeboten, die sogar den Tod bringen könnten.

Mit Umarmungen begegnen? Besser nicht

Dazu zählt u. a. leider auch die von der Sozialpädagogin Birgit Assel propagierte „liebevolle Zuwendung“ mit der die Leute sich „umarmend begegnen“ sollten. Auf diese Weise, so ihr Ratschlag, sollen die Maßnahmen zur weiteren Ausbreitung des Cororonavirus aktiv unterlaufen werden. Sie hält diese Maßnahmen nämlich für „Irrsinn“, und behauptet, dass nur „nährender Körperkontakt“ unser Immunsystem in die Lage versetzt, den Virus zu besiegen.

Nun mag es ja durchaus möglich sein, dass Birgit Assel selber an die Anti-Virus-Wirkung ihrer „liebevollen Zuwendung“ glaubt, die sie da lauthals übers Internet propagiert. Aber so schön Umarmungen sind, nach denen wir alle uns sehnen, so gefährlich oder gar tödlich können sie aktuell sein. Wer seine Mitmenschen liebt, sollte daher quasi aus Liebe auf Umarmungen und Knutschen eine Weile verzichten. Gut, wenn du mit deiner Partnerin oder deinem Partner eh schon während der gesamten Corona-Session im innigsten Kontakt verbunden bist, musst du ihn jetzt natürlich nicht lösen. Dann ist das Virus, wenn es denn auftaucht, ohnehin euer gemeinsamer ungebetener Gast. Das Umarmen und Küssen etwas entfernterer Mitmenschen solltest du jedoch noch ein wenig verschieben – bis es wirklich ein wirksames Anti-Corona-Mittel gibt.

Gewiss fällt es schwer, das Leben auf Distanz zu verkraften. Daher sind solche Ratschläge wie der nährende Körperkontakt zumindest leichtfertig. Es könnte passieren, das Menschen erleichtert darauf eingehen und gleich anfangen, allen möglichen Leute auf der Stelle um den Hals zu fallen in der fatalen Annahme, damit deren Immunsystem gegen das Corona Virus zu wappnen. Stattdessen sollte jeder, der seine Mitmenschen mag, ein bisschen Distanz akzeptieren. Wir wissen, wie schwer das fällt insbesondere im eigenen Umfeld, zumal mitunter die irrige Annahme besteht, dass das Virus immer von Außen kommt und sich niemals in der eigenen Familie eingenistet hat. Es hat auch ein bisschen gedauert, bis in unserem familiären Umfeld dieser Irrtum überwunden wurde. Besonders schwer war das Einhalten der Distanz übrigens für die Enkelkinder. Leider ist die körperliche Distanz momentan die einzige Möglichkeit, dem Corona Virus die Chance zur rasanten Ausbreitung zumindest ein Stück weit zu nehmen. Daher geh bitte auf solche abenteuerlichen Ratschläge wie die von Birgit Assel nicht ein, auch wenn wir uns aktuell in einer Phase der Lockerungen befinden. Ihr Vorschlag gehört eindeutig in die Rubrik „Quecksilber vom Quacksalber“.

Chlordioxid ist auch wieder im Spiel

Während Assels Vorschlag ohne Mittelchen sogar zu tödlichen Konsequenzen führen kann, geht es im folgenden um einen altbekannten Stoff, der genau so giftig ist wie Quecksilber. Gemeint ist Chlordioxid, das u. a. als Bleichmittel oder zum Desinfizieren von Schwimmbecken verwendet wird. Verschiedene Quacksalber bieten bereits seit Jahren Lösungen mit Chlordioxid als ultimatives Wundermittel gegen sämtliche Krankheiten an, ganz gleich, ob sie durch Infektionen oder genetische Mutationen entstanden sind. Sogar Augenerkrankungen inklusive Schäden an der Netzhaut sollen damit heilbar sein. Da liegt es doch nahe, den chemischen Drink auch all jenen schmackhaft zu machen, denen die etablierte Forschung zu langsam erscheint bei der Suche nach einem wirksamen Medikament. Bekannt geworden sind die Mixturen übrigens unter dem Kürzel MMS, was wahlweise Miracle Mineral Supplement, Master Mineral Solution oder Miracle Mineral Solution bedeuten kann.

Einer der aktivsten Propagandisten von MMS war und ist der Autor Rainer Taufertshöfer. Sowohl auf seiner eigenen Website wie auf der von Connectiv Events serviert er den Besuchern konkrete Dosierungsempfehlungen und macht gleichzeitig Reklame für sein eigenes „Fachseminar“. Darin geht es selbstverständlich um Chlordioxidlösungen und wie sie angeblich gegen die COVID 19 Erkrankung helfen sollen. Als Grundlage für seine Behauptungen verwenden er und auch andere Quacksalber gern eine Studie aus dem Jahre 2005, die angeblich die Wirksamkeit des Chlordrinks beweisen soll.

Nun, diese Studie existiert wirklich – allerdings nicht in Bezug auf COVID 19, davon wussten die Forscher vor 15 Jahren noch gar nichts. Seinerzeit ging es um einen anderen Virus aus der großen Corona-Familie, bekannt geworden unter der Bezeichnung SARS-Virus. Jedoch hatten die Forscher damals keineswegs vor, Drinks mit Chlordioxid für Menschen zu mixen. Vielmehr ging es um die Frage, wie effektiv Desinfektionsmittel dieser Art SARS-Viren im Wasser vernichten können. Davon erzählt Rainer Taufertshöfer aber nichts in der oft berechtigten Hoffnung, dass die meisten Leute sich die Studie nicht genauer anschauen. Vielen reicht leider der Hinweis auf eine Studie um die Glaubwürdigkeit von Autoren wie Rainer Taufertshöfer zu untermauern. Dass er gefährlichen Blödsinn erzählt, fällt dann gar nicht mehr unbedingt auf.

Falls du selbst im Internet auf Seiten wie Connectiv Events oder auch Alpenschau gestoßen bist, wo für Chlordioxid Drinks im Kampf gegen Corona-Viren oder auch andere winzige Krankheitsbringer geworben wird, betrachte es als lebensgefährliche Irreführung. Solltest du auf den Gedanken kommen, solche angepriesenen Lösungen zu trinken, musst du zumindest mit Verätzungen im Mund, im Rachen, in der Speiseröhre und im Magen-Darm-Trakt rechnen. Wird höllisch brennen und lang anhaltende Übelkeit hervorrufen. Letztlich wirst du bleibende Schäden kassieren und womöglich sogar dein Leben verlieren ohne dass ein einziger COVID 19 Erreger je den Weg in deinen Hals gefunden hat und zwar weil du ihm nie begegnet bist. Diese sogenannte „Therapie“ mit Chlordioxid Drinks ist gefährlicher als der Corona Virus selbst. Von der COVID 19 Erkrankung – falls du sie haben solltest, wirst du mit größter Wahrscheinlichkeit vollkommen genesen. Dieser angebliche Superdrink hingegen wird dir, wenn du ihn probierst, bleibende Schäden hinterlassen. Gehe also den Quacksalbern, die solch gefährliches Zeug anbieten, nicht auf den Leim und gib ihnen nicht auch noch dein schwer verdientes Geld für ihre giftigen Mischungen und ähnlich giftigen „Fachseminare“.

Und überhaupt…

…solltest du Betrügern keine Chance lassen. Während in anderen Branchen ums wirtschaftliche Überleben gekämpft wird, hat deren „Geschäftsmodell“ nämlich gerade Hochkonjunktur. Sie verticken via Internet gerade alles mögliche, was in irgendeiner Weise gegen den oder das Virus wirken soll – z. B. Desinfektionsmittel. So hatte ein Mann aus Weißenberg in der Oberlausitz für schlappe 275,- Euro solche Substanzen bestellt. Andere haben gleich ganze Tankladungen geordert aus Sorge, dass die ach so wundertätige Chlorbleiche aufgrund steigender Nachfrage knapp werden könnte. Da muss man doch vorsorgen, wenn schon ein gewisser Mr. Trump das Trinken von Desinfektionsmitteln empfiehlt.

Erstaunlicherweise ist eines der ganz großen Wundermittel der Vergangenheit – nämlich Quecksilber mit Schnaps – bisher von keinem Quackslaber gegen Corona angeboten worden. Okay, wir nehmen noch einen vom 60prozentigen Grappa ohne ihn mit Quecksilber zu verdünnen. Und danach ’n Bier. Diesmal aber kein Corona aus Mexiko, sondern ein naturtrübes aus der Handwerksbrauerei an der Spree. Hilft zwar nicht gegen COVID 19, dafür aber gegen schlechte Laune. Auf eure Gesundheit liebe Leser…

Ein schönes Bierchen c peter bachstein

Mir fällt übrigens gerade auf, dass die Überschrift „Corona und die Wunderheiler“ sich gut als Name für eine Rockband eignen würde. Sollten wir schleunigst gründen ehe der Hype entschwunden ist. Den Anfang eines Songs hätten wir auch schon:

Quecksilber Chlor und Schnaps vermischen / Und als Medizin auftischen / Das Virus kümmert sich zwar nicht darum / Dafür bringt die Mischung die Leute um

Refrain: Denn wer am Virus nicht stirbt / Sollte Wundermittel trinken / Die wirken sicher / Um in die Grube sinken

 

 

 

Ein Gedanke zu “Corona und die Wunderheiler

  1. Lieber Peter, sei nicht sauer, ich habe nicht alles gelesen, weil es mir einfach zu viel war. Auf viele dieser Rattenfänger würde ich nicht hereinfallen. Den Hut habe ich vor dir gezogen, als du das Batterieexperiment von dem Wasserknaben so gut entkräften konntest. Ich wäre einzig und allein auf die Idee gekommen, dass er die gleichen verdreckten Kontakte auch in ein Glas Wasser aus seinen teuren Flaschen hängen müsste – und dann hätte ich immer noch nichts gekauft. Aber solche Leute sind noch nieeeeeeeeeeeeeeee bei mir vorbeigekommen – nur nach Absprache über Betten, Staubsauger und sonstiges.
    Und darauf ein kühles Radler! sagt Clara

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