Durch den Deckel trinken oder: Der innovative Kaffeebecher der Deutschen Bahn

Die deutsche Bahn ist ein echter Hotspot in Sachen Innovation. Daher stellt sie immer häufiger diese schönen neuen IC Züge im Doppelstockformat auf die Gleise. In denen die Reisenden perfekt ans Ziel geschaukelt werden. Sie müssen auch nicht mehr aufstehen um in den Speisewagen zu gehen denn den gibt’s, der Bahn sei Dank, gar nicht mehr. Stattdessen kommt ein flinker DB-Kellner durch die Gänge gewackelt…

Dieser balanciert auf den Händen ein Tablett mit Kaffeebechern. Bestimmt hat er seine Lehrjahre als Zirkusakrobat absolviert, denn trotz der schlingernden Bewegungsfreude des Zuges, der sich wie ein Segelboot bei Windstärke zwölf benimmt, hüpft dem Kellner kein Becher vom Tablett. Gekonnt serviert er das Heißgetränk in einem Papp-und-Plaste-Gefäß, mit dem der an Tassen und Pötte gewöhnte Großstadtwanderer wieder mal gar nichts anfangen kann. Schon will er den komischen Deckel entfernen, da ereilt ihn der warnende Schrei des umsichtigen Kellners. Vor Schreck hätte der Großstadtwanderer den Becher beinahe fallen lassen. Doch selbiges wird durch den raschen Zugriff des mit allen Wassern der Servierkunst gewaschenen Kellners ganz cool verhindert.

Kaffeebecher mit SiebNun bekommt der Großstadtwanderer nicht nur Kaffee, sondern als Zugabe noch ein kleines Einführungsseminar zum ordnungsgemäßen Gebrauch des Bechers serviert. Demnach darf der Deckel niemals entfernt werden weil er beim Trinken die Funktion eines Siebes wahrnimmt. Diese, so der Kellner, sei notwendig, weil sich im Becher ein Gemisch aus Kaffeepulver und Wasser befindet. Zum Glück nimmt der Großstadtwanderer weder Milch noch Zucker, denn wie diese beiden Zugaben in den Becher gelangen und anschließend noch umgerührt werden sollen, wird ihm zwar ausführlich erklärt, vom ihm aber rein sehtechnisch nicht kapiert. Er fummelt zwar auf dem Deckerl herum, ertastet auch dessen Strukturen, verzichtet aber diesmal auf das Ausprobieren der Selben. Wer weiß, was da alles passieren kann. 

So trinkt er denn seinen Kaffee durch den Deckel und denkt dabei an die fernen Tage seiner frühen Jugend in den Fünfzigerjahren, als bei Tante Martha der Kaffee auch gesiebt wurde – allerdings in eine schicke Tasse hinein. Dabei kam immer ein bisschen vom Satz mit hindurch, was gerade auch bei dem innovativen Siebbecher der Bahn auch passiert. Sicheres Zeichen, dass der Inhalt des Bechers ausgetrunken ist.

War damals bei Tante Martha auch schon so. Also nix mit Innovation…

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4 Gedanken zu “Durch den Deckel trinken oder: Der innovative Kaffeebecher der Deutschen Bahn

  1. Der Kaffee wird also nicht mehr gesiebt, um die Quellzeit zu beenden, sondern nur, damit der Trinker die kleinen Körnchen nicht mitschluckt? Dieses Beispiel zeigt sehr schön den Unterschied zwischen rein instrumenteller und umfassender Intelligenz – rein instrumentelle Intelligenz löst Probleme oft auf eine Art, die zeigt, daß sie keine Ahnung hat, worum es eigentlich geht. Leider zum Nachteil des Kunden.

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    • wahrscheinlich sollen mit dieser trickreichen methode die kaffeefreunde unter den kunden der bahn von weiteren bestellungen dieses wenig kaffeeähnlichen getränks abgeschreckt werden. anschließend kann die bahn behaupten, die kunden würden keinen kaffee mehr wollen…

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