Oper mit Audiobeschreibung oder: Hören was auf der Bühne zu sehen ist

Oper ist was zum Hören denn da wird gesungen und Musik gibt es auch. Also eine ideale Kunstform besonders für blinde und sehbehinderte Kulturfans?

Musik ist nur die halbe Oper

Gewiss – doch der Klang von Instrumenten und Stimmen ist im besten Sinne großartige Musik aber trotzdem nur die Hälfte dessen, was ohne Kulissen und Handlungsabläufen in Bildern kein vollkommenes Musiktheater wäre. So ist es beispielsweise nicht unerheblich, ob Mozarts Zauberflöte visuell in den Farben und Formen der historisierenden Tradition oder in der reduktiven Bildersprache moderner Inszenierungen serviert wird. Diese Ebene würde Kulturfans mit Seheinschränkungen verborgen bleiben oder nur abgespeckt zur Verfügung stehen, gebe es da nicht seit einigen Jahren ab und zu spezielle Angebote als Hör.Oper, was nicht einfach Opern Hören bezogen auf die Musik bedeutet.

Opernflüsterer als Audioübersetzer

Hör.Oper als besonderer Modus bietet unter dem etwas sperrigen Begriff Audiodeskription eine hörbare Liveübersetzung der visuellen Handlungsabläufe und der Bühnengestaltung via Ohrhörerset. Das ist natürlich auch eine höchst anspruchsvolle Aufgabe für die „Opernflüsterer“, die in der Lage sein müssen die Bühnenhandlung kurz und präzise zu beschreiben. Voraussetzung ist, dass sie die jeweiligen Stücke in- und auswendig kennen und sich vorher auch intensiv mit der konkreten Inszenierung befasst haben, denn klare und passende Beschreibungen aus dem Stehgreif sind eher unmöglich. Außerdem gibt’s, im Unterschied zur filmischen Audiodeskription nicht die Möglichkeit nachträglicher Korrekturen. Was Opernflüsterer einmal unklar oder gar falsch beschrieben haben, ist in der Welt und lässt sich nicht mehr aus selbiger entfernen.

Zum Beispiel Musiktheater im Revier

Diese Opernflüsterer sind beispielsweise auch beim Gelsenkirchener „Musiktheater im Revier“ beschäftigt um blinden und sehbehinderten Besuchern bei ausgewählten Stücken das Geschehen auf der Bühne zu beschreiben. Das ist aber noch nicht alles, was dem genannten Personenkreis angeboten wird. So gibt es zu jeder dieser speziellen Produktionen als Vorprogramm eine Begehung der Bühne, eine Einführung in das Stück und auf Wunsch ein Programmheft in Brailleschrift. Die neue Spielzeit beginnt im September mit „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach in französischer Sprache. Am 11. November sowie am 2. Weihnachtsfeiertag erklingt Mozarts „Zauberflöte“. Im ersten Halbjahr 2018 folgen das Musical „Jesus Christ Superstar“ und Werke von Schostakowitsch und Donizetti.

Auch Braunschweig ist dabei

Das „Musiktheater im Revier“ hat sich in dieser Hinsicht bereits einen sehr guten Namen erworben, ist aber zum Glück nicht mehr allein auf weiter Flur. So bietet u. a. auch das „Staatstheater Braunschweig“ verschiedene Produktionen mit Audiobeschreibung an – allerdings nicht nur Opern wie etwa Don Carlos von Verdi, sondern auch höchst aktuell anmutende Theaterstücke wie „Haus der gebrochenen Herzen“ nach Bernard Shaw. Passend zur Weihnachtszeit gibt’s bei den Braunschweigern dann auch noch Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ mit Unterstützung der Opernflüsterer.

Und hier gibt’s weitere Infos zu den Aufführungen der beiden genannten Theater mit Audiodeskription

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