Eltville am Rhein: Rausch ohne Reue im Zauber der Farben

Blick durch die Schießscharte auf die BlumenprachtDem Gaumen des Großstadtwanderers ist der Genuss edler Tropfen durchaus angenehm. Daher dürfte es nicht verwundern, dass er während eines längeren Aufenthalts im fernen Frankfurt (von Berlin aus gesehen) nicht umhin kann, sich auf einen kurzen Trip in den Rheingau zu begeben. Dort gibts nicht nur Wein, sondern auch tausend Rosen…

Pittoreste Angebote

Nun gut, der Rheingau kann ja mit einer Fülle schmackhafter und pittoresker Angebote locken. Gewiss könnte sich der Fuß des Großstadtwanderers beispielsweise Richtung Rüdesheim bewegen um mit vielen Tausend weiteren Füßen das berühmte Pflaster der Drosselgasse zu polieren. Auch das gotische Dorf Kiedrich, wo ein gewisser Helmut Stassen u. a. einen glanzvollen Roten zu keltern versteht, wäre gerade deswegen so richtig nach seinem Geschmack. Und die mystischen Mauern des Klosters Eberbach, wo einst der Name der Rose zum Kultfilm wurde, hätten ihn auch zum Schwelgen in den durchaus weinseligen Weiten des Mittelalters veranlassen können.

Ein Rausch im Namen der Rose

Doch schließlich entscheidet sich der Großstadtwanderer für Alta Villa, heutzutage Eltville genannt, denn das Städtchen mit der Doppel M Kellerei verspricht zu dieser Jahreszeit einen ganz besonderen Rausch. Dieser entspringt jedoch nicht dem Getränk aus edlen Reben, sondern – quasi auch im Namen der Rose – dem Duft unbd der Farbenpracht aus hunderttausend bunten Blüten…

Die Pracht der Rosen

Die dornigen Blumen heidnischer Göttinnen scheinen zumindest temporär die Herrschaft über den Ort zu besitzen, haben ihr Revier nicht irgendwo, sondern offenbar überall. Besonders natürlich in den Gärten des kurfürstlichen Schlosses, wo sich in früheren Zeiten die Mainzer Erzbischöfe zu verstecken pflegten, wenn die selbstbewussten Bürger mal wieder die Nase voll hatten von der klerikalen Bevormundung.

Vor dem Portal

In diesem Zusammenhang soll auch mal ein gewisser Henne Gensfleisch, auch Gutenberg genannt, in Eltville gewesen sein. Bestimmt hatte er alldorten auch jenes neue Handwerk zelebriert, das anfangs gar Schwarzkunst genannt wurde aber nichts mit Schwarzer Magie, sondern mit Druckerschwärze zu tun hatte. War vielen Klerikern und hochwohlgeborenen Herrschaften ähnlich suspekt wie die Zauberei weil sich mit Gensfleischs Handwerk nicht nur zahllose Bibeln, sondern auch aufrührerische oder gar gotteslästerliche Texte massenhaft verbreiten ließen. Womöglich war er nicht ganz unschuldig daran, dass sich die Mainzer Erzbischöfe hin und wieder im Schloss von Eltville verkriechen mussten…

Blütenpracht im Garten des Schlosses

Okay, diese Zeiten sind vorbei und heute versteckt sich niemand mehr hinter den Mauern des Schlosses. Dafür sind die Gärten offen für Besucher ohne Zahl, die sich von der Pracht der Rosen herbeilocken lassen. Auch der Großstadtwanderer ist nicht zum ersten Mal ihrem magischen Zauber erlegen und er huldigt gerne jener unbekannten Göttin, deren leuchtendes Symbol die Stachelblumen einst waren.

Im Namen der Rosen

Übrigens: Seit 1988 werden regelmäßig die Eltviller RosenWochen veranstaltet. In diesem Jahr enden sie am 25. Juni. Also noch genügend Zeit, um mal kurz zum Rosengucken in den Rheingau zu fahren…

Versunken im Zauber der Farben

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2 Gedanken zu “Eltville am Rhein: Rausch ohne Reue im Zauber der Farben

    • also ich hab im rheingau seit 1970 immer wieder mal vorbei geschaut und im kloster eberbach auch mal übernachtet. in eltville bin ich seit 2011 jedes jahr mal kurz gewesen, also nur immer ein paar stunden. auch diesmal war ich nur zum mittagessen da und bin anschließend ein bisschen rumgelaufen ehe es weiter ging. eigentlich müsste ich für den rheingau mal wieder etwas mehr zeit haben. hat mir immer gut gefallen und auch der wein vom stassen in kiedrich. aber das hatte ich dir ja schon mal erzählt…

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