Film über einen sehbehinderten Mann, der unbedingt Gastronom werden will

Der Film „Mein Blind Date mit dem Leben“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der innerhalb kürzester Zeit seine Sehkraft bis auf einen 5-Prozent-Rest verliert, aber keinen Bock auf die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt hat. Stattdessen will er Gastronom werden und verschweigt daher beim Ringen um einen entsprechenden Ausbildungsplatz seine Sehbehinderung…

Ein bisschen Hochstapelei ist nötig

Vorlage für den Film ist der autobiografische Roman gleichen Titels von Saliya Kahawatte. Allerdings übersetzt er das Buch nicht einfach in bewegte Bilder, sondern erzählt mit den Mitteln der Komödie eine teilweise andere, vor allem schnellere Geschichte, die natürlich etwas mit den Tücken der Sehbehinderung, aber auch sehr viel mit den Wünschen, Träumen und Sehnsüchten junger Menschen zu tun hat.

Da ist dieser jugendliche Kahawatte, der trotz Sehbehinderung das Abi prima gepackt hat und nun mit den Werkzeugen gekonnter Hochstapelei (manche Kritiker sehen hier eine Felix-Krull-Adaption) eine gastronomische Ausbildung in einem piekfeinen Fünf-Sterne-Laden absolvieren will. Klappt zunächst alles auch ganz gut, zumal er einen sympathischen Tagträumer und Draufgänger als hilfreichen Kumpel an seiner Seite hat. Auch die Liebe stellt sich ein, deren Protagonistin zunächst auch nichts von Kahawattes Behinderung bemerkt. Selbstverständlich gibt’s auch den fiesen Ausbilder, der mit großer Hingabe die Azubis immer wieder in die Pfanne haut. Als der endlich, nachdem Kahawatte eine gigantische Hochzeitstorte niedergemäht hat, von dessen Sehbehinderung erfährt, fällt er fast in Ohnmacht.

Outing früher als im Buch

Am Ende der Ausbildung, die Kahawatte natürlich beinahe top abschließt, ist alles schön. Die große Liebe bleibt ihm erhalten und der fiese Ausbilder bietet ihm trotz Sehbehinderte gar einen Job an weil Kahawatte ein gutes Gespür für Wein hat. Er lehnt aber dankend ab, denn er will mit seinem Kumpel eine eigene Kneipe aufmachen. Im Buch dauert der Prozess bis zum Outing übrigens 15 Jahre…

Klasse Film mit hohem Unterhaltungswert, in dem Kosja Ullmann diese Variante des Kahawatte als sympathischen jugendlichen Hochstapler markiert. Dem Großstadtwanderer ist diese Methode übrigens nicht ganz unbekannt. Ebenfalls mit Sehbehinderung gesegnet hat er selber genügend Situationen erlebt, in denen er die Mittel der Hochstapelei anwenden musste um in der von Sehenden dominierten Welt bestehen zu können – insbesondere auf der beruflichen Schiene…

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