Ostern in der Schweiz: Archaische Bräuche und bunte Frühlingsfeste

Hier ein paar kleine Reisetipps für alle, die um Ostern gern mal in die Schweiz fahren wollen. Da ist allerhand los – z. B. veranstalten die Klageweiber von Romont ihre archaisch anmutende Prozession und in Bischofszell wird mit den bunt geschmückten Osterbrunnen die warme Jahreszeit begrüßt…

Historische Osterprozession in Mendrisio, 29. und 30. März 2018 (Tessin)

Am Gründonnerstag können Besucher in Mendrisio mit der dortigen Osterprozession einen der beeindruckendsten Bräuche der Schweiz erleben. Dafür werden zu Beginn der Karwoche in der Altstadt von Mendrisio die alten übers Jahr versteckten Transparenti hervorgeholt und entfaltet. Es handelt sich um hundert Schaubilder auf transparentem Stoff, die Motive aus der Leidensgeschichte Jesu zeigen. Am Abend des Gründonnerstags werden sie mit Lampions von innen beleuchtet. Dieses geheimnisvolle Licht passt perfekt zur Atmosphäre, die während des historischen Umzugs herrscht. Am vornehmlich liturgisch-religiösen Umzug am Karfreitag stehen die mitgetragenen Barock-Figuren des Christus und der schmerzensreichen Muttergottes aus der Kirche San Giovanni im Mittelpunkt. In schriftlichen Quellen wurde diese Mendrisio-Prozession erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt und einige der Transparenti stammen tatsächlich noch aus jener Zeit.

Die Klageweiber von Romont, 30. März 2018 (Fribourg Region)

Die Klageweiber von Romont c Office du Tourisme de RomontAm Karfreitag gehts in dem Städtchen Romont betont andächtig zu. Zunächst wird die Passionsgeschichte erzählt und anschließend vor der gewaltigen Stiftskirche die Karfreitagsliturgie zelebriert. Als Höhepunkt der vorösterlichen Feierlichkeiten setzt sich dann der Zug der  in schwarze Kutten gekleidete Kreuzträger und der 20 ebenfalls schwarz gekleideten und verhüllten Frauen in Bewegung. Diese Klageweiber oder französisch „Pleureuses“, tragen auf scharlachroten Kissen die Marterwerkzeuge  – Dornenkrone, Zangen, Nägel, Hammer, Geißel und Ruten. Betend und singend zieht dieser düstere Zug durch die Oberstadt und hält für ein kurzes Gebet bei den 14 Stationen inne, die den Leidensweg Christi bis zur Kreuzigungsstätte in Golgatha säumen.

Geschmückte Osterbrunnen in Bischofszell (Ostschweiz/Liechtenstein)

Keine Spur von Düsternis und Klage hat dieser Osterbrauch in der Ostschweiz. Nach dem Winterschlaf fließt das Wasser wieder in die Brunnen der Stadt und auf dem Lande von Bischofszell, Stocken und Halden. Aus Dankbarkeit und Freude werden die Brunnen frühlingshaft geschmückt und laden zu einem Rundgang ein. Das Schmücken der Osterbrunnen markiert den Beginn der farbenfrohen und warmen Jahreszeit. Der Brauch in der heutigen Form stammt aus dem 19. Jahrhundert. Geschmückte Brunnen als Gruß an den Frühling soll es in dieser Gegend aber schon Mitte des 5. Jarhunderts gegeben haben.

Ostersonntag mit dem Dampfer auf dem Vierwaldstädter See

Für alle, die sich an Ostern verwöhnen lassen möchten, ist eine entspannte Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee genau richtig. Auf der gut dreistündigen Fahrt ab Luzern (von 11.30 Uhr bis 14.40 Uhr) wird ein 3-Gang-Menü serviert (auch vegetarisch), während die Gäste das Panorama des Sees bestaunen können. Der Preis (3-Gang-Menü, inklusive Rundfahrt) beträgt 99 Schweizer Franken (rund 84 Euro) für Erwachsene und 56 Schweizer Franken (rund 47 Euro) für Kinder. Hier klicken für weitere Infos und Buchungen…

Foto: Klageweiber von Romont (c) Office du Tourisme Romont

7 Gedanken zu “Ostern in der Schweiz: Archaische Bräuche und bunte Frühlingsfeste

    • nun, ich bin ja kein schweizer – nur ein reisender, der dort manchmal hinfährt. aber aus erfahrung weiß ich, dass du dort zu allen jahreszeiten spannende feste erleben kannst. ein land, das immer einen besuch lohnt…
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      p.

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  1. Immer schön, etwas aus meiner Heimat zu lesen. Bischofszell liegt ja nur etwas mehr als ein Steinwurf weit von meinem Wohnort. Aber diesen Brauch kannte ich noch nicht. Ende Juni findet dort übrigens die Rosen- und Kulturwoche statt, auch ein wunderschön blumiges Erlebnis.
    LG Franz

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    • hallo franz, freut mich, dass einem schweizer der blick eines reisenden in sein land gefällt. übrigens finde ich bischofszell recht ungewöhnblich. gewissermaßen ist das mit den blumen ja ansich auch ein archaischer brauch – er wirkt aber zunächst nicht so, weil wir heute mit archaisch eher das düstere verbinden. dabei sind die blumenfeste viel älter, gehen weit zurück in vorchristliche zeiten. und den eindruck hab ich in bischofszell auch wenn das schmücken der osterbrunnen in der heutigen form gerade mal 200 jahre alt ist. aber schön für einen wie mich, der das bunte mag…
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      p.

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  2. Hallo Peter, wenn ich so lese, was die Klageweibern auf ihren roten Kissen tragen, muss ich immer wieder mal feststellen, dass die christliche Religion eine ziemlich martialische ist. – In den ersten 20 Jahren meines Lebens war ich katholisch und habe da so einige Sachen mitbekommen, die mir nicht so richtig zugesagt haben.
    Ist denn die Schweiz noch wirklich und richtig christlich oder sind das nur übernommene Traditionen. – Mir war es dort zu teuer, als ich im Sommer eine Woche dort war.
    Liebe Grüße von Clara

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    • was jetzt die pflege solcher traditionen in der schweiz betrifft, so handelt es sich zum einen natürlich um eine show für touristen und es wird ja auch entsprechend propagiert. andererseits hast du da schon noch leute, die mit inbrunst dabei sind. ich als nicht christlicher mensch, der allerdings kulturhistorisch interessiert ist, betrachte es hauptsächlich von dieser seite – d. h., ich finde es schon spannend, mir solche ereignisse anzuschauen und ihren wurzeln auf den grund zu gehen. und eins stimmt natürlich . preiswert ist die schweiz keineswegs…
      liebe grüße
      peter

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