Eine Skitour wie im Wintermärchen

„Immer wenn es schneit, hab ich keine Zeit“, sang vor fünfzig Jahren der olympische Skigott Toni Sailer und dem Großstadtwanderer geht es ebenso. Kaum fallen doch noch ganz unerwartet einige Flocken, schnappt er sich die schnellen Bretter und steigt in den Zug nach Dresden. Dort wartet schon die geheimnisvolle Besucherin und zusammen fahren sie via Haidenau mit der altehrwürdigen Erzgebirgsbahn bis hinauf ins tief verschneite Altenberg…

Endlicvh Schnee in Altenberg

Okay, tief verschneit ist vielleicht ein bisschen übertrieben, wenn man an die Schneehöhen längst vergangener Zeiten denkt. Da lag die weiße Pracht so hoch, dass die Häuser nicht mehr zu sehen waren. Es sind auch nicht die Alpen und die zwei Spuren im vierzig Zentimeter tiefen Schnee führen nicht herab von steiler Höh, sondern durch verwunschene Wälder und über wellige Hochflächen bis weit hinein ins Tschechische. Das ist fast so was wie eine Märchentour und der romantisch angehauchte Großstadtwanderer kommt sich bald vor wie in Andersens Story von der Schneekönigin.

Mit dieser kalten Dame aus dem hohen Norden hat die geheimnisvolle Besucherin jedoch keine Ähnlichkeit. Erstens ist sie alles andere als eisig, zweitens viel schöner und drittens hat sie Hunger, was bei Schneeköniginnen ja bekanntlich kaum vorkommt. Zum Glück taucht mitten im Wald plötzlich eine qualmende Gulaschkanone auf. Es gibt Erbsensuppe und Kesselfleisch aber dummerweise kein Bier. Das wäre bei diesen Minusgraden längst gefroren, erklärt die Wirtin der Kanone. Nur hochprozentiger Schnaps bleibe da noch flüssig.

Ganz aufs Bier verzichten müssen die Beiden aber nicht, denn das Erzgebirge ist auch ein Land der Bauden, wie hier die Hütten genannt werden. Eine solche mit Namen Lugstein steht in der Nähe des Georgenfelder Hochmoores und bietet neben regionalen Deftig- und Süßigkeiten auch köstliches Gebräu aus Hopfen und Getreide.

Als die Beiden schließlich die gemütliche Gaststube verlassen, dämmert draußen bereits die zauberhafte Winternacht. Hoch am Himmel leuchtet der Orion und in der Ferne die Lichter von Altenberg. Die letzte Abfahrt hinunter lässt die geheimnisvolle Besucherin den schnellen Brettern freien Lauf und der Großstadtwanderer muss dabei an die Skigöttin Skadi denken.

Die hatte ja bekanntlich verdammtes Pech mit Njörd, ihrem Männe, weil der keinen Schnee mochte, sondern seine Zeit lieber an den Gestaden des Meeres vertrödelte. Lange machte Skadi das Theater aber nicht mit und trennte sich bald wieder von dem untauglichen Beach Comber unter den Göttern. Vor diesem Problem steht die nette Besucherin zum Glück nicht, denn der Großstadtwanderer liebt sowohl sie und mit ihr gemeinsam die weißte Pracht des Winters. Ist der jedoch vorbei, können die Beiden sich auch von weißen Stränden und grünen Wäldern bezaubern lassen. Bis eventuell der nächste Winter kommt…

Skitour wie im Wintermärchen

 

 

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