Seget Donji an der kroatischen Adria: Verstecktes Kleinod aus der venezianischen Epoche

Von Istrien im Norden bis an den Rand der Bucht von Kotor im Süden scheinen an der kroatischen Adriaküste Städte und Dörfer prinzipiell alt zu sein. Die meisten von ihnen haben Jahrtausende auf dem Pflaster der Gassen erlebt und so gesehen ist das kleine Städtchen Seget Donji in der Nähe Trogirs mit etwa fünfhundert Jahren ein echter Neuling. Und trotzdem lohnt sich ein Besuch – vielleicht auch, um sich während einer Kroatien Reise vom touristischen Trubel der Superziele mal ein wenig zu entspannen.

Das Glück des Fußgängers

Seget Donji dürfte auf den von Norden kommenden Reisenden, der vielleicht gleich nach Trogir oder gar weiter nach Split oder Dubrovnik will, möglicherweise zunächst keinen besonders auffälligen Eindruck machen. Ein kleines sympathisches Städtchen mit ein paar Tausend Einwohnern. Links und rechts der Hauptstraße die typisch dalmatinischen Steinhäuschen mit den rot leuchtenden Ziegeldächern. Ein bisschen Stadtzentrum mit kleinen Geschäften. Wer Pech hat, fährt vielleicht einfach weiter – und verpasst damit ein zauberhaftes Kleinod an dieser märchenhaften Küste der östlichen Adria..

So was kann dem Großstadtwanderer nicht passieren denn er hat das Glück des Fußgängers, dem wegen seiner Langsamkeit Details auffallen, die dem Autofahrer aufgrund seiner Geschwindigkeit meistens entgehen. So bemerkt er auch einige Straßen, die zum Meer hinabführen. Sie machen neugierig und fordern ihn zu einem kurzen Abstecher heraus. Ganz zufällig erwischt er dabei sogar die richtige Straße – und befindet sich plötzlich in einem kleinen Ensemble aus der venezianischen Epoche. Ein altes Fischerdorf nur, aus Stein gebaut wie alles in diesem Land – doch mit Sicherheit ein Ort zum Bleiben, denn die Zeitreise scheint perfekt zu sein.

Triptychon von Blasius Pictor

Welch ein Kontrastprogramm – denn während die Stadt Seget Donji durchaus im Rhytmus der heutigen Zeit zu ticken pflegt, scheinen diese wenigen alten Gassen des ehemaligen Dorfes am Meer geradezu im Damals zu verharren. Vielleicht im Jahr 1758, als die barocke Pfarrkirche eingeweiht wurde. Ihr Turm grüßt weit übers Meer, was allerdings typisch ist für diese Küste, wo sich alles dem Wasser zuwendet. Dieses so bescheiden wirkende Gotteshaus, klein und beschaulich wie das Dorf, birgt einen besonderen Schatz für Kunstkenner.

Es fällt sofort auf, dieses Triptychon von Blaz Jurjev Trogiranin das wahrscheinlich kaum jemand in einer Dorfkirche erwarten würde. Immerhin war dieser kroatische Künstler (1412 – 1448) unter dem Namen Blasius Pictor zumindest in seiner Zeit weltberühmt und vor allem auch viel beschäftigt. Zahlreiche Städte seiner Heimat, beispielsweise Zadar, Trogir, Dubrovnik und Ston können Werke des Meisters zeigen. Aber auch in Budapest, Warschau, Luxemburg und sogar in Venedig sind sie zu bewundern. Und dann hängt eines seiner Werke hier in der kleinen Pfarrkirche von Seget Donji, die viel jünger ist als das Triptychon. Das ist eine echte Überraschung genau wie das gotisches Kruzifix, dass der Großstadtwanderer beinahe übersehen hätte.

Zu Fuß nach Trogir

Aus der sakralen Stille der kleinen Kirche tritt der Großstadtwanderer hinaus in die beschauliche Ruhe des kleinen Ortes, wo in schattigen schmalen Gassen große Blumentöpfe auf den Stufen vor den Häusern stehen. Autos würden hier kaum durch passen. Aber diese kleinen wendigen Zweiradflitzer, rote, grüne, blaue Motorroller, die in keiner mediterranen Ortschaft fehlen dürfen, haben Platz genug. Und ein solcher kommt gerade angeknattert und fährt weiter Richtung Strandpromenade. Selbige verbindet diesen fast verwunschenen Ort mit der turbulenten und angesagten Feriensiedlung Medena, wo es Tennisplätze, Discos, einen breiten Strand und ein großes Hotel gibt. Bestens geeginet für Urlaub im Stil der Zeit und nur einen Kilometer von Seget Donji entfernt.

Doch der Großstadtwanderer aus dem Norden sucht momentan gar nicht die permanente Party, sondern sehnt sich vielmehr nach mediterraner Gelassenheit. Dafür ist  Seget Donji, dessen alten Dorfkern er ganz zufällig entdeckte, genau der richtige Ort. Gute und preiswerte Ferienwohnungen gibt es genug in der Umgebung und die Altstadt von Trogir, immerhin Weltkulturerbe, ist zur Freude des Großstadtwanderers auch zu Fuß erreichbar.

Stille Gasse in Seget DonjiSeget Donji fast wie eine Zeitreise

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