Hotel Bogota Berlin -die Geschichte einer Institution des Neuen Westens als Doku im rbb Fernsehen

Das Fernsehen des rbb bringt am 15. Dezember ab 22.45 Uhr eine Doku über das kleine aber weltberühmte Hotel „Bogota“ in Berlin Charlottenburg, das im Jahre 2013 geschlossen wurde. Bis dahin war das Haus in der Schlüterstraße 45 nicht nur irgendein Hotel, sondern ein historischer Ereignisort. Im Jahre 1911 als Mietshaus eines Bankiers erbaut wurde es während der Weimarer Republik zu einer Institution des „Neuen Westens“ von Berlin und zu einem Zentrum jüdischen Kulturlebens. Berühmte Leute gingen ein und aus und Helmut Newton ging hier sogar in die Lehre und zwar bei „Yva“, der damals berühmtesten Modefotografin Deutschlands, die dort Wohnung und Atelier hatte.

Der „Neue Westen“ stand seinerzeit für Aufbruch in die Moderne und wurde daher von konservativen und reaktionären Kreisen nicht gerade geliebt. Ab 1930 setzten sie alles daran, den „Neuen Westen“ zu okkupieren und als die Nazis dann an der Macht waren, geschah das mit allen Mitteln des terroristischen Staatsapparates. Das bekam auch das Haus in der Schlüterstraße zu spüren: Es wurde 1940 Sitz der Reichskulturkammer mit ihrem Leiter Hans Hinkel. Hier mussten alle damals bekannten Größen der deutschen Unterhaltungsindustrie vorsprechen um ihr Deutschtum zu beweisen. „Yva“ konnte das aufgrund ihrer jüdischen Herkunft im Sinne der Nazis natürlich nicht, wurde in ein Vernichtungslager verschleppt und dort ermordet.Weil die Nazis als echte Bürokraten die Akten über die Kulturschaffenden fein säuberlich gesammelt und im Keller deponiert hatten, bekam nach dem Krieg die britische Entnazifizierungsabteilung Interesse an dem Haus und zog für einige Jahre dort ein.

Den Namen „Bogota“ bekam das Haus übrigens erst in den Sechzigerjahren. Der jüdische Emigrant Heinz Rewald wählte ihn als Reminiszenz an seinem Zufluchtsort in der kolumbianischen Hauptstadt.

Der Schauspieler Ilja Richter erzählt in seinem ersten Dokumentarfilm die Geschichte des „Bogota“. Ehemalige Gäste kommen zu Wort, ebenso wie Historiker, Schriftsteller und Künstler – und die Hoteliersfamilie Rissmann. Hanna Schygulla, Dieter Hallervorden, Dani Levy, Jim Rakete u. a. beleben die Vergangenheit. Mit der Schließung des Hotels im Dezember 2013 beleuchtet Ilja Richter aber auch die umfassenden Veränderungen, wie man sie in Berlin seit Jahren beobachten kann: bestehende Strukturen werden entfernt, um neue zu schaffen; oder – wie der Fotograf Jim Rakete es formuliert – „Orte werden umgewidmet“. Und Ilja Richter sagt: „Die gezeigte Gegenwart ist bereits Geschichte. Denn während wir im Film dem Scheitern des Hoteliers zusehen, sind die Planungen für das Haus bereits vorangeschritten.“

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2 Gedanken zu “Hotel Bogota Berlin -die Geschichte einer Institution des Neuen Westens als Doku im rbb Fernsehen

    • man könnte über das „bogota“ jede menge geschichten und anekdoten erzählen, die allesamt im zusammenhang stehen mit der entwicklung des „neuen westens“ und dem späteren west berlin. leider kam der erneute aufschwung der city west für das „bogota“ zu spät und auch der intervention zahlreicher künstler und kulturschaffender gelang es nicht, die schließung des hotels zu verhindern. schade…

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